Mindestlohn: Stillstand im Tarifpoker
Mindestlohn

Stillstand im Tarifpoker

Jörg Schiffeler, jus
8,75 Euro sind der derzeitige Branchen-Mindestlohn. Über das nötige Mehr streiten sich Gewerkschafter und Arbeitgeber-Vertreter.
8,75 Euro sind der derzeitige Branchen-Mindestlohn. Über das nötige Mehr streiten sich Gewerkschafter und Arbeitgeber-Vertreter.

HANNOVER Auch die jüngsten Verhandlungen zwischen dem Verband der Ernährungswirtschaft (VdEW) und der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) über einen Mindestlohn-Tarifvertrag für die Fleischwirtschaft sind ohne Einigung verlaufen.

Der VdEW war mit einer Tariferhöhung von 8,75 auf 8,90 Euro und einer zusätzlichen Pauschale von monatlich 30 Euro ins Rennen gegangen. „Nur sechs Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn sind inakzeptabel“, lässt sich der stellvertretende NGG-Vorsitzende, Claus-Harald Güster, zitieren.


Scharf kritisierte er, dass die Arbeitgeber den Schwarzen Peter anderen – wie den Convenience-Herstellern, Verbrauchern oder Discountern – zuschieben wolle. Diese seien laut VdEW nicht bereit, für Fertiggerichte, Fleisch oder Wurst tiefer in die Tasche zu greifen. Das lässt VdEW-Hauptgeschäftsführer E. Michael Andritzky nicht gelten: „Die Branche steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Immer mehr Produkte kommen aus anderen Ländern, die zu deutlich geringeren Löhnen produziert werden.“
Laut Andritzky stellt der Mindestlohn-Tarifvertrag „nur die absolute Untergrenze“ dar. In zahlreichen Haustarifverträgen seien für die große Mehrheit der Beschäftigten deutlich höhere Entgelte vereinbart. Das kann Güster nicht bestätigen. Die Branche habe jetzt schon massiv damit zu kämpfen, dass nicht einmal mehr die osteuropäischen Beschäftigten in der Anzahl in den deutschen Betrieben arbeiten wollten, wie sie gebraucht würden. Es gebe eine massive Abwanderung in Bereiche, in denen mehr gezahlt werde. Die NGG fordert daher einen Mindestlohn von mehr als zehn Euro. Die nächste Verhandlung findet am 30. November 2017 in Hannover statt.

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