Kommentar von
Renate Kühlcke

Mehr Chancen als Geschäftemacherei

Dienstag, 08. Januar 2013

Kommentar von Renate Kühlcke

Schinken aus Parma und San Daniele haben ihn in ursprünglicher Form, Schwarzwälder Schinken und Südtiroler Speck in abgespeckter Version: den EU-Herkunftsschutz.

Gleich drei Gütezeichen bürgen EU-weit für die Qualität dieser Lebensmittel und wollen für angemessenen Schutz vor Missbrauch und Nachahmung sorgen: g.U. (geschützte Ursprungsbezeichnung), g.g.A. (geschützte geografische Angabe) und g.t.S. (garantiert traditionelle Spezialität). Gerade diese Differenzierung ist dem Verbraucher schwer vermittelbar und sorgt so immer wieder für Verwirrung. Selbst mancher Hersteller verkennt Herkunftsschutz als Geschäftemacherei.

Trotz solcher Diskussionen ist dieses vielschichtige Schutzsystem-Konzept nun doch nicht der Neuordnung der EU-Qualitätspolitik für Agrarprodukte zum Opfer gefallen. Die Hersteller von g.g.A.-Erzeugnissen können auch künftig auf eine breite Rohstoffbasis zurückgreifen und ihre Rohprodukte außerhalb der geschützten Region zukaufen.

Als g.t.S. dürfen künftig aber nur noch Spezialitäten eingetragen werden, die eine mindestens 30-jährige Tradition haben anstelle der bislang geforderten 25-jährigen Bekanntheit. Zuletzt waren sogar 50 Jahre als Schutzhürde im Gespräch.

Für das Fleischerhandwerk werden die nächsten zwölf Monate spannend. Die Europäische Kommission muss der neuen Verordnung entsprechend bis Ende dieses Jahres einen Bericht vorlegen, der sich mit der möglichen Einführung einer Kennzeichnungsregelung für die „lokale Landwirtschaft“ und den „Direktverkauf“ beschäftigt.

Sollte der Begriff „Lokalverkauf“ Eingang in die europäische Gesetzgebung finden, besteht die Chance, die Qualitätsprodukte des Fleischerhandwerks hier zu positionieren.
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