Kommentar von
Michael Weisenfels

US-Export Neue Lieferanten braucht das Land

Dienstag, 17. Juli 2018
Über viele Jahre waren US-Exporteure die Nummer Eins im Schweinefleischgeschäft mit Mexiko.
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Mexiko USA Handelsstreit Freihandelsabkommen NAFTA


Die geografische Nähe und der Schutz durch das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA waren der Unterbau dafür, dass importiertes US-amerikanisches Schweinefleisch ungestört Mexiko erreichen konnte. Knapp 90 Prozent des gesamten Importvolumens bei Schweineschultern und Schinken in Mexiko stammten aus den USA und deckten gut ein Drittel des gesamten nationalen Konsums ab.

Einen deutlichen Einschnitt in diese Geschäfte wird der aktuelle Handelsstreit zwischen Mexiko und den USA bringen. Mexiko will mit Wirkung von Anfang Juli an Einfuhrzölle von 20 Prozent auf Schweinefleisch aus den USA verhängen. Die Entscheidung dazu scheint Teil der Maßnahmen der mexikanischen Regierung für die von US-Präsident Trump verhängten Zölle auf Stahl und Aluminium gegen das Nachbarland zu sein.

Bereits Anfang Juni 2018 kündigte die mexikanische Regierung die Einrichtung einer zollfreien Quote von 350.000 t an, aus der US-Lieferanten explizit ausgeschlossen wurden. Diese Maßnahme soll die absehbaren Importdefizite ausgleichen, die durch die Auseinandersetzung zwischen den langjährigen Handelspartnern erwartet werden.

Die Schweinefleischbranche in den USA macht sich vor diesem Hintergrund erhebliche Sorgen, denn im letzten Jahr lag Mexiko nach Japan auf Platz zwei der Exportländer für ihre Produkte. Da die Bestände nicht so schnell an die sich abzeichnenden neuen Gegebenheiten anzupassen sind, gehen amerikanische Agrar-Ökonomen von einem Verlust von bis zu 14 US-Dollar pro erzeugtem US-Schwein im nächsten Jahr aus. Doch auch in Mexiko herrscht Spannung. Einerseits hofft die Branche, dass der Ausfall von US-Einfuhren ihre Absatzmöglichkeiten verbessern wird. Auf der anderen Seite macht sich die Sorge um ausreichende Bezugsquellen breit. Deshalb drängen die Mexikaner auf zeitnahe behördliche Zulassung von möglichst vielen potenziellen Lieferbetrieben, um Engpässe und Preisschwankungen zu vermeiden. Dabei genießen europäischen Betriebe besondere Wertschätzung.

In Europa fängt man diesen Ball gern auf. Spanien hat viel Erfahrungen im Mexiko-Geschäft und ein brauchbares Vertriebsnetz. Auch Deutschland hat gute Perspektiven: Neben den bereits zugelassenen Lieferbetrieben hoffen weitere Exporteure auf die Resultate der Verhandlungen zwischen den Behörden beider Länder. Die Tönnies-Unternehmensgruppe liefert bereits seit Beginn der „neuen Zeit“ in das mittelamerikanische Land. Die Marktzulassung liegt seit dem Frühjahr vor, die erste Charge von 27 t Schweinefleisch ist ausgeliefert.

Neben den Europäern werden von den neuen „Spielregeln“ auch Lieferanten aus Australien, Brasilien, Kanada, Chile und Neuseeland profitieren. In diesen Ländern gibt es für Mexiko zugelassene Betriebe oder die Zulassung steht unmittelbar bevor. Ob Präsident Trump erwartet hat, welche Auswirkungen seine „America first“-Politik auf den Schweinefleisch-Sektor haben wird?
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