Internationaler Metzgermeister-Verband Ringen ums Brüsseler Büro

Dienstag, 03. Dezember 2019
Generalsekretär Martin Fuchs und der scheidende Präsident Jean-Marie Oswald vom Internationalen Metzgermeister-Verband (IMV).
Foto: si
Generalsekretär Martin Fuchs und der scheidende Präsident Jean-Marie Oswald vom Internationalen Metzgermeister-Verband (IMV).

Internationaler Metzgermeister-Verband (IMV) wählt neues Führungsteam. DFV schraubt Finanzierung zurück. Neue Wege sind gefragt.

Der Internationale Metzgermeister-Verband wird ab Januar 2020 von einer Frau geführt: In Brüssel bestimmten die Delegierten der Mitgliedsländer Jacqueline Riedinger Balzer aus Frankreich nur neuen Präsidentin. Ihr zur Seite stehen Anka Lorencz aus Österreich, Maria Sánchez Ruiz aus Spanien, Ad Bergwerff aus den Niederlanden sowie als neu gewählter Schatzmeister Eckhart Neun aus Deutschland. Die Geschäfte führt nach wie vor Generalsekretär Martin Fuchs. Der amtierende Präsident aus Luxemburg, Jean-Marie Oswald, hatte sich nach zwölf Jahren an der IMV-Spitze nicht mehr zur Wahl gestellt. 

„Ich fühle mich als Europäerin.“
Jacqueline Riedinger Balzer
Die Elsässerin Balzer ist mit der Lobbyarbeit des Fleischerhandwerks auf dem Brüsseler Parkett bestens vertraut: In den vergangenen sechs Jahren setzte sie sich bereits als Vizepräsidentin für die Belange der Metzger ein. „Ich fühle mich als Europäerin“, versicherte sie den Delegierten bei der IMV-Mitgliederversammlung. Sie setze auf die Arbeit im Kollektiv und sei stets auf der Suche nach Verbündeten für ihre Sache. Zur Feuertaufe für die neue Präsidentin könnte die Frage der gerechteren Kostenverteilung unter den Mitgliedsverbänden werden. Bislang ist es der Deutsche Fleischer-Verband (DFV), der den Löwenanteil der Brüsseler Vertretung trägt: vor allem Personal-, Miet- und Nebenkosten. Doch damit soll nun Schluss sein. Angesichts schwindender Mitgliedszahlen sieht sich der DFV nicht mehr in der Lage, die Hauptlast der Kosten zu schultern. Ein neues Modell für die Finanzierung ab dem Jahr 2021 muss her.

Im Vorfeld der Mitgliederversammlung hatte es bereits erste Gespräche unter den Mitgliedsverbänden gegeben. Erfolgversprechend zwar, aber noch ohne konkrete Ergebnisse, wie IMV-Generalsekretär Martin Fuchs in Brüssel berichtete: „Wir legen alle Kraft hinein, das Büro in Brüssel zu erhalten.“ Bis zum Ende des Jahres wollen die nationalen Verbände ein Stimmungsbild einholen, welcher Verband wie viel Unterstützung zu leisten vermag. Eine Arbeitsgruppe wird dann einen Vorschlag für ein neues Beitragssystem erarbeiten, der bei der Frühjahrstagung des IMV im April in Straßburg beschlossen werden soll. Außerdem ratifizierte die Mitgliederversammlung eine kurzfristige Finanzhilfe von 50.000 Euro für den DFV, bestritten aus den IMV-Rücklagen.
EMF 2019
(Bild: si)

Mehr zum Thema

European Meat Forum Keine Natur ohne Tiere

Welche Wirkung die Interessenvertretung in Brüssel für das europäische Fleischerhandwerk entfaltet, schilderte Büroleiterin Kirsten Diessner den Delegierten. Beispielsweise sei es gelungen, eine Verschärfung der Regeln zur Abholung von K3-Material abzuwenden. „Diese hätten für viele das wirtschaftliche Aus bedeutet“, so Diessner, wäre doch eine separate Lagerung sowie eine Abholung im 48 Stunden-Takt nötig geworden.

Gemeinsam mit weiteren Organisationen der Land- und Fleischwirtschaft hatte sich der IMV dafür eingesetzt, dass die Begriffe Fleisch, Fleischprodukte und -zubereitungen ähnlich gegen den Missbrauch für vegetarische Varianten geschützt werden wie Butter oder Käse. Über den italienischen Europaabgeordneten Paolo De Castro gelang es, einen Änderungsantrag für die zugrundeliegende EU-Verordnung zu platzieren.

Auch den „Dauerbrenner“ amtliche Kontrolle hatte der IMV im Gesetzgebungsverfahren intensiv begleitet. Mit Erfolg: Wesentliche Ziele des Fleischerhandwerks fanden Berücksichtigung. So wurden beispielsweise die Pläne für eine Pflicht zur Gebührenerhebung für die Erst- beziehungsweise Regelkontrolle fallen gelassen, dafür aber gerechtere Grundsätze für die Durchführung der amtlichen Kontrolle eingeführt. Außerdem blieb die Möglichkeit von Gebührenerleichterungen für kleine Betriebe erhalten und die Kalkulation soll transparenter gestaltet werden.

Das könnte Sie auch interessieren
stats