Kommentar von
Jörg Schiffeler

To-go-Trend Die schnelle Mahlzeit bietet große Chancen

Dienstag, 20. November 2018
Die Konsumgewohnheiten verändern sich. Insbesondere die Mahlzeitenmuster vergangener Zeiten lösen sich auf. Der schnelle Snack unterwegs ist beliebt und entwickelt sich für viele Kunden zu einer wertigen Zwischenmahlzeit – immer häufiger ist er der vollwertige Ersatz für ein Mittagessen.

Hierzulande starten immer weniger Paare oder Familien mit einem gemeinsamen Frühstück in den Morgen. Ebenso wird das Tagwerk immer seltener mit einem Abendessen zusammen beendet. Das tägliche Mahlzeitenmuster hat längst eine neue Struktur erhalten – beispielsweise durch flexibilisierte Arbeitszeiten und veränderte Lebensweisen. Auch wenn sich die Deutschen mehrheitlich traditionell ernähren, tendiert die jüngere Generation zu unregelmäßigen Essenszeiten und isst außerdem viel öfter außer Haus. Zudem stehen mal Bio-Produkte im Fokus, fleischfreie Alternativen, abwechselnde Diäten oder auch traditionelle Handwerkserzeugnisse aus der Region.

Das hat Folgen für alle Anbieter von Fleisch, Fleischwaren und Wurst. Denn der Pro-Kopf-Verzehr sinkt dramatisch. Die Generation Y – im Sprachgebrauch auch oft als Millennials bezeichnet – konsumiert einfach weniger. Die zwischen den frühen 1980-ern bis in die frühen 2000-er Geborenen verzehren nur etwa 20 Kilogramm Fleisch und Wurst im Jahr. Das stellte GfK-Marktforscher Helmut Hübsch auf unserem Deutschen Fleisch Kongress in Wiesbaden klar. Zweite Erkenntnis: Die Fachgeschäfte, also Fleischereien und Bäckereien, werden von den heute 18- bis 38-Jährigen als Einkaufsstätte viel seltener aufgesucht, als es bei den anderen Altersklassen der Fall ist. Hier lauert die eigentliche Gefahr veränderter Verhaltensmuster. Die fleischerhandwerklichen Betriebe müssen die Jungen für sich gewinnen, damit auch morgen noch die Kasse oft genug klingelt.

DFK-2016 - Hübsch
(Bild: Thomas Fedra)

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Die Zeichen dafür stehen jedoch viel besser, als mancher nun glauben mag. Denn wer seltener einkauft und zu Hause kocht, der möchte unterwegs essen. „Food to go“ ist in. Diesen lang anhaltenden Trend gilt es für sich zu nutzen. In vielen Metzgereien sind die Umsätze aus dem Verkauf von Imbiss und Heißtheke ein stabiles Standbein. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Laden über eine gute Lage verfügt. Denn die schnelle Mahlzeit verkauft sich dort am besten, wo viele Menschen vorbeikommen: zu Fuß, aber auch mit dem Auto. Spezialitäten vom Handwerksmetzger wie Bratwurst, Frikadelle und Fleischkäse lieben die Deutschen. Die Fleischer-Fachgeschäfte können aber nicht nur mit diesen Klassikern punkten.
„Die Deutschen lieben Spezialitäten vom Handwerksmetzger. Denn die Alternativen zu den Snacks der Systemgastronomie werden gesucht und geschätzt. Wer seine Trümpfe ausspielt, schafft gute Voraussetzungen für Wachstum.“
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
Snack-Alternativen zu McDonald’s, Kentucky und Co. werden von den Verbrauchern nicht nur gesucht, sondern auch geschätzt. Wie sonst ist es erklärbar, dass Burger verschiedenster Variation so heiß begehrt sind. Der To-go-Trend bietet viele Chancen, wenn sich die Metzgerei der Zukunft zu einem meisterhaften Zwischenverpfleger verändert für alle, die ständig unterwegs sind und sich verpflegen müssen. Die auch von jungen Kunden geschätzten Kriterien Qualität, Region und Verantwortung wirken dabei als verkaufsfördernd. Diese Werte gehören für die Verbraucher zu den Kernargumenten für den Einkauf im Fleischer-Fachgeschäft. Wer diese Trümpfe in seiner Marketingstrategie off- und online ausspielt, schafft gute Voraussetzungen für Wachstum.

Clevere Metzgermeister holen die Millennials genau hier ab. Die Bereitschaft der Jüngeren, für Snacks ins Portemonnaie zu greifen, sollten die Handwerksbetriebe belohnen. Zufriedene Kunden kommen wieder. Allerdings muss sich das Fachgeschäft bei der Generation Y mehr profilieren. Neben einer artgerechten Tierhaltung, fairen Erzeugerpreisen und einer umweltschonenden Produktion zählen dazu auch veränderte Ladenöffnungszeiten – oder auch der Automatenservice.

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