Meat Vision Day Massenware hat keine Zukunft

Dienstag, 02. Mai 2017
Start-up-Unternehmen im kritischen Diskurs mit Richard David Precht sowie den Moderatoren Renate Kühlcke und Jörg Schiffeler
Foto: Felix Holland
Start-up-Unternehmen im kritischen Diskurs mit Richard David Precht sowie den Moderatoren Renate Kühlcke und Jörg Schiffeler

afz und „Fleischwirtschaft“ werfen einen visionären Blick auf den Fleischkonsum von übermorgen. Richard David Precht sieht das Ende der Nutztierhaltung nahen.
„Über Sie wird ein Sturm hinwegfegen.“ Richard David Precht zeichnete beim „Meat Vision Day“ in Frankfurt am Main ein drastisches Bild für die Zukunft des Fleischkonsums. Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums bis zum Jahr 2050 auf 9,7 Mrd. Menschen bräuchten wir zwei Erden, um den Bedarf an Fleisch zu decken – ökologischer Wahnsinn.
Richard David Precht
Foto: Felix Holland
Richard David Precht
Statt aber immer mehr Tiere zu mästen und zu schlachten sieht der Philosoph und Publizist die Lösung eher im Fleisch aus der Petrischale, kultiviert aus Rinderzellen. Binnen kurzer Zeit werde dieses Verfahren für jeden erschwinglich sein, als erstes wohl „für die SUV-fahrenden Ökostrom-Kunden am Prenzlauer Berg“, schmunzelte Precht. Da könnten Land- und Fleischwirtschaft nicht konkurrieren, vor allem ethisch und ökologisch nicht.

Während einer Übergangszeit sieht der Denker zwar noch Perspektiven für Edles aus der „Fleisch-Boutique“, doch langfristig mache das „Kulturfleisch“ die Nutztierhaltung überflüssig. „Wenn Sie damit aufwachsen, können Sie sich nicht gar mehr vorstellen, dass ein mal Tiere getötet wurden“, verdeutlichte Precht mit Blick auf den rasanten Einzug der Smartphones in unsere Lebenswelt.
Der Siegeszug vom Fleisch aus der Petrischale bedeute aber keineswegs das Ende der Wurstkultur. Nur der Rohstoff werde sich ändern. „Warum sollte sich das edle deutsche Handwerk nicht in edle deutsche Technologie transformieren?“, so der Autor des Buchs „Tiere denken“.

Den Jungunternehmern und Start-ups der Fleischbranche wurde aber nicht bang angesichts dieser Zukunftsvision. Förderpreisträger Philipp Büning etwa sieht sich ohnehin jenseits der Massenware: „Der Erlebniseinkauf, das ist unser Thema.“
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