Kommentar von
Sandra Sieler

Rabattschlachten Höchste Zeit für mehr Wert

Mittwoch, 28. Oktober 2020
Fleisch ist und bleibt der Lockvogel der großen Handelsketten.

Das offenbaren Woche für Woche Anzeigen und Reklamezettel der Supermärkte und Discounter, genauso die Werbespots im Radio. Aber muss das wirklich sein, liebe Händler? Gibt es im Jahr 2020 immer noch keine besseren Argumente für Schnitzel, Rouladen & Co. als den Preis?

In den Zeiten der allgemeinen Empörung über die Enge von Ställen und über die Wohn- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Fleischindustrie sollte man annehmen, dass nicht mehr derjenige das attraktivste Angebot schafft, der ein Stück Fleisch zu besonders niedrigen Kosten ins Regal gebracht hat. Viel mehr darf sich doch jener hervortun, der besonderen Wert auf Tierwohl- und Sozialstandards legt. Das würde dann auch besser zur „großen Verantwortung für Mensch und Natur“ passen, die beispielsweise Lidl online auf seiner Webseite hervorhebt.

Damit scheint es in der wirklichen Welt nicht weit her. Das monierten jetzt wieder nachdrücklich, aber friedlich, eine ganze Reihe von Landwirten, als sie die Zentrallager von Aldi, Lidl und Edeka blockierten. Denn aktuell laufen wieder harte Preisrunden.
„Das Spiel mit den billigen Preisen funktioniert, weil der Verbraucher es mitspielt. “
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Das Spiel mit den billigen Preisen funktioniert natürlich nur, weil der Verbraucher es mitspielt. Der Köder muss ja bekanntlich dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Allen Umfragen und Beteuerungen zum Trotz greift er – jahrzehntelang darauf gedrillt – immer noch reflexhaft zum günstigsten Artikel. Dafür liefern ihm Corona und die damit verbundene wirtschaftliche Unsicherheit vermeintlich noch einen weiteren Grund.

Wie also kommen wir raus aus dieser Spirale, die Einkommen und Ansehen der Bauern immer weiter drückt, bis auch der letzte die Lust an der Lebensmittelproduktion verloren hat? Die Bundesregierung hat jetzt entdeckt, dass die Werbung mit Billigpreisen „im Hinblick auf den besonderen Stellenwert von Fleisch als ein von Nutztieren gewonnenes Lebensmittel problematisch“ ist und will dem per Gesetz einen Riegel vorschieben. Es wird höchste Zeit.
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