Kommentar von
Sabrina Meyer

Umweltschutz Alles nachhaltig oder was?

Mittwoch, 17. Juli 2019
Es ist Zeit für die Branche, ein Teil der Lösung zu werden.

Die Zeichen stehen auf Grün – wer das nicht glauben wollte, hat es in der Europawahl grün auf weiß gesehen. Viele – vor allem junge – europäische Wähler wandten sich an Parteien, die Umweltpolitik priorisieren, zum Beispiel mit nachhaltiger Landwirtschaft. Diese jungen Menschen sind die Zukunft der Fleischproduzenten. Was tun?

Viele Firmen haben erkannt: Nachhaltigkeit ist gekommen, um zu bleiben. Das ist eine Chance, die Unternehmen für sich nutzen müssen, um sich für die Zukunft zu positionieren. Gefragt sind innovative Lösungen, die von der Industrie gefördert und gefordert werden. So bringen Fleischverarbeiter eigene vegetarische Produkte auf den Markt, beteiligen sich an Start-ups, die „Clean Meat“ produzieren, bringen Fleischprodukte auf den Markt, die mit Pflanzenproteinen angereichtert sind oder vermarkten Insekten als Protein der Zukunft.

Es geht hier nicht um einen Kompromiss oder den Verbraucher und die Politik in der Mitte zu treffen, sondern darum, gemeinsam in eine Richtung zu marschieren: gutes Fleisch aus nachhaltiger Produktion zu einem fairen Preis, denn das Klima rettet sich nicht von allein. Momentan scheinen Landwirtschaft und Fleischwirtschaft ein Problem zu sein. Das ist nicht der Fall. Die Branchen sind essentiell für die Ernährung der steigenden Weltbevölkerung. Die Zeit ist gekommen, um sich als Teil der Lösung zu präsentieren und auch so zu agieren.
„Nachhaltigkeit umfasst das allgemeine Prinzip, nicht mehr zu verbrauchen als wieder bereitgestellt werden kann. “
Sabrina Meyer
Um ein Teil der Lösung zu sein, gibt es viele Ansätze. Gesunde Tiere sind die Grundlage einer effizienten Produktion. Hier gibt es den Ansatz einer antibiotikafreien Aufzucht, sodass aktiv die Resistenzbildung verhindert werden kann. Eine solche Aufzucht erfordert besseres Management. Dieser Aspekt findet sich in der Landwirtschaft der Zukunft und beschreibt das Konzept von „precision livestock farming“. Damit werden für jeden individuellen Betrieb eigene Strategien erstellt, um Herausforderungen zu meistern. So kann auch die Aufgabe angegangen werden, klimaneutral zu produzieren.

Ein weiterer Aspekt ist eine größere Wertschöpfung. Ein Tier vollständig zu verwerten, ist nachhaltiger, als nur Teile zu nutzen. Bei Verpackungen steht Plastikreduktion auf Platz 1, während Institute daran arbeiten, die Mülltrennung zu verbessern. Beim Stichwort Müll stehen Lebensmittelabfälle im Fokus. Intelligente Verpackungen sollen Verbrauchern helfen, weniger Lebensmittel zu entsorgen, die noch genießbar wären.

Laut Duden handelt es sich bei Nachhaltigkeit um eine „längere Zeit anhaltende Wirkung“. Diese Definition ist weit überholt. Heute bezeichnet der Begriff so viel mehr – Nachhaltigkeit umfasst das allgemeine Prinzip, nicht mehr zu verbrauchen als wieder bereitgestellt werden kann. Es geht also wirklich darum, die Welt zu retten. Ein solches ehrgeiziges Ziel sollte nicht abschrecken, sondern motivieren – die ganze Kette, die gesamte Branche für eine Zusammenarbeit, von der alle nachhaltig profitieren. Sei es nun mit Insekten, Laborfleisch, Pflanzenproteinen oder Fleisch aus klimaneutraler Produktion, Lösungen sind angesagt.
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