Kommentar von
Elisabeth Kilian

Tierwohl-Debatte mit Augenmaß angehen

Donnerstag, 19. Februar 2015

Elisabeth Kilian fordert einen sachlichen Dialog mit Tierschützern

Die Fleischbranche muss sich immer mehr mit Tierwohl und artgerechter Tierhaltung auseinander setzen. Das haben die meisten Branchenvertreter erkannt, diverse Projekte und Programme für mehr Tierschutz sind vom Verbraucher gewünscht und werden auch umgesetzt – wie etwa bei der in diesem Jahr angelaufenen Initiative Tierwohl.

Dass für das sonntägliche Schweinefilet oder den Salat mit Hühnerbrust ein Tier sterben muss, ist Verbrauchern heute viel bewusster als noch vor ein paar Jahren. Deshalb haben sich auch Trends wie das regionale Einkaufen oder Bio-Produkte am Markt etabliert.

Einige können den Verzehr von Fleisch gar nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren und entscheiden sich für eine vegetarische oder vegane Lebensweise. Dass es dabei immer wieder zu erbitterten Diskussionen zwischen Fleischverweigerern und Fleischliebhabern kommt – geschenkt. Auch das zeichnet eine Demokratie aus: Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung.

Darüber, wie weit diese Meinungsfreiheit gehen darf, wurde vor einigen Wochen infolge eines Posts der Tierschützerin Silke Ruthenberg von der Organisation „Animal Peace“ diskutiert. Ein Bauer war von seinem Bullen tödlich verletzt worden. Auf der Homepage der Organisation wurde der Bulle als „Held der Freiheit“ gefeiert, der verunglückte Landwirt als „Sklavenhalter“ verhöhnt.

Man hoffe, dass dem Bullen viele weitere Rinder in den „Aufstand der Geknechteten" folgen würden. Die Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis, der auch der verstorbene Landwirt angehörte, erstattete Strafanzeige gegen Ruthenberg. Diese zeigte sich allerdings nur mäßig beeindruckt und bleibt bei ihren Bemerkungen.

Doch geschmacklose Aussagen sind noch nicht die Spitze des Eisbergs: Auch gezielte Anschläge auf Ställe, Schlachthöfe oder Lastwagen gehen mittlerweile auf das Konto radikaler Tierschützer. Oft werden auch Tiere aus Ställen „befreit“.

Meistens kommen die Täter ungeschoren davon, die radikale Tierschützerszene ist auch für die Polizei Neuland. Nicht selten bleiben die Besitzer des beschädigten Eigentums auf erheblichen Kosten sitzen. Solche Aktionen schaden dem Dialog zwischen Branche und Tierschutzorganisationen massiv, ein Mehr an Tierwohl kann so kaum „erzwungen“ werden, schon gar nicht durch ein Klima der Angst.

Ganz im Gegenteil: Basis für einen Dialog ist gegenseitiger Respekt und der Wille zu Verhandlungen. Im Zuge des Skandals um Animal Peace haben sich unter anderem der Deutsche Tierschutzbund und der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen von den radikalen Bemerkungen Ruthenbergs klar distanziert und diese scharf kritisiert.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, sieht eine massive Schädigung des seriösen Tierschutzes in solchen Aussagen. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser seriöse Tierschutz in Zukunft mehr Gehör verschafft und Platz macht für eine sachliche Auseinandersetzung mit einem Thema, das schon viel zu viele Gemüter erhitzt.
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