Kommentar von
Renate Kühlcke

Sonderangebote Absage an Rabattschlachten

Freitag, 22. März 2019
Wer hätte gedacht, dass in Österreich das Thema Fleischpreise als erstes eskaliert.

Frischfleisch kostet dort im Lebensmittelhandel oft nur halb so viel wie Fertiggerichte oder Süßigkeiten. Ein Huhn gibt‘s um zwei Euro, ein Kilo Schweinefleisch für fünf Euro – für die Umweltorganisation WWF ist klar, dass solche Produkte nicht aus tierfreundlichen Betrieben stammen können und Fleisch oft weit unter seinem fairen Preis verkauft wird. Die politische Forderung der Umweltschützer nach einem Verbot von Rabatten auf Fleisch wird in der Alpenrepublik gerade ernsthaft diskutiert. Schließlich gibt es dort derartige Verbote etwa bei Tabakwaren und Babynahrung.

Sonderangebote werden auch hierzulande immer wieder als fehlgeleitete Marketinginstrumente dafür kritisiert, dass sie falsche Marktanreize setzen und Teil eines fatalen Kreislaufs zu Lasten von Umwelt, Verbrauchersicherheit und Landwirtschaft sind. Diese über Jahrzehnte geübte Preispolitik hat es geschafft, den Verbraucher so zu erziehen, dass er sich für gerade einmal elf Prozent seines Netto-Einkommens umfassend mit Lebensmitteln versorgen kann. Das ist ein gesellschaftliches Problem und macht der Wertschöpfung in allen Stufen zu schaffen.

Als ein Ausweg bietet sich die Diversifizierung mit Spezialprodukten und die Erschließung lukrativer Teilmärkte an. „Bio“ will im Fleischbereich eine solche Antwort sein. Das schlechte Gewissen des Bio-Käufers zahlt den saftigen Aufpreis, aber davon kommt auf der Erzeugerebene am wenigsten an. Analysten sagen , der tatsächliche Gutverdiener im Bio-Geschäft ist der Lebensmittelhandel. Er macht das Geschäft mit dem Kunden. Immerhin liegt die auf dieser Stufe verbleibende Marge für Bio-Hähnchenfilet bei 61 Prozent, beim konventionellen Produkt sind es nur 39 Prozent. Ist das gerecht, wo doch der Handel zum Produkt selbst am wenigsten beiträgt?

Die Frage nach dem gerechten, fairen Preis bleibt wohl ein Wunschtraum. Er ist nicht bestimmbar. Aber das Ziel jeder Preisbildung muss sein, Leistung und Gegenleistung in Balance zu bringen. Es ist falsch anzunehmen, Lebensmittelhändler hätten bei ihrer Preisgestaltung wenig Spielraum. In bestimmten Warengruppen, dazu gehören nach Erkenntnis vieler Befragungen Fleisch- und Wurstwaren, akzeptieren Verbraucher sogar überdurchschnittliche Preise, wenn Sortiment, Produktleistung und Service stimmen. Das aber natürlich nur, wenn nicht immer wieder Rabattschlachten das wahre Preisniveau stören.

Keine Frage, in der „Sozialen Marktwirtschaft“ regelt das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage die Preise und die Politik kontrolliert lediglich die Wettbewerbsverzerrung. Zu einem Verbot von Rabattaktionen, wie es in Österreich diskutiert wird, muss es nicht kommen. Ein klares Bekenntnis des Handels zu einer nachhaltigen Preispolitik käme schon einer freiwilligen Selbstverpflichtung auf Rabattschlachten gleich. Das Kartellamt sollte ein solches Versprechen mit Blick aufs große Ganze akzeptieren.

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