Ernährung: Nicht gut für die Knochen
Ernährung

Nicht gut für die Knochen

imago / Chromorange
Einseitige Ernährung kann bei Veganern zu Mangelerscheinungen führen. Besonders gefährdet: die Knochen.
Einseitige Ernährung kann bei Veganern zu Mangelerscheinungen führen. Besonders gefährdet: die Knochen.

FRANKFURT Die Forschung sieht Hinweise, dass eine vegane Ernährung Einfluss auf die Knochendichte hat.

Sich als Vegetarier oder – schwieriger noch – als Veganer ausgewogen zu ernähren, ist nicht immer einfach. Wichtige Nährstoffe können im täglichen Speiseplan zu kurz kommen, wenn man nicht auf eine angepasste Ernährung achtet: Eisen-, Protein- oder Vitamin B12-Mangel können die Folge sein – mit teils schwerwiegenden Auswirkungen für den Körper und die Gesundheit.

Aktuelle Hinweise auf Nachteile für die Knochensubstanz hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das legt eine Studie mit 36 Veganern und 36 Mischköstlern nahe. Hierbei wurde die Knochengesundheit mit Hilfe einer Ultraschallmessung am Fersenbein bestimmt. Das Ergebnis: Menschen, die sich vegan ernährten, hatten durchschnittlich niedrigere Ultraschallwerte im Vergleich zur anderen Gruppe.

Weniger im Blut

Um den Gründen auf die Spur zu kommen, untersuchten die Wissenschaftler bestimmte Biomarker in Blut und Urin. Dabei sollte auffallen, für welche Nährstoffe gegebenenfalls ein Mangel vorlag. Die Experten identifizierten so zwölf Biomarker, die offenbar in besonders engem Zusammenhang mit der Knochengesundheit stehen: die Aminosäure Lysin beispielsweise oder die Vitamine A und B6.

Im Labor zeigte sich, dass die ausgesuchten Biomarker in den Proben der Veganer meist in geringerer Konzentration vorlagen. Das könnte die geringere Knochengesundheit möglicherweise erklären, erläutert das BfR vorsichtig. „Die vegane Ernährung gilt oftmals als gesundheitsbewusst. Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich die vegane Ernährung auf die Knochengesundheit auswirkt“, kommentiert BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel die Ergebnisse. Dennoch seien weitere Studien zur Klärung erforderlich.

Generell sagt die Wissenschaft, dass Vegetarier und Veganer die Zufuhr der meisten Nährstoffe durchaus durch eine gut abgestimmte pflanzliche Ernährung sicherstellen können. So enthalten auch Hülsenfrüchte, Nüsse, Getreide (Vollkorn), Ölsamen und Kartoffeln Proteine. Eine geschickte Kombination dieser Bausteine ermöglicht schließlich auch die Zufuhr an unentbehrlichen Aminosäuren. Pflanzliche Lebensmittel haben im Vergleich zu tierischen Lebensmitteln meist eine geringere Proteinqualität. Daher muss der Speiseplan so zusammengestellt sein, dass eine Komponente das Defizit der anderen ausgleichen kann.

Ebenso kritisch sind langkettige Omega-3 Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Calcium, Eisen, Jod, Zink und Selen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hin. Nun müssen Vegetarier und Veganer aber nicht gleich zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen. In Bezug auf Omega-3-Fettsäuren sind Öle aus Mikroalgen eine Alternative zu tierischen Produkten.

Mangel muss nicht sein

Die Versorgung mit Vitamin D kann auch so mancher Speisepilz sichern, Champignons und Pfifferlinge beispielsweise. Ebenso sind mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel – etwa Margarine – im Handel erhältlich. Schnell fällt einem zum Fleischverzicht auch das Argument des Eisenmangels ein. Hülsenfrüchte, Ölsamen, Nüsse, Vollkorngetreide und verschiedene Gemüsearten (zum Beispiel Spinat und Schwarzwurzeln) ebenso wie Beerenobst sind aber ebenfalls gute Eisenlieferanten.

Während der Bedarf an den allermeisten Nährstoffe also durchaus aus pflanzlichen Lebensmitteln gedeckt werden kann, bleibt das Vitamin B12 hier außen vor. Eine ausreichende Versorgung mit diesem lebenswichtigen Vitamin ist nach derzeitigem Kenntnisstand bei veganer Ernährung nur durch Einnahme eines Nährstoffpräparats möglich. Das unterstreicht die DGE ganz ausdrücklich.

Ebenso das Vitamin D – auch als Sonnenvitamin bezeichnet – nimmt unter den wichtigen Nährstoffen eine Sonderstellung ein, da es durch den Menschen selbst durch Sonnenbestrahlung gebildet werden kann.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 10/2021
stats