Kommentar von
Sandra Sieler

Klimaschutz Gut fürs Gewissen und gut fürs Image

Dienstag, 06. August 2019
Die Bundesrepublik hat ihre Treibhausgas-Emissionen zwischen 1990 und 2018 um satte 30 Prozent gesenkt. Maßnahmen wie der Ausbau erneuerbarer Energien oder die Steigerung der Energieeffizienz zeigen also ihre Wirkung. Das reicht aber nicht. Bei weitem nicht. Denn von dem in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung definierten Ziel einer Einsparung von 40 Prozent bis zum Jahr 2020 sind wir immer noch meilenweit entfernt.

Aus diesem Grund schlagen die Umweltverbände jetzt Alarm. In der Landwirtschaft sei die geplante Reduktion klimaschädlicher Gase nur zu erreichen, wenn die Nutztierbestände konsequent abgebaut werden. Sie rechnen vor: Würden in Deutschland 3,5 Prozent weniger Rinder, Kühe und Schweine aufgestallt, spare das eine Million CO2-Äquivalente pro Jahr ein.

Stall
(Bild: Erich Westendarp / pixabay.com)

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Damit zielen BUND, NABU und Greenpeace genau in die entgegengesetzte Richtung wie Dänemark sie eingeschlagen hat. Unsere nordischen Nachbarn haben sich ebenfalls ehrgeizige Klimaziele gesteckt. Die Schweinefleischbranche will ihre Emissionen bis 2030 halbieren und spätestens ab 2050 klimaneutral arbeiten – und das bei mindestens gleich großer Produktion. Schließlich seien im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen auf der Erde zu ernähren. Gleichsam wollen die Skandinavier verhindern, dass die Erzeugung abwandert und Fleisch dann zu klimaschädlicheren Bedingungen woanders produziert wird. Stattdessen setzt die dänische Landwirtschaft auf Forschung und neue Technologien, um die Tierhaltung künftig im eigenen Land umweltgerecht zu gestalten. Und hier ziehen alle Stufen der Wertschöpfungskette Fleisch mit.
Klima - L&F
(Bild: L&F)

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Straffe Ziele, straffe Organisation. Was diesen ambitionierten Plan und die konsequente Orientierung aller Beteiligten daran erst ermöglicht, ist einerseits die genossenschaftliche Struktur in der dänischen Schweinefleischbranche – und damit letztlich des Schlachtkonzerns Danish Crown. Andererseits steuert der Schweinefleischsektor einen erheblichen Teil zur dänischen Wirtschaftsleistung bei, so dass auch die Politik stramm hinter der Branche steht.
„Ein Commitment der Fleischwirtschaft für den Klimaschutz wäre erstrebenswert, würde sie damit doch zeigen, dass sie ihr Handeln bewusst nachhaltig ausrichtet.“
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Zugegeben: Beides ist in keinster Weise auf Deutschland übertragbar. Ein Commitment der Fleischwirtschaft für den Klimaschutz wäre trotzdem erstrebenswert, würde sie damit doch zeigen, dass sie ihr Handeln bewusst nachhaltig ausrichtet. Eine ganze Reihe an Unternehmen tut dies bereits und engagiert sich vorbildlich mit großen und kleinen Projekten für eine umweltgerechte Unternehmensführung. Ein Bekenntnis der gesamten Branche würde aber vielleicht daran scheitern, dass andere immer noch die Strategie fahren, allein die Kosten zu drücken, statt den klimatischen Fußabdruck.

Das Handwerk hat sein Bekenntnis für Klima und Umweltschutz bereits mit seinem Leitbild abgegeben. Und das wird vielfach auch gelebt. Strategien, Initiativen und Maßnahmen gibt‘s unendlich viele. Die Zertifizierung als klimaneutrale Metzgerei durch den Deutschen Fleischer-Verband etwa ist nur ein Beispiel von vielen. Jede einzelne Idee hilft.

Nun ist die Stufe der Landwirtschaft der bei weitem größte Klimakiller in der Prozesskette Fleisch. Das heißt aber nicht, dass die Rote Seite die Verantwortung vollends auf der Grünen Seite abladen kann. Im Gegenteil: Der Ansatz muss ganzheitlich gewählt sein. Als Abnehmer kann man versuchen, die Spielregeln festzulegen und die vorgelagerte Stufe zu klimafreundlichem Handeln zu motivieren. Preise, die den Mehraufwand auch honorieren, sind da ein guter Anreiz.

Entwicklung bedingt eigentlich immer ein finanzielles Investment. Wobei sich das Engagement für die Umwelt leider nicht in Heller und Pfennig auszahlt. Jeder Schritt bietet aber zugleich einen Ansatzpunkt für das Marketing. Was gut fürs Gewissen ist, ist dann auch gut fürs Image. Zwar darf der Klimaschutz nicht zum Werbegag verkommen, aber das Reden darüber macht ihn auch wirtschaftlich attraktiv.

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