Kommentar von
Jörg Schiffeler

So wird 2016 Auf ein starkes Neues – Durchstarten im IFFA-Jahr

Dienstag, 05. Januar 2016
Das afz-Team aus Redaktion, Grafik und Verlag wünscht Ihnen allen ein gutes, friedvolles und wirtschaftlich erfolgreiches Jahr.

Auch wenn die Weltwirtschaft im abgelaufenen Jahr nach Meinung des F.A.Z.-Journalisten Johannes Pennekamp durch Abschottung und Angst geprägt war, so darf die deutsche Fleischwirtschaft – gestärkt durch ein gutes 2015 – kraftvoll in die nächsten zwölf Monate starten. Die Vorzeichen dafür stehen gut.

Viele zurückliegende Themen bleiben aktuell und spielen den Akteuren des Fleischerhandwerks, den Verarbeitern sowie den Schlachtern und Zerlegern in die Hände. Die Diskussion ums Wohl der Tiere wird uns weiter begleiten – dabei dürfte die Unterfinanzierung der Brancheninitiative einerseits sowie die generelle Bereitschaft zum Aufschlag für Tierwohlfleisch durch die Verbraucher andererseits die Gemüter aller Beteiligten in der Kette erneut erhitzen.

Der Preisverfall bei Schlachtschweinen wird je nach Interessenlage den einen Sorge und den anderen Freude bereiten. Das Niveau der Notierung wird sich allerdings kaum wesentlich verändern, weil die politische Großwetterlage eine Öffnung der versperrten russischen Märkte vorerst nicht erwarten lässt. Außerdem sind immer noch genügend Schweine in der Mast – auch wenn das Statistische Bundesamt für Deutschland den niedrigsten Bestand seit vier Jahren meldete.

Die großen Drei – Tönnies, Westfleisch und Vion – kündigten im letzten Jahr große Investitionen ins Rindfleisch-Geschäft an. Das spricht für Mut und Vertrauen der Umsatzmilliardäre in den Standort Deutschland und seine Chancen. Letztlich wird dieses Engagement alle Branchenbeteiligten beeinflussen und antreiben sowie die Märkte weiterentwickeln.

Der Fortschritt beim Tierwohl hat in Deutschland die Qualität von heimischem Fleisch beeinflusst. Während viele Handwerksmeister bewusst auf Qualitäten aus der Region setzen, entwickeln Landwirte und Schlachtunternehmen neue Programme. Übersee-Spezialitäten sind zwar nach wie vor gefragt, aber der Geist der Zeit beflügelt diese deutsche Qualitätsoffensive.

Mit 2016 hat wieder ein spannendes Jahr für die Fleischwirtschaft begonnen.
Foto: Messe Frankfurt/Jochen Günther; Corinna Gissemann und Martin Capek/Fotolia.com; jus
Mit 2016 hat wieder ein spannendes Jahr für die Fleischwirtschaft begonnen.
Gutes Fleisch liegt im Trend, wenn die Begleitumstände stimmen: Da ist zum Einen das gute Gefühl zu nennen, das der Verbraucher bei seinem Einkauf erleben möchte: Heimat, bäuerliche Herkunft, handwerkliche Herstellung und nachhaltige Erzeugung. Wenn all das gewährleistet ist, darf Edles von Rind, Schwein und Kalb – ob nun trockengereift oder im trendigen Barbecue-Zuschnitt – problemlos mehr kosten. Zum Anderen ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung zum Lebensstil geworden. Genuss ist „in“ und im Zweifel sogar fleischlos zu erleben.

Verbraucherschützer und Politiker werden den Bundesbürgern den Appetit auf Fleisch so schnell nicht vermiesen, so dass Handwerk, Handel und Industrie mit maßgeschneiderten Angeboten für jeden Geldbeutel Sortimente anbieten können. Trotzdem: Wenn im Frühjahr die kompletten Ergebnisse der WHO-Studie zum Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebs präsentiert werden, sollten alle Branchenakteure gut gewappnet sein. Die Konsumgegner sitzen oft am längeren, medialen Hebel und könnten die Verbraucher verunsichern.

Einer der Höhepunkte des Jahres wird die Weltleitmesse für die Fleischwirtschaft sein: die IFFA. Vom 7. bis 12. Mai trifft sich das Who-is-Who aus fast allen Ländern der Welt in Frankfurt am Main. Fleischverarbeitung 4.0 wird dann eine große Fläche einnehmen, weil die Automation in der Fleischwirtschaft angekommen ist. Diese Leistungsfähigkeit, kombiniert mit der Liebe zu handwerklich erzeugten Mitteln zum Leben, sollten genutzt werden, um junge Nachwuchs- und Fachkräfte für Fleischerhandwerk, Fleisch- und Fleischwarenindustrie zu begeistern. Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen. Der Wettbewerb um die besten Talente wird hart.

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