Deutscher Fleischer-Verbandstag Deutliche Akzente setzen

Dienstag, 22. Oktober 2019
Das DFV-Präsidium mit Münchens Obermeister (von links): Präsident Herbert Dohrmann, Gastgeber Andreas Gaßner, Hauptgeschäftsführer Martin Fuchs sowie die Vizepräsidenten Michael Durst, Nora Seitz, Konrad Ammon jun. und Eckhart Neun.
Foto: jus
Das DFV-Präsidium mit Münchens Obermeister (von links): Präsident Herbert Dohrmann, Gastgeber Andreas Gaßner, Hauptgeschäftsführer Martin Fuchs sowie die Vizepräsidenten Michael Durst, Nora Seitz, Konrad Ammon jun. und Eckhart Neun.

Auch wenn das Fleischerhandwerk lokal verwurzelt ist, können sich die Meisterbetriebe nicht von den globalen Entwicklungen abkoppeln. Beispielhaft nannte DFV-Präsident Herbert Dohrmann in der Mitgliederversammlung des Deutschen Fleischer-Verbandstags die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die hierzulande die Notierungen für Schlachtschweine neue Höhen erklimmen lässt, sowie andererseits die Debatten um Klimaschutz und Fleischkonsum.
Der Präsident des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) definierte seine Arbeitsschwerpunkte für die kommenden zwölf Monate: Umwelt und Klima, Rohstoffsicherung, Arbeitskräftesicherung sowie die Sicherung einer einigen und schlagkräftigen Organisation. Ein riesiges Pensum in „politisch bewegten Zeiten“, wie Herbert Dohrmann bekannte. Zur Hauptaufgabe der Interessenvertretung gehöre die Vorbereitung auf den Wahlkampf. Ganz egal sei dabei, ob die Legislaturperiode vorzeitig oder regulär beendet werde.

Metzger arbeiten nachhaltig

Die Bewahrung der Schöpfung und die Schonung von Ressourcen liege im Ur-Interesse der fleischerhandwerklichen Unternehmen, erklärte Dohrmann. Für den Bremer sind die Schonung des Klimas, Vermeidung von unnötigem Müll, Minimierung von Emissionen, Verhinderung von Lebensmittelverschwendung sowie bewusster Einsatz von Energie keine Phrasen. Im Gegenteil: Sie gehören zu den Prinzipien der Meisterbetriebe. Dohrmann mahnte: „Es ist wichtig, dass wir uns damit aktiv auseinandersetzen – auch wenn manche das eine oder andere als grüne Spinnerei abtun.“ Dohrmann sieht die Metzger allerdings stärker denn je in der Pflicht, das auch deutlich zu kommunizieren. Für den Verband versprach der Präsident, weitere Konzepte zu erarbeiten und bestehende Angebote weiterzuentwickeln.

Die Rohstoffsicherung zählt ebenfalls zu den Kernaufgaben, bei denen sich die Metzger mehr als bisher einbringen müssen. Die Konzentration in der Landwirtschaft und bei Schlachtbetrieben gefährde immer mehr den unmittelbaren Zugang zum Erzeuger, stellte Dohrmann fest. Je mehr die Gesellschaft über Tierwohl und Fleischkonsum diskutiere, desto stärker ist der Meister und sein Team gefordert, Aufklärungsarbeit an der Theke zu leisten. „Die Kunden erwarten, dass das Fleisch von Tieren stammt, die so gut wie möglich gehalten werden“, so der DFV-Präsident. Die Fleischer profitierten vom Megatrend der Regionalität und von der Nachfrage nach höherer Fleischqualität.
DFV-Tag München MV
(Bild: jus)

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DFV Verbandstag stellt Weichen

Dieser Vertrauensvorsprung sei ein unschlagbarer Vorteil für die vielen Fleischer-Fachgeschäfte, der sich auch in den Büchern widerspiegle. Die Umsätze entwickelten sich gut, ein riesiges Hindernis sei aber die Lage auf dem Arbeitsmarkt. „So viele gute Rahmenbedingungen hatten wir lange nicht“, beschrieb der Meister die Situation. Die Betriebe seien ausgelastet, müssten jedoch Aufträge ablehnen oder Öffnungszeiten überdenken, weil helfende Hände fehlen. „Das wird sich verschärfen“, ist sich Dohrmann sicher.

Einen Königsweg kennt auch er nicht. Den Delegierten sicherte der Präsident aber zu, nach Lösungen zu suchen, wie das Fachpersonal zukünftig effizienter eingesetzt werden kann. Ebenso werde der DFV die Konzepte für die Nachwuchs- und Imagewerbung der Fleischerberufe weiterentwickeln.

Raum für Sachthemen

Um die Anliegen der Metzger auch weiterhin schlagkräftig vertreten zu können, forderte der DFV-Präsident eine leistungsfähige Organisation. Die Interessenvertretung gegenüber Gesellschaft und Politik verlange nach einer starken Stimme, die sich nicht länger mit sich selbst beschäftigen dürfe. Damit spielte der Bremer auf die jährlichen Diskussionen rund um die Entwicklung der Mitgliedsbeiträge an. Er wolle sich lieber mit seinen Kollegen über Sachthemen austauschen, erklärte Deutschlands oberster Fleischer.

Die Delegierten folgten dem Vorschlag ihres „Chefs“ einstimmig. Der Beschluss schreibt eine jährliche Steigerung der Beiträge zum Bundesverband um 20 Euro bis 2022 fest – unabhängig von der Entwicklung der Mitgliederzahlen. Für das Jahr 2022 kalkuliert der DFV mit dann etwa 4.050 Mitgliedsunternehmen. Außerdem erhöht der Internationale Metzgermeister-Verband (IMV) seinen Zuschuss für das Büro in Brüssel, das bisher im wesentlichen vom Deutschen Fleischer-Verband getragen wurde. Ferner wird die Veterinärsstelle nach dem Wechsel von Dr. Wolfgang Lutz in den Ruhestand vorerst nicht wieder besetzt. Präsident Dohrmann und Hauptgeschäftsführer Martin Fuchs sicherten den Delegierten eine strikte Kostendisziplin zu.

Statt über Gebühren zu diskutieren, richtete Herbert Dohrmann drei Kernfragen an die Mitgliederversammlung:
  • Wie stellen sich die Innungsbetriebe zu einer Verteuerung von Fleisch?
  • Was sagen die Metzgermeister zu künstlichem Fleisch?
  • Wieviel Tradition will das Fleischerhandwerk mit Blick auf die Produkte, seinen Marktauftritt und die Berufsbezeichnungen?


Der Präsident forderte dazu auf, Zukunftsthemen anzupacken. Das Fleischerhandwerk sei vielseitig wie die Regionen Deutschlands, weshalb es beispielsweise kein einheitliches „Metzger-Schwein“ geben könne. Aber in Sachen Tierschutz gebe es keine Kompromisse. Hier wünscht er sich, mit einer Stimme für alle Fleischer in der Republik sprechen zu können und brachte es auf die Formel „Wir müssen Meinung für uns formulieren!“

Nachwahlen im Vorstand

Die Delegiertenversammlung hatte in München mehrere Nachwahlen zum Gesamtvorstand des DFV vorzunehmen, da mehrere Mitglieder das Gremium verlassen hatten. Als Kandidaten stellten sich zur Wahl: Dirk Hübenbecker (Hamburg), Dagmar Groß-Mauer (Rheinland-Rheinhessen) und Thomas Köhn (Bayern). Aus den Reihen der brandenburgischen Direktmitglieder wurde Obermeister Mathias Balk von der Innung Brandenburg-Mitte nominiert. Die Versammlung bestätigte die Nachwahl einstimmig.

Weitere Impressionen vom Verbandstag in München gibt es hier.

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