Kommentar von
Renate Kühlcke

Werbung in eigener Sache

Dienstag, 02. Oktober 2012

Kommentar von Renate Kühlcke

fleischwirtschaft.de – FRANKFURT.
Rund 4.000 bundesweit tätige und in der Lobbyliste des Deutschen Bundestags eingetragene Verbände gibt es. Sie bündeln Interessen und sind ein wichtiger Teil gelebter Demokratie.

Es gibt wohl keinen Wirtschaftszweig, der sich nicht durch eine nationale Vertretung Gehör an oberster Stelle verschafft. Die gern abwertend als Lobbyisten bezeichneten Repräsentanten sorgen aber nicht nur für den Ausgleich der Interessen, sondern bringen den profunden Sachverstand der hinter ihnen stehenden Fachleute ein.

In der zersplitterten Verbändelandschaft der Fleischbranche ist der Deutsche Fleischer-Verband trotz Strukturwandel mit Abstand die mitgliederstärkste Dachorganisation. An der allen gemeinsamen, permanenten Unterfinanzierung ändert das nichts. Auf der letzten Mitgliederversammlung beschlossen die Fleischindustrieverbände saftige Beitragserhöhungen, und selbst die einflussreiche Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie braucht wenigstens zehn Prozent mehr von ihren Mitgliedern, um die Etatlücke annähernd zu decken.

Zukunftsorientierte Verbandsarbeit sieht anders aus und muss den Teufelskreis – weniger Mitglieder, schlechtere Finanzbasis, weniger Einfluss – durchbrechen. Beitragserhöhungen allein lösen das Grundproblem nicht. Die schon vor vielen Jahren im DFV-Präsidium aufgestellte These, dass nur der auf Innung oder Verband verzichten kann, der zu viel Geld hat, muss sich endlich herumsprechen.

Die Tatsache, dass Innungsmitglieder beispielsweise bei vielen Autoherstellern hohe Rabatte bekommen, ist noch viel zu oft genauso unbekannt wie der Vorzug, zu günstigen Konditionen hochkarätige Seminare belegen zu können. Aufmerksamkeitsstarke Werbung in eigener Sache wäre ein wichtiger Schritt.
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