Kommentar von
Elisabeth Kilian

Missernten wirken sich global aus

Donnerstag, 16. August 2012

Elisabeth Kilian über Wetterkatastrophen und deren Auswirkungen auf die Ernährungsindustrie

Mit den Folgen der nun schon länger andauernden Dürre in weiten Teilen der USA haben derzeit viele dort ansässige Landwirte zu kämpfen. Die Natur macht nicht nur westlichen Bauern einen Strich durch die Rechnung. Auswirkungen unberechenbarer Wetterereignissen auf die Landwirtschaft machen sich auf der ganzen Welt bemerkbar. Beispielsweise am Horn von Afrika suchen lang anhaltende Dürren die sowieso schon bettelarme Bevölkerung immer wieder heim.

Dies traf die Menschen dort letztes Jahr so schwer, dass eine Hungersnot ausgerufen werden musste. Besonders das ohnehin schon gebeutelte Krisenland Somalia wurde hart getroffen, viele Familien mussten aus ihren Dörfern fliehen um so der Krise zu entkommen. So manchem werden die Bilder bekannt sein, in denen flüchtende Familien ihre bis auf die Knochen abgemagerten Tiere am Straßenrand zurück lassen müssen, um selbst weiter zu kommen.

Ein Tier im Zuge einer Dürre zu verlieren mag für einen westlichen Landwirt ein Rückschlag sein, für einen aus einem Entwicklungsland bedeutet es den Verlust einer Lebensversicherung. Die Situation hat sich gebessert, doch auf keinen Fall ist eine baldige Entlastung in Sicht.

A
uch in Osteuropa müssen Ernteerwartungen durch dort auftretende Dürren immer weiter herunter gestuft werden. In Kasachstan wird ein Ernteausfall von über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet, und auch in der Ukraine und Russland sieht der Ertrag nicht besonders positiv aus.

Hitzewellen verbrennen das Getreide geradezu auf dem Feld. Jeder wird sich auch an die verheerenden Überflutungen in Pakistan erinnern, die die Existenz eines großen Teiles der Bevölkerung vernichtet haben. In Australien treten häufig Buschfeuer auf und zerstören das Land und den Tierbestand vieler Farmer.

E
ine Lage, die natürlich auch für die Fleischindustrie schwierig ist. Durch ausfallende Ernten entfällt auch wichtiges Tierfutter. In Amerika werden mittlerweile sehr viele Rinder geschlachtet, um sie bei steigenden Futtermittelpreisen nicht weiter ernähren zu müssen. Auf lange Sicht wird mit einer Erhöhung der Lebensmittelpreise gerechnet werden müssen. Kein Land der Welt ist gegen Ernteausfälle immun, doch ein entscheidender Unterschied ist der Umgang mit solchen widrigen Umständen.

In den USA zum Beispiel werden Notkredite mit minimaler Zinslast herausgegeben. Während dort viele Landwirte gegen Naturkatastrophen und darauf folgende schlechte Ernten versichert sind, haben betroffene Entwicklungsländer weniger Sicherheit. Dort sind Ernteversicherungen meist nur durch Hilfsprojekte möglich, die noch lange nicht überall hin vorgedrungen sind.

Dürren, Überschwemmungen und steigende Getreidepreise sind Probleme, die auch in Zukunft nicht aus der Welt zu räumen sein werden. Die Frage ist, wie würde das sonst so stabile Deutschland mit einer solchen Lage umgehen? Im Falle eines Ernteausfalls könnte nicht schnell gegen gesteuert werden, da große Flächen zum Anbau von Energiepflanzen genutzt werden, um Ökoenergie zu gewinnen.

Während diese Energiewende noch vor Kurzem als Ausstieg aus der „schmutzigen“ Energiegewinnung (Öl, Erdgas) gefeiert wurde, entstehen mittlerweile Zweifel am Sinn der Dichte der Biogasanlagen, die wie Pilze aus dem Boden sprießen. Auch für Bewohner von Entwicklungsländern stellt diese neue Entwicklung eine Bedrohung dar. Einerseits verlieren sie geschützte Gebiete, indem Landwirte immer weiter ausweichen müssen, um Energiepflanzen Platz zu machen.

Andererseits wird aus armen Ländern Getreide exportiert, das für die Bevölkerung eine wichtige Nahrungsquelle darstellen könnte, um westliche Tiere zu füttern. In den USA wurden 120 Mio. t Mais im Zuge der Beimischungspflicht zur Treibstoffproduktion im Jahre 2012 aufgewendet.

Mit Naturkatastrophen, geringen Ernten und daraus folgenden Auswirkungen auf die Fleischindustrie muss immer gerechnet werden. Die Frage ist nur, was kann getan werden, um die Verluste möglichst gering zu halten und auch arme Länder vor verheerenden Auswirkungen zu verschonen.

Im Zuge der Globalisierung wirken sich Missernten in vielen Gebieten auch auf nicht betroffene Länder aus und gemeinsame Lösungen müssen gefunden werden. Eine solche Lösung könnte sein, den Anteil von Energiepflanzen an der Gesamternte zu verringern, wie in den USA schon gefordert. Es sollte von staatlicher Seite aus ein Notfallplan für ausfallende Ernten vorhanden sein.

In den USA laufen beispielsweise schon Entschädigungen für durch Ernteausfälle bedingte Verluste der Landwirte an, die von der Regierung ausgehen. Außerdem wäre es ratsam, mehr in die Forschung zu investieren. So kann die Entwicklung wetterbeständiger Getreidesorten vorangetrieben werden, auch Tierarten die besser mit Dürre und Entbehrungen umgehen können gibt es schon, wenn auch keine Hochleistungsrassen.

Im Angesicht des Klimawandels werden die Länder lernen müssen mit unbeständigen Wetterverhältnissen umzugehen, ohne dass die Ärmsten unverhältnismäßig leiden müssen.
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