Fleischerhandwerk Metzger haben gute Karten

Dienstag, 08. Oktober 2019
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Digitalisierung oder Umweltschutz spielen den Meisterbetrieben in die Hände. Ein Update zum Deutschen Fleischer-Verbandstag. Fleischer sind mit 24.227 Verkaufsstellen am Markt präsent.
„Wir können nicht virtuell essen. Lebensmittel werden immer Bestand haben.“ Mit dieser glasklare Aussage gab der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Dr. Wolfgang Ingold, ein starkes Statement zur Eröffnung der Anuga ab. Der Mitgesellschafter des Familienunternehmens Franz Wiltmann und frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF) erinnerte daran, dass bei aller Digitalisierung und Weiterentwicklung des Onlinehandels der Genuss von Lebensmitteln eine analoge Tätigkeit bleiben wird.

Genau deshalb bleiben Metzger ein gefragter Berufsstand. Das nach wie vor angekratzte Image lässt die Meisterbetriebe allerdings nur schwer Auszubildende finden. Die Personalnöte in fleischerhandwerklichen Betrieben nehmen dramatisch zu. Es fehlt nicht nur der Nachwuchs beim Einstieg in den Beruf. Zu oft lassen sich Fachkräfte kaum auf Dauer an die Unternehmen binden. Das zwingt die Meisterbetriebe immer öfter darüber nachzudenken, auf welche Leistungen sie verzichten müssen oder sie schränken die Öffnungszeiten der Läden ein.
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Dabei stehen die Fleischer-Fachgeschäfte gut da und haben noch mehr Potenzial, bekennt DFV-Präsident Herbert Dohrmann im Interview (siehe unten). Die Betriebe sind ausgelastet und die aktuellen Ernährungstrends spielen dem traditionellen Handwerk in die Hände. Regionalität und Frische, exklusive Fleischspezialitäten verschiedener Herkünfte und Rassen oder Dry Aged-Beef in neuen und wiederentdeckten Zuschnitten – heute heißt das „Cuts“ – sprechen eine größer werdende Gruppe von Kunden an. Und die möchten gern bedient werden. Diese Tätigkeit lässt sich nicht digitalisieren.

Das Fleischerhandwerk ist in Deutschland mit 24.227 Verkaufsstellen präsent. Darin enthalten sind die rund 5.000 Verkaufsmobile im Tourendienst oder auf Wochenmärkten. Die Zahl ist zwar weiter rückläufig, die negative Dynamik scheint aber etwas abzubremsen. Das zeigt die Entwicklung im ersten Halbjahr 2019. Die Metzger sind damit unverändert eine starke Größe im Markt, denn auch der Lebensmitteleinzelhandel steht unter Druck. Die Anzahl der Verkaufsstellen schmilzt. 2018 zählte der Handelsverbands Deutschland (HDE) 15.990 Discounter, 172 weniger gegenüber 2017. Federn lassen mussten auch die SB-Warenhäuser: Ihre Zahl sank von 890 im Jahr 2010 auf aktuell 818.

Auch wenn der Vergleich hinkt: Im Bankensektor sieht es dagegen ganz übel aus. Die Anzahl der Filialen sank in nur zehn Jahren um ein Viertel auf 31.949 im Jahr 2017. Das wird noch nicht das Ende sein, schließlich lassen sich Konten, Depots und Kredite inzwischen von jedem Smartphone aus bedienen – ganz ohne Hilfe am Schalter.
Herbert Dohrmann DFV
(Bild: DFV)

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