Kommentar von
Jörg Schiffeler

Pro Neuland verspielt Vertrauen

Dienstag, 28. August 2018
Fleisch aus dem Neuland-Programm gibt es jetzt auch bei Aldi & Co. Damit geht der Trägerverein fremd. Eine Kriegserklärung.
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Neuland ALDI


Bislang war es exklusiv Fachgeschäften und Restaurants vorbehalten. Das war auch als Ausdruck der Verantwortung zu werten, für Tier und Umwelt, für Regionalität und Fairness. Steht das nun auf dem Spiel?

Dass Neuland nun Aldi betritt, ist ein Schlag ins Gesicht aller Metzgermeister, die ihr Unternehmen auf das bisher für sie exklusive Fleischprogramm ausgerichtet haben. Mit der großen Listung seit diesem Montag ist dieses Angebot kein Alleinstellungsmerkmal mehr für Fleischer-Fachgeschäfte. Stattdessen beschert die Belieferung den Handwerkern einen waschechten Interessenskonflikt, denn Discount ist so ziemlich genau das Gegenteil dessen, wovon Meisterbetriebe überzeugt sind.

Vor allem aber verspielt das bisher Harmonie ausstrahlende gelb-grüne Markenzeichen jenes große Vertrauen, das viele fleischerhandwerkliche Betriebe in das Qualitätsfleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung gesetzt haben. Diese Vereinbarung ist nun einseitig aufgekündigt worden. Die „Neuland-Fleischer“ haben sich darauf verlassen, einen Rohstoff zu beziehen, der in der Tradition von bäuerlich regionalen Strukturen sowie Handwerkstugenden steht. Klasse statt Masse war hier bisher die Devise, die insbesondere dem Fleischerhandwerk in die Karten spielte. Damit ist es nun vorbei.
Neuland Schweinefleisch Aldi
(Bild: slb)

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Wer Discounter beliefern möchte, setzt auf Massenproduktion. Schließlich will der Billigheimer seinen Kunden flächendeckend in allen Filialen ein Angebot unterbreiten. Auch wenn der Verkauf von Schweinefleisch aus dem Neuland-Programm zunächst nur in ausgewählten Pilotmärkten in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern startet, müssen sich die Metzger auf die bundesweite Listung einstellen. Die Kooperation hat der Trägerverein mit den Unternehmensgruppen Aldi Nord und Aldi Süd vereinbart.

Betroffene Fleischer müssen jetzt ihr Engagement überprüfen. Denn der Spagat von Neuland verunsichert auch die Kunden von Fachgeschäften. Nun ist es natürlich kein neues Phänomen, dass erfolgreichen Produkten der Einzug ins SB-Regal gelingt. Der Unterschied im konkreten Fall liegt aber in der Abkehr der Neuland-Philosophie, bei der bisher die Erzeugung von Massenware tabu war.

Lesen Sie auch die Gegenposition „Gelungener Werbecoup“ von Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin.
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