Kommentar von
Gerd Abeln

Lebensmittelverschwendung Die Wahrnehmung des Verbrauchers schärfen

Montag, 13. Juli 2015
Mit einer neuen Studie hat der World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland auf die anhaltende Problematik der Lebensmittelverschwendung aufmerksam gemacht.

Nach Recherchen des WWF gehen in Deutschland jährlich mehr als 18 Mio. t an Nahrungsmitteln verloren. Etwa 10 Mio. t davon halten die Naturschützer für vermeidbar, beispielsweise durch ein verbessertes Management entlang der Wertschöpfungskette, nachhaltigere Marketingstrategien und veränderte Konsumgewohnheiten. Für Deutschland fordert WWF einen Nationalen Aktionsplan, man möchte als verbindliches Ziel die Lebensmittelverschwendung in den kommenden Jahren auf die Hälfte reduzieren. Vor allem Unternehmen, Handel und Großverbraucher sollen dabei stärker in die Pflicht genommen werden.



Aber das dürfte nicht genug sein. Auch die Verbraucher müssen über ihre Verzehrsgewohnheiten nachdenken. Die Hauptgründe von Verschwendung im Haushalt sind unverhältnismäßig große Einkäufe, Essensvorbereitung im Überfluss, mangelnde Bereitschaft, Reste zu verbrauchen sowie unsachgemäße Lagerung von Lebensmitteln. Das sagen Forscher des Cornell Food and Brand Lab der Cornell University aus Ithaca im Bundesstaat New York. Die meisten der Faktoren, die zur Verschwendung führen, könnten leicht durch einfache Änderungen von Gewohnheiten bei Lebensmittelkauf, Essensvorbereitung und Lagerung behoben werden. Verbraucher am heimischen Herd sollten effizientes Kochen lernen, könnten die Verschwendung deutlich verringern und zudem Geld sparen.

In beiden Fällen sind klaren Zielvorgaben, Zuständigkeiten und vor allem eine entsprechenden Finanzierung unverzichtbar. Darüber hinaus bleibt noch ein erheblicher Forschungsbedarf. Dieser sollte jedoch nicht auf die bessere Quantifizierung der Verluste beschränkt werden. Stattdessen müssen die Gründe für die Verluste geklärt werden. NGOs rufen – gerade mit Blick auf die Fleischkette – oft nach großen Aktionsplänen, mehr Geld und strengeren Gesetzen für Landwirte und Unternehmen. Die Politik sollte aber nicht vergessen, die Verbraucher einzubeziehen, am besten schon mit Programmen für Schüler. Verbrauchern zu erklären, wie man richtig und nachhaltig mit Lebensmitteln umgeht und sie nicht verschwendet, würde sicher hohe Verluste vermeiden und wäre ein erstrebenswertes Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt.

Schon vor zwei Jahren hat eine globale Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung gezeigt, dass bereits einfache Maßnahmen von Verbrauchern, Lebensmitteleinzelhandel und Gastgewerbe verhindern können, das weltweit jährlich 1,3 Mrd. t Lebensmittel verloren gehen oder verschwendet werden. Für alle Beteiligten muss das Bewusstsein der Wertschätzung von Lebensmitteln geschärft werden. Eine wichtiger Schritt für Verbraucher könnte sein, nur so viel Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte zu kaufen, wie auch wirklich benötigt werden.

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