Lokalpolitik: Schlachten für die Forschung
Lokalpolitik

Schlachten für die Forschung

Leona Irion/Amt für Landwirtschaft und Naturschutz des Landratsamts Böblingen
Soll zum Forschungsschlachthof entwickelt werden: der Gärtringer Schlachthof. Das Foto entstand 2017 anlässlich der Gläsernen Produktion.
Soll zum Forschungsschlachthof entwickelt werden: der Gärtringer Schlachthof. Das Foto entstand 2017 anlässlich der Gläsernen Produktion.

GÄRTRINGEN Der Gärtringer Schlachthof habe das Potenzial, zu einem Innovations- und Forschungsschlachthof entwickelt zu werden. Das versichert die CDU-Fraktion im Böblinger Kreistag.

Der Schlachthof in Gärtringen war im September 2020 geschlossen worden, nachdem die Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ anhand von Videoaufnahmen Misshandlungen von Schlachttieren und unzureichende Betäubungen publik gemacht hatte.

In einem Antrag an den Böblinger Landrat Roland Bernhard schlagen die CDU-Fraktion und ihr Vorsitzender Helmut Noë vor, den verkehrsgünstig an der Autobahn A81 gelegenen Betrieb zu einem Forschungsschlachthof umzugestalten – als praxisnahen Lehrstandort für Tierwissenschaft und wissenschaftlicher Begleiter.
Als Partner käme die benachbarte Universität Stuttgart-Hohenheim in Frage, die ohnehin die gesamte Wertschöpfungskette in der Nahrungsmittelproduktion erforsche und abbilde. Noë: „Der Gärtringer Schlachthof ist ein fester Bestandteil der regionalen Fleischerzeugung. Nach den bekannt gewordenen Mängeln muss nun die Chance genutzt werden, Qualität und Expertise in den Schlachthof zu holen.“

Die Fraktion wünscht sich überdies, dass das Landratsamt die Gärtringer Schlachthofgenossenschaft beim Antrag von Investitionszuschüssen unterstützt. Die könnten beispielsweise aus dem Ende vergangenen Jahres von Peter Hauk aufgelegten Förderprogramm für mehr Tierwohl an regionalen Schlachthöfen kommen. Der Minister für ländlichen Raum und Verbraucherschutz hatte dafür in „einem ersten Schritt bis zu zehn Millionen Euro“ in Aussicht gestellt.
Außerdem solle der Landrat Kontakt mit den Nachbarkreisen aufnehmen und klären, ob sie einen interkommunalen Ansatz unterstützen und sich an Betrieb und Finanzierung eines regionalen Schlachthofs beteiligen würden.

Der Pressesprecher der CDU-Fraktion, Daniel Töpfer, geht davon aus, dass neben den bekannten baulichen Mängeln eine tierwohlgerechte Schlachtung größere Investitionssummen verschlingen könnte. Die Schlachthofgenossenschaft sei nicht in der Lage, sie allein zu stemmen, meint auch Noë.

Bislang rechnen weder die Genossenschaft noch Fleischer oder Landwirte ernsthaft damit, dass der Schlachthof vor Mitte dieses Jahres wieder geöffnet wird. Der „Runde Tisch Neustart Schlachthof“ setzt sich in Kürze erneut zusammen. Bei dem Treffen wird das Architekturbüro Falkenstein seine Pläne vorstellen. Auch soll das weitere Vorgehen mit allen Beteiligten detailliert besprochen werden.
Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 3/2021
stats