Deutscher Fleischer-Verbandstag Mehr Verständnis fürs Unternehmertum

Sonntag, 13. Oktober 2019
DFV-Präsident Herbert Dohrmann eröffnete den 129. Deutschen Fleischer-Verbandstag.
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DFV-Präsident Herbert Dohrmann eröffnete den 129. Deutschen Fleischer-Verbandstag.

Mit Begeisterung und Zuversicht gemeinsam und sehr geschlossen etwas bewegen, mit diesem Ziel eröffnete DFV-Präsident Herbert Dohrmann am Sonntagvormittag den 129. Deutschen Fleischer-Verbandstag in München.
Einfach machen statt sorgenvoll in die Zukunft zu schauen, da könnten die "alten Füchse" des Fleischerhandwerks oftmals noch was lernen, und zwar von den jungen Leute der Branche. Die "alten Füchse" sprach er mit einem Augenzwinkern aus, denn das wollte er keinesfalls als Anspielung auf den DFV-Hauptgeschäftsführer Martin Fuchs verstanden wissen. Nationalmannschaft, "Wir sind anders" oder der Juniorenverband - alle sprühten nur so vor Begeisterung für ihre Berufe, erfreute sich der Präsident an der "fleischgewordenen Zukunft des Fleischerhandwerks".

Vor rund 380 Delegierten, Gästen und Freunden des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) gab Dohrmann in der Matinee des Fleischerhandwerks sein politisches Statement ab. Ohne pauschal auf "die Politik" zu schimpfen, wünschte er sich manches Mal doch mehr Verständnis für das Unternehmertum. Bei der Gesetzgebung mangele es von Zeit zu Zeit an Maß und Ziel. Insbesondere ärgert den Bremer, dass alle rechtschaffenen Berufskollegen für die wenigen Schwarzen Schafe mit in die Pflicht genommen würden: Weil einige es mit der Hygiene nicht so genau nehmen, müssten alle befürchten, mit Bagatellen an den Pranger gestellt zu werden. Weil Mancher den geltenden Tierschutz missachte, sollen alle den Schlachtprozess per Videokamera aufzeichnen. Und weil Einzelne Steuern hinterziehen, müssten jetzt alle in ihre Kassensysteme investieren.
 Rund 380 Gäste besuchten die Matinee des Fleischerhandwerks.
Foto: jus
Rund 380 Gäste besuchten die Matinee des Fleischerhandwerks.
Apropos Kassen: Die jetzt vom Staat geforderte Nachrüstung bezeichnete Dohrmann schlichtweg als Zumutung. Dennoch sei es dem Verband gelungen, eine wesentliche Erleichterung für die Fleischer-Fachgeschäfte zu erringen, und zwar für das so genannte Durchbedienen: Die Verkäuferinnen dürfen die Kunden nach wie vor an mehreren Stationen bedienen und am Ende den Verkaufsvorgang abschließen.

Das Beispiel zeige gleich zweierlei, so der DFV-Präsident: Zum einen gebe es eben doch noch Politiker mit Sinn für das Praktische. Zum anderen sehe man an dem Fall, dass eine funktionierende Interessenvertretung nötig ist, um die Eigenheiten des Fleischerhandwerks darzustellen und eine Rücksichtnahme hierfür zu erwirken.
Herbert Dohrmann DFV
(Bild: DFV)

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Getrieben fühlt sich das Fleischerhandwerk plötzlich in Sachen Reduktionsstrategie und der Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Hier lege die zuständige Ministerin Julia Klöckner (CDU) mit einem Mal ein rasantes Tempo vor. Und Herbert Dohrmann befürchtet bereits das bekannte Schema: aus freiwilliger Selbstverpflichtung wird ganz schnell eine gesetzliche Verpflichtung.

Zur Verstärkung bei der Abwehr der ständigen Kritik am Fleischkonsum hatte der DFV einen echten Experten auf die Bühne gebeten: den Publizisten und Ernährungswissenschaftler Dr. Uwe Knop. Er machte den Anwesenden unmissverständlich klar, dass wissenschaftliche Studien immer nur Zusammenhänge vermuten könnten, aber nicht belegen. Oftmals werde eine Korrelation zwischen zwei Faktoren mit einer Kausalität verwechselt. Wenn Menschen, die braune Strümpfe tragen, länger leben als Menschen mit schwarzen Strümpfen, gehe man ja auch nicht von einem Zusammenhang aus. So hält er die Verknüpfung gesundheitlicher Risiken mit dem Fleischkonsum für ebenso wenig haltbar. 

"Fleisch ist die hochwertigste Quelle an Eiweiß", sicherte Knop den Fachleuten zu. Schließlich habe der Mensch in der Evolution erst mit dem Genuss von Fleisch seine heutige Hirnleistung ausbilden können. "Diese Entwicklung umdrehen? Das möchte ich mit gar nicht vorstellen", mahnte der Wissenschaftler. Sein Tipp: "Essen Sie nur mit Hunger und nur worauf Sie Lust haben, was schmeckt und was Sie gut vertragen."

Mehr über den 129. Deutschen Fleischer-Verbandstag in München lesen Sie in der kommenden Ausgabe der afz vom 16. Oktober 2019.

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