Kommentar von
Sandra Sieler

Verzehrgewohnheiten Warum mehr Flexitarier kein Grund zur Sorge sind

Dienstag, 26. Mai 2020
Es muss nicht immer Kaviar sein – und auch nicht immer Fleisch. Wenn, dann soll es allerdings gutes sein. Dieser Gedanke ist es wohl, der inzwischen viele Bundesbürger dazu bewegt hat, ihren Fleischkonsum bewusst einzuschränken. Letzteres zeigt jetzt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesernährungsministeriums.

Zum Faktor Qualität und Herkunft gesellt sich dann noch der Fakt, dass die Auswahl beim Essen immer größer wird. Gerichte aus der ganzen Welt bereichern inzwischen unseren täglichen Speiseplan. Und dabei verwendet insbesondere die asiatische Küche weitaus weniger Fleisch. Also geht es manchmal vielleicht gar nicht darum, sich gegen Fleisch, sondern für die Vielfalt zu entscheiden.

Grill Fleisch Gemüse
(Bild: imago images / Westend61)

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Wird man dann in einer Umfrage zu seinen Ernährungsgewohnheiten befragt, klingt es jedoch allemal besser, von einem bewussten Verzicht zu sprechen. Schließlich ist der verantwortungsvolle Konsum derzeit sehr „en vogue“. Und das soll gar nicht despektierlich klingen – ganz im Gegenteil. Unsere Natur und Mitgeschöpfe haben es verdient, dass sich jeder Gedanken darüber macht, wie ein Lebensmittel entstanden ist und welchen Einfluss sein Einkauf darauf hat. Wie zum Beispiel ist es dem Schwein im Stall ergangen, wie aber auch den Mitarbeitern am Schlachtband? Im übrigen dürften die Schlagzeilen der vergangenen Wochen über die Arbeits- und Wohnbedingungen der Mitarbeiter an Schlachthöfen noch einige mehr dazu bewegt haben, ihren Fleischkonsum einzuschränken, zumindest übergangsweise.

Der handwerkliche Metzger hat hier einen entscheidenden Vorteil: Bei ihm sind die Prozesse weitaus transparenter als bei der oft anonymen Supermarktware. Zeigen Sie also, wie die Tiere leben und wie sich der Landwirt um ihr Wohlergehen sorgt. Zeigen Sie, wie respektvoll auch Sie mit den Tieren umgehen, bis zuletzt. Zeigen Sie außerdem, wie viel Spaß es macht, in einer Fleischerei zu arbeiten. Denn auch das gibt den Kunden ein gutes Gefühl, wenn auch manchmal nur unterschwellig.

Umfrageergebnisse sind die eine Seite der Medaille, die andere sind die amtlich ermittelten Verzehrsdaten. Wirft man da einen Blick auf die letzten 20 (!) Jahre, offenbart sich ein Rückgang des Fleischkonsums von gerade mal einem Kilo. Das vergisst man manchmal angesichts der medialen Aufmerksamkeit, die die vegetarischen und veganen Ernährungsweisen derzeit auf sich ziehen. Tatsächlich schwer tut sich in den letzten Jahren das Schweinefleisch. Hier verhält sich der Konsum in der Tat merklich rückläufig. Das hat wohl auf der einen Seite mit dem Boom von Dry Aged & Co. zu tun, der dem Rindfleisch neuen Schub verleiht. Andererseits erfreut sich auch Geflügelfleisch weiter wachsender Beliebtheit, Dank seiner unkomplizierten Zubereitung und des gesunden Images.
Fleischtheke - BU Fleischkonsum
(Bild: Kaufland)

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Dabei hat Schweinefleisch noch richtig Potenzial. Was den Hype beim Rindfleisch angeschoben hat, lässt sich doch ohne Weiteres auf dieses Segment übertragen: neue Cuts, trendige Namen und besondere Rassen. Mit Blick auf die Haltung ist da mit Strohschweine- und Offenstallkonzepten bereits ein Anfang gemacht. Auch das Fleisch vom Ibérico- Schwein hat sich bei Feinschmeckern hierzulande inzwischen einen Namen gemacht. Doch das geht auch mit heimischen Rassen. Schweinefleisch braucht Mehrwert.

Die Umfrage des Bundesernährungsministeriums bringt letztlich eine gute Nachricht: Die Zahl der Vegetarier und Veganer ist konstant geblieben. Das sind schließlich diejenigen, die Fleisch als Lebensmittel strikt ablehnen. Sie kann man nicht vom Gegenteil überzeugen, nicht mit dem schönsten Stall und nicht mit der schonendsten Schlachtung. Freuen können wir uns andererseits über jeden, der den Konsum und die Herkunft von Fleisch kritisch hinterfragt. Gut gerüstet hat das Fachgeschäft genau für diese anspruchsvolle Käuferschicht die richtigen Argumente.

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