Kommentar von
Sandra Sieler

Ranking Wer sich in den „Top 100“ findet, hat sich den Platz hart erkämpft

Dienstag, 12. November 2019
Das Geschäft mit Fleisch und Wurst ist kein leichtes. Das zeigt die ganze Latte an Unternehmensinsolvenzen und -verkäufen in den vergangenen Monaten und Jahren.

Seit der BSE-Krise kämpft die Branche um ihr Ansehen – in der Gesellschaft und in der Politik. Der Schock der Bilder von zitternden Kühen mit von Prionen zerfressenen Hirnen leitete eine Kehrtwende ein, nicht nur für die deutsche Fleischwirtschaft: Ein ganzer Teil des Wirtschaftszweigs klappte vorübergehend zusammen, und seither sind die Konsumenten kritischer denn je. Der wirtschaftliche Druck wuchs und im Gleichschritt die Zahl der gesetzlichen Auflagen. Gefühlt mündete dies in einen Teufelskreis:

Je schwieriger das Geschäft, desto erfindungsreicher wurden Einzelne der Branche darin, wie man seine Gewinnmarge sichert – leider nicht immer gesetzeskonform. Und wie sehr das Gewinnstreben die Fantasie beflügeln kann, zeigen die Skandale um Pferdefleisch in der Lasagne oder um umetikettiertes und als frische Ware verkauftes Gammelfleisch. Für das Unwesen einzelner Schwarzer Schafe muss allerdings immer gleich die ganze Branche büßen, mit nochmals strengeren gesetzlichen Auflagen, die erneut den Druck erhöhen. Und so weiter.

„Respekt gebührt jedem Unternehmer, der redliche Wege aus der Zwickmühle findet, der keine Abstriche macht, weder bei Rohstoffen, noch bei der Prozess- und Produktqualität. Und der sein Personal verantwortungsbewusst einsetzt.“
Sandra Sieler, stellvertretende Chefredakteurin
Da gebührt jedem Unternehmer Respekt, der andere Wege aus dieser Zwickmühle findet, der keine Abstriche macht, weder bei Rohstoffen, noch bei der Prozess- und Produktqualität. Und der sein Personal verantwortungsbewusst einsetzt. Dass diese Strategie zusammen mit einem guten Gespür für Produkte und Märkte aufgehen und auch heute noch das Auskommen in der Fleischwirtschaft sichern kann, dafür stehen all jene Unternehmer, die ihre Verantwortung als Lebensmittelunternehmer und als Arbeitgeber ernst nehmen und ihren Betrieb stetig weiterentwickeln.

Dieses Streben auch wirtschaftlich durchzuhalten hängt aber wesentlich von der Wertschätzung seitens der Kunden ab. Genau das ist zurzeit für viele Verarbeiter ein Knackpunkt. Seit Monaten befindet sich der Schweinepreis im Höhenflug. Das hält keine Kalkulation aus, ohne am Verkaufspreis zu drehen. Leider trifft das beim Handel nicht immer auf offene Ohren. Darüber klagen die Fleischwarenhersteller immer wieder. Sie fühlen sich zerrieben zwischen der wachsenden Marktmacht der Schlachtstufe auf der einen und dem konzentrierten Lebensmitteleinzelhandel auf der anderen Seite. Zu allem Überfluss tummelt letzterer sich selbst immer mehr im Segment der Veredelung von Fleisch – das macht es den industriellen Anbietern von Fleisch und Wurst nicht leichter.
Top-100-Ranking - Schweinehälften
(Bild: jus)

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Angesichts der Übermacht der großen Lebensmittelhändler auf der Abnehmerseite tut sich wohl derjenige leichter, der dem etwas entgegen zu setzen hat. Ein Konglomerat wie Zur Mühlen mit seinen zahlreichen Marken steigt sicherlich mit einem anderen Gewicht in den Ring des Preiskampfs – und hat dazu noch den Rohstoff-Lieferanten im eigenen Haus. In der unbequemen Sandwich-Position zwischen Schlachtung und Handel könnte es sich ebenfalls als cleverer Schachzug entpuppen, Interessen zu bündeln, um mehr Gewicht in die Waagschale werfen zu können, wie es etwa Kemper und Reinert im gemeinsamen Unternehmen „The Family Butchers“ tun wollen.

Andere Hersteller setzen auf Spezialisierung und machen sich so für den LEH unentbehrlich. Das könnte beispielsweise für Schinken mit regionalem Bezug gelten oder die klassische Pfälzer Leberwurst. Ebenso kann der besondere Rohstoff eine neue Nische begründen, wie etwa das Schweinefleisch aus antibiotikafreier Aufzucht.

Jeglicher Erfolg ruft aber verlässlich schnell Nachahmer auf den Plan. Das weiß jeder, der schon mal eine clevere Geschäftsidee hatte. Man bleibt also ständig gefordert: von Seiten des Gesetzgebers, der Abnehmer, der Verbraucher. Damit ist jeder in unserer Top-Liste ausgewiesene Euro sauer verdient.

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