Junge Talente mit Herz und Verstand

Freitag, 07. November 2014
Foto: Blum

Bodenständigkeit, die Liebe zum Beruf und eine gesunde Portion Ehrgeiz zeichnen die Trägerinnen des „Förderpreises der Fleischwirtschaft“, Michaela und Stefanie Blum aus Calw, aus.

Die 1988 geborene Michaela half schon als Kind im Betrieb mit. Nach dem Besuch der Realschule und des Wirtschaftsgymnasiums erschien ihr eine Lehre im Verkauf als ideale Basis für den Einstieg ins Fleischerhandwerk.

Doch ein Praktikum eröffnete ihr ganz andere Perspektiven: Die junge Frau empfand die Arbeit in der Wurstküche als reizvoller und entschied sich für einen perfekten Kompromiss: Sie startete nach dem Abitur ihre Ausbildung in der Geislinger Fleischerei Häcker & Messerle – als Fleischerin mit Schwerpunkt Verkauf. Mit verkürzter Lehrzeit schloss sie 2009 als Siegerin des Kammerbezirks Stuttgart und Zweite im damals in Horb ausgetragenen Landeswettbewerb ab.

Mit dem Gesellenbrief in der Tasche zog es die 21-Jährige in die Schweiz. „In dem dortigen Handwerksbetrieb fand ich tolle Möglichkeiten vor, um mich in Sachen Fleischveredelung weiterzubilden. Außerdem kamen hier zahlreiche Salamisorten und Pastetenvarianten aus eigener Herstellung“, berichtet Michaela Blum Auch das anschließende Praktikum in einer Großmetzgerei brachte sie fachlich voran.

Die Ausbildung zur Fleischtechnikerin bildete ihren nächsten Karriere-Baustein: Von September 2010 bis Juli 2012 besuchte sie die Schule in Kulmbach, und packte parallel dazu an den Wochenenden im elterlichen Betrieb mit an. Fast nahtlos an den Technikerbrief sattelte Michaela Blum im Dezember 2012 die Meisterprüfung drauf und zog im Folgejahr ein weiteres Mal nach Augsburg, um schließlich noch den Titel „Betriebswirt des Handwerks“ zu erwerben.

Trotz der zeitweise karrierebedingten Abwesenheit ist Michaela Blum am liebsten zu Hause in Calw. „Es würde mir sehr fehlen, wenn ich nicht am Wochenende im Verkauf mithelfen könnte“, bekennt sie. Ihre Lieblingsdisziplin, die Arbeit in der Produktion, kommt derzeit etwas zu kurz. Stattdessen beansprucht Marketing einen großen Teil ihrer Zeit. Ein Riesen-Ereignis für die Familie war das 60. Jubiläum des Unternehmens, das im Frühsommer in großem Rahmen gefeiert wurde.

Berge – Dirndl – Dialekt

Berge, Dirndl und Dialekt sind ihre liebsten Steckenpferde. Die Naturliebhaberin fährt gern Ski und mag Tanzen, Geselligkeit und Treffen mit Freunden. Sich selbst charakterisiert sie als engagiert, teamfähig und ehrlich. Objektive Kritik an ihrer Person und ihren Fähigkeiten ist erwünscht: „Die nehme ich gern an, wenn sie mich weiterbringt.“

(Bild: Blum)
Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Stefanie zeichnet sich als „Feingeist mit filigranem Talent“ aus. Sie legte 2009 die klassische Hochschulreife mit Wirtschaftsschwerpunkt ab und begann eine verkürzte Fleischerlehre bei Kurt Matthes in Plieningen.

Ihr Chef spannte sie gleich als Jurorin bei den Süffa-Wettbewerben ein. Anfang 2011 schnupperte sie in den Betrieb eines südfranzösischen Traiteurs bei Perpignan. Im gleichen Jahr legte sie ihre Gesellenprüfung als Innungsbeste ab und qualifizierte sich als Kammersiegerin für den Landeswettbewerb. Wie ihre Schwester erreichte sie dabei einen hervorragenden zweiten Platz.

Stefanie Blum: „Der Leistungsvergleich mit anderen jungen Kollegen spornt mich an – man kann immer etwas lernen, auch wenn man nicht gewinnt.“ Zudem genoss sie bei dieser Gelegenheit auch die Möglichkeit zu Gesprächen und zum Austausch mit Gleichgesinnten.

Die bot sich tagtäglich an der Fleischerschule Augsburg, Stefanies nächster Station. Als Lehr- und Jahrgangsbeste erwarb sie 2011 den Meisterbrief. „Die Freude am Beruf und der Erfolg gaben mir einen gewaltigen Schub“, berichtet sie.

Nach der Meisterschule stürzte sie sich mit Elan in den vorweihnachtlichen Arbeitstrubel im elterlichen Betrieb. Und weil ihr schon nach dem Abitur vorschwebte, nach der Lehre noch Betriebswirtschaft zu studieren, schrieb sie sich in Nürtingen für den entsprechenden Bachelor-Studiengang ein. „Man muss aber auch die Fachpraxis kennen, und darf sich nicht mit der Theorie begnügen“, erklärt sie.

Theorie und Praxis

Diese Kenntnisse holte sie sich unter anderem bei einem Praxissemester bei der Zentrag in Frankfurt am Main. Viel Auslandserfahrung und fast perfekte Englischkenntnisse erwarb sie bei einem sechsmonatigen Uni-Aufenthalt im kalifornischen Fresno. Derzeit ist die 24-Jährige im sechsten Semester, vertieft ihr Wissen in den Bereichen Controlling und Finanzen und bereitet sich auf ihre Bachelor-Thesis vor, die sie gern in einem Unternehmen mit Fleischerbezug ausarbeiten würde.

Wie ihre Schwester bewegt sich die sportliche junge Frau gern in der Natur: Laufen, Bergwandern, Ski- und Radfahren und Reisen sind ihre Hobbys. Die Traumziele Himalaya, Australien, Neuseeland, Kanada und Südamerika stehen noch weit vorn in der Agenda.

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