Hessischer Gründerpreis: Koch macht das Renne...
Hessischer Gründerpreis

Koch macht das Rennen

Landfleischerei Koch, Landfleischerei Koch
Stolze Preisträgerin des Hessischen Gründerpreises 2020: Fleischermeisterin Katharina Koch aus Calden.
Stolze Preisträgerin des Hessischen Gründerpreises 2020: Fleischermeisterin Katharina Koch aus Calden.

CALDEN Am vergangenen Freitagabend wurde es spannend. Verantwortlich dafür war nicht in Metzgerkreisen das Fernsehprogramm des Zweiten, sondern die Verleihung des „Hessischen Gründerpreises 2020“

Die Übernahme der elterlichen Metzgerei ist keine Selbstverständlichkeit. Für Katharina Koch aus dem nordhessischen Calden war das aber keine Frage. Die Herausforderung sei es, „das traditionelle Handwerk zukunftsfähig zu machen“, so die Fleischermeisterin. Ihr Engagement wurde nun mit dem Hessischen Gründerpreis 2020 belohnt, den der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am vergangenen Freitag in Kassel überreichte.


Die begehrte Auszeichnung sicherte sich in diesem Jahr Katharina Koch, Fleischermeisterin aus dem nordhessischen Calden. Die aufgrund von Corona ins Internet verlegte Galaveranstaltung unter der Schirmherrschaft von Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) verfolgten Kunden der Landfleischerei Koch ebenso wie der Stab von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Branchenkollegen sowie eine breite Öffentlichkeit. Es ist eben sehr selten, dass eine Metzgerei für einen reibungslosen Betriebsübergang von einer Generation zur nächsten so sehr ins Scheinwerferlicht gerückt wird.
Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir überreichte Katharina Koch die Auszeichnung.
Tina Rösler / Hessischer Gründerpreis, Tina Rösler / Hessischer Gründerpreis
Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir überreichte Katharina Koch die Auszeichnung.
Sowohl die Übergabe als auch die Übernahme eines Unternehmens ist eine Herkulesaufgabe – für beide Seiten. Viele Betriebe scheitern daran. Nicht so die Familie Koch, die seit 1877 in Calden (Landkreis Kassel) eine Landfleischerei führt. Katharina Koch zog es nach dem Abitur im Jahr 2007 zunächst ins Ausland. Sie studierte in Berlin Politikwissenschaften und legte an der Sorbonne in Paris den Master of Arts in politischer Kommunikation ab.

Die junge Akademikerin, die seit Kindestagen das elterliche Handwerksunternehmen in- und auswendig kennt, zog es zurück in die Heimat. Sie legte die Meisterprüfung bei Heyne in Frankfurt ab und bereitete mit ihrem Vater Thomas den Generationswechsel vor. Vier Jahre nahmen sich beide dafür Zeit und ließen einander Raum für Tradition und Innovation, wie beispielsweise 2019 das „Beste von Bienen und Rindern“ zeigt. Die honiggereiften Steaks haben sich etabliert und „kommen gut an“, weiß Katharina Koch im Gespräch mit der afz zu berichten. Die Ahle Wurst darf natürlich nicht zu kurz kommen. Sie ist ein Stück nationale Identität in Nordhessen, und so schlachten Kochs bis heute selbst, um das Kultprodukt aus schlachtwarmem Fleisch zu produzieren. Der Hessische Gründerpreis wird in vier Kategorien verliehen. Die Jury zeichnete die junge Fleischermeisterin, die sich ehrenamtlich beim Juniorenverband des deutschen Fleischerhandwerks engagiert, in der Kategorie „Zukunftsfähige Nachfolge“ aus. „Der Preis würdigt die tägliche Leistung“, sagt die Nordhessin, die 2016 den Förderpreis der Fleischwirtschaft erhielt und ergänzt: „Wir geben alles für unser Familienunternehmen. Mit der Auszeichnung möchte ich anderen Mut machen für den Schritt in die Selbstständigkeit.“ Die Unternehmensnachfolge ist im Fleischerhandwerk eine der größten Herausforderungen. Auf die Frage der afz, was es dafür unbedingt braucht, antwortet Koch: „Leidenschaft und Freude für die Sache.“ Eine lange Vorbereitung sei wichtig, um sich in die neue Rolle hinein zu finden. Außerdem müsse man sich mitunter gedulden und nicht alles auf einmal wollen.

Weblink zur Landfleischerei Koch

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 49/2020
stats