Kommentar von
Jörg Schiffeler

Organisationsreform Höchste Zeit für Strukturveränderung

Dienstag, 04. Februar 2020
Am vergangenen Wochenende trafen in Eisenach Innungsmitglieder aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zum zweiten mitteldeutschen Verbandstag zusammen. Damit setzen die ostdeutschen Fleischer ein Kapitel fort, was im vergangenen Jahr als starkes Signal in Leipzig startete.

Es geht ans Eingemachte: „Es wird Zeit Nägel mit Köpfen zu machen und ähnlich dem Muster des Nordverbunds etwas auf die Beine zu stellen, um unser Handwerk zu festigen“, schrieb Sachsens bisheriger Landesinnungsmeister Thomas Keller den Tagungsteilnehmern ins Stammbuch.

Viele Metzger sorgen sich um den Erhalt des organisierten Fleischerhandwerks. Der Flattermann kommt dabei den wenigsten Innungsmitgliedern, weil man an Traditionen festhalten möchte. Vielmehr treibt die Unternehmer die professionelle politische Interessenvertretung um. Fleischer wollen wahrgenommen werden. Sie möchten nicht länger von Teilen der Gesellschaft, Mandatsträgern, Essensrettern, Ernährungsfanatikern und Umweltaktivisten an den Pranger gestellt werden.

Das Versprechen vieler Bundes- und Landesregierungen Bürokratie abzubauen, trifft auf ein Gefühl, das komplett anders wahrgenommen wird – nicht nur in Reihen der Handwerksbetriebe. Immer neue Vorschriften und auszufüllende Formulare lassen den Meister seines Fachs dagegen zum Schriftsteller werden. So formulierte es der Thüringer Landesinnungsmeister Thomas Hönnger in seiner Eröffnungsrede zur zweiten gemeinsamen Arbeitstagung. 

Dabei drücken weitere Herausforderungen auf die Laune der Unternehmer: Ein Mangel an Azubis sowie Engpässe bei Fachkräften, fehlende Betriebsnachfolger und schmelzende Gewinne. Neben der aktuellen politischen Gemengelage aus ASP, Ferkelkastration und Tierwohl, regionalen Wertschöpfungsketten und Schlachtinfrastruktur sowie der lästigen Kassensicherungsverordnung ging es bei der gemeinsamen Tagung ostdeutscher Fleischer vor allem ums Zusammenrücken.

„Muss die Finanznot noch zunehmen, bis alle organisierten Mitglieder endlich einlenken, um neue Kooperationsformen zu finden?“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Hönnger und Keller erleben immer wieder schmerzhaft, dass viele fleischerhandwerkliche Betriebe die Gemeinschaft verlassen. Und das ist andernorts nicht anders. Damit gerät die Finanzierung der Facharbeit in Gefahr und bedroht schlussendlich die Existenz kompletter Landesverbände. In Berlin und Brandenburg lösten die Fleischer ihren gemeinsamen Verband auf – sicher nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Das hat fatale Folgen, weil dem Berufsstand eine starke Stimme fehlt, die im Berliner Senat oder im Potsdamer Landtag wahrgenommen wird. In Sachsen und Thüringen ist das Fleischerhandwerk weiter. Nicht erst seit der deutschen Einheit bestehen engste Verbindungen untereinander und beide Landesvorstände forcieren mehr als einen starken Schulterschluss.

Das Ausloten neuer Kooperationsformen ist schwierig. Davon zeugt auch der Auftritt des Fleischerverbands Sachsen-Anhalt (FSA). „Wir wollen Veränderungen“, schwört Landesinnungsmeister Klaus-Dieter Kohlmann einerseits, konzentriert sich bei der Begrüßung jedoch auf die Wurstvielfalt Mitteldeutschlands und nimmt andererseits seine Zusage für die Durchführung des nächsten Trilogs mangels Budget ab. Ebenso führten die Sachsen-Anhaltiner auch keine Mitgliederversammlung durch, zu denen sich Thüringer und Sachsen zusammenfanden. 

Wie kann es den Fleischern gelingen, sich zukunftsfähig und gleichzeitig schlagkräftig aufzustellen? Muss die Finanznot noch zunehmen, bis alle organisierten Mitglieder endlich einlenken? Die Skepsis gegenüber Kollegen aus anderen Regionen und Bundesländern muss überwunden werden. Schließlich sitzen alle Metzgermeister in einem Boot. Deshalb kann auf viele Doppelstrukturen verzichtet werden, um die Beratung und Interessenvertretung der Innungsbetriebe zu professionalisieren. Denn Verbandsarbeit muss mehr sein als Verwaltung.

Mehr über den Mitteldeutschen Verbandstag lesen Sie hier.

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