Kommentar von
Jörg Schiffeler

Vergütung Verantwortliches Handeln vermeidet Zwangsregelungen

Dienstag, 14. Mai 2019
Ja, muss das denn jetzt auch noch sein? Mit Blick auf die Medienberichte zu den Plänen einer Mindestvergütung für Azubis werden sich das nicht wenige von Ihnen gefragt haben. Ich gehe davon aus, dass etliche von Ihnen deshalb nun über eine ziemlich erhöhte Pulsfrequenz verfügen.

Das Dasein des Unternehmers macht immer weniger Freude. Die seit Jahren versprochene Entbürokratisierung durch die Regierenden treibt ständig neue Blüten. Statt weniger Verordnungen, gibt es neue Gesetzesvorlagen zur Abstimmung. Warum aber ist das so?

Der Staat hat die Aufgabe, sich um das komplette Gemeinwohl zu kümmern. Er trägt vor allem die Verantwortung für die Schwachen in unserer Gesellschaft. Und diese Gruppe wächst, obwohl die soziale Marktwirtschaft hierzulande einen vernünftigen Wirtschaftsrahmen absteckt, der den Wohlstand aller fördern könnte.

Doch es gehört zum Zeitgeist, sich vermehrt um sich selbst zu kümmern und ein eigenes Weltbild zu schaffen, das in der Filterblase sozialer Medien noch befeuert wird. Das Teilen wird schwieriger und zugleich seltener – sowohl im persönlichen Überlebenskampf als auch im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern.

In der Bundesrepublik waren noch nie so viele Menschen in Lohn und Brot, und dennoch steigt die Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Kein Wunder also, dass der Staat vor einigen Jahren den gesetzlichen Mindestlohn schuf. Viele Unternehmer haben es schlichtweg nicht verstanden, ihre Mitarbeiter gerecht und fair zu bezahlen. Das ist aber gerade in wenig beliebten Berufen und Tätigkeitsfeldern von Nöten, denn ohne Bautrupps oder Zerleger und Reinigungskräfte aus dem Ausland wäre so manche Produktion längst zusammengebrochen.

Mindestvergütung - Azubis
(Bild: afz-Grafik / BMBF)

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Kritische Fragen zu Arbeits- und Lebensbedingungen von Mitarbeitern im Werkvertrag mündeten vielfach in bessere Beschäftigungsverhältnisse. So hat sich im Bereich der Fleischwirtschaft durch die Selbstverpflichtung mit höheren Sozialstandards und einer gestiegenen Zahl von sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten vielfach das Blatt gewendet.

Und doch herrscht kein gutes Gleichgewicht zwischen Entlohnung und Wertschätzung für diejenigen, die die Mittel für unser tägliches Leben herstellen. Schlachter und Zerleger, Fleischverarbeiter und Metzgermeister wie auch Gesellen und Verkäufer müssen sich viel zu oft für ihr Tun rechtfertigen.

Dabei sind sie es, die die Glücksmomente guten Geschmacks schaffen und die vielfältigen gesellschaftspolitischen Erwartungen erfüllen: beispielsweise an Tierwohl, Regionalität und Nahversorgung. Mit ihrem Image hatten es die Fleischer noch nie leicht, weil am Anfang des Produktionsprozesses ein Tier sein Leben lassen muss.
„Ein Lohn- und Gehaltstarifvertrag sowie eine Ausbildungsvergütung, die nicht „hinten runter fallen“, sind verlässliche Bausteine. Wenn sich die Tarifparteien einig sind, braucht es auch keinen Staat, der sich einmischt. “
Jörg Schiffeler, Chefredakteur
An Theke und SB-Regal: Welchen Preis aber sind Kunden bereit zu zahlen? Und welche Entlohnung ermöglicht das fleischerhandwerklichen Betrieben oder Großschlachtern auf der anderen Seite? Unabhängig davon sollte die Arbeit idealerweise das Auskommen sichern. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen der Besoldung einer Professors und dem Lohn eines Angestellten.

Im Wettstreit um die besten Talente wird es nötig sein, neue Ideen für die Bindung und Entlohnung von Mitarbeitern zu entwickeln. Ein Lohn- und Gehaltstarifvertrag sowie eine Ausbildungsvergütung, die nicht „hinten runter fallen“, sind verlässliche Bausteine. Wenn sich die Tarifparteien aus Arbeitgebervertretern und Gewerkschaftern darüber einig sind, braucht es auch keinen Staat, der sich einmischt.

Der demografische Wandel sowie der Akademisierungswahn entziehen nicht nur dem Handwerk viele Nachwuchskräfte. Umso nötiger ist ein Umdenken, um junge Menschen zu finden und zu binden. Ein starkes Argument neben den Verdienstmöglichkeiten wird die Zukunftsfähigkeit eines Berufs in Zeiten der Digitalisierung sein. Klar ist: Metzger werden auch künftig gebraucht.

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