Misstände in der Schweinezucht

Freitag, 29. November 2013
Foto: Hier fühlen sich Sau und Ferkel wohl. Foto: jus

(Bild: Hier fühlen sich Sau und Ferkel wohl. Foto: jus)
Die ARD-Nachrichtensendung Tagesthemen zeigte gestern eklatante Verstöße zum Tierschutz in der Muttersau-Haltung eines thüringischen Schweinemastbetriebs.

„Riesensauerei“ kündigte Tagesthemen-Moderator Thomas Roth die Zustände in der deutschen Schweinezucht an. Filmaufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Right Watch (Ariwa) zeigten eine Muttersauhaltung des Gut Thiemendorf im Saale-Holzland-Kreis.

Der landwirtschaftliche Betrieb hält dem Bericht zufolge die Muttertiere in engen Kastenständen bereits vier Monate vor dem Abferkeln. Das sei unzulässig. So könne die Sau sich nicht zum Säugen hinlegen. Außerdem irrten noch einige orientierungslose Ferkel umher, mit der ständigen Gefahr tot getrampelt zu werden. Das Gesetz erlaube unterdessen nur eine vierwöchige Kastenhaltung vor der Geburt der Ferkel.

Im Imagevideo des Unternehmens wird auf der Homepage eine heile Welt mit Stroheinstreu vorgespielt. Das zuständige Veterinäramt in Stadtroda gab sich ahnungslos. Behördenleiter Martin Meiszner zeigte sich im ARD-Interview geschockt. Zum einen seien derartige Zustände nicht vorstellbar, zum anderen seien die Überwachungsbehörden überfordert. Der von Ariwa angeprangerte Betrieb verfüge über sechs sehr große Hallen auf einer Gesamtlänge von rund zwei Kilometern. Das sprenge den Rahmen der Kontrolle, so Meiszner.

Prof. Dr. Thomas Blaha von der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) bestätigte, dass die Überwachungsbehörden nur etwa ein Zehntel der Bestände erfassten. Das bedeute im Umkehrschluss, dass ein Veterinäramt nur alle zehn Jahre einen Stall kontrolliere.

Das Veterinäramt will nun die Staatsanwaltschaft einschalten.
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