Nachhaltigkeit Klima schonen, Produktion sichern

Freitag, 20. Dezember 2019
Welche Maßnahmen gibt es beispielsweise bei Futterpflanzen, um die Schweineproduktion nachhaltiger zu gestalten? Das beschäftigt den Schweinesektor in Dänemark.
Foto: DAFC
Welche Maßnahmen gibt es beispielsweise bei Futterpflanzen, um die Schweineproduktion nachhaltiger zu gestalten? Das beschäftigt den Schweinesektor in Dänemark.

Die dänische Agrar- und Ernährungswirtschaft hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis zum Jahr 2050 will die Branche Lebensmittel klimaneutral produzieren. Der Schweinekongress in Herning diskutierte jetzt über mögliche Maßnahmen.
Die Vorträge und der fachliche Dialog der mehr als 2.000 Teilnehmer beim Schweinekongress 2019 im dänischen Herning machten deutlich, wohin die Reise im dänischen Schweinesektor geht. Die Fachleute diskutierten vor allem über die Aktivitäten der Branche rund um das Thema Nachhaltigkeit. Ein Schwerpunkt war dabei das in diesem Frühjahr nicht nur von den führenden Genossenschaftskonzernen Danish Crown und Arla Foods, sondern von der gesamten dänische Lebensmittelindustrie definierte Ziel: Bis zum Jahr 2050, so die Vision, will die Ernährungswirtschaft Lebensmittel klimaneutral erzeugen und das bei einem steigenden Produktionsvolumen.

Anne Lawaetz Arhnung, CEO des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft, spricht in diesem Zusammenhang von einem historischen Schritt. „Dieses Ziel werden wir nur gemeinsam mit der dänischen Bevölkerung erreichen. Wir müssen hierfür in den kommenden Jahren kräftig in Forschung und Entwicklung investieren“, sagt Arhnung.
 Nachhaltigkeit ist auch Tierschutz: Die dänische Schweinebranche forciert die Freilaufhaltung.
Foto: DAFC
Nachhaltigkeit ist auch Tierschutz: Die dänische Schweinebranche forciert die Freilaufhaltung.
Was eine klimaverträglichere Produktion angeht, hat der dänische Schweinesektor in der Vergangenheit schon einiges erreicht. So konnten beispielsweise die Klimagas-Emissionen pro Kilogramm erzeugtem Schweinefleisch im Zeitraum 2005 bis 2016 um rund 26 Prozent reduziert werden. Wissenschaft und Praxis arbeiten weiter mit Hochdruck an zukunftsträchtigen Konzepten, mit denen sich Treibhausgase weiter verringern lassen. Im Fokus stehen dabei unter anderem der Einsatz moderner Technologien zur Güllebehandlung und Luftreinigung in Ställen. Auch die Fütterung ist ein wichtiger Ansatzpunkt. Durch intensive Zuchtarbeit konnte der dänische Schweinesektor die Futterverwertung der Tiere in den letzten Jahren deutlich verbessern.

Mehr heimisches Eiweiß

Stichwort Futter. Im Rahmen des Kongresses diskutierten die Fachleute auch die Ergebnisse aktueller Forschungsarbeiten des SEGES Pig Research Centre im Dänischen Fachverband. Wissenschaftler fanden im Zuge von Fütterungsversuchen heraus, dass Futterrationen von Sauen bis zu 15 Prozent Ackerbohnen enthalten können, ohne negative Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungen befürchten zu müssen. Bei Mastschweinen und Ferkeln ist sogar ein Anteil von maximal 20 bzw. 25 Prozent möglich. „Bislang haben wir von Ackerbohnen abgeraten. Die uns jetzt zur Verfügung stehenden Sorten enthalten weniger Schadstoffe und bringen bessere Ergebnisse“, berichtet Else Vils, Chefforscherin im SEGES Pig Research Centre.
Klima - L&F
(Bild: L&F)

Mehr zum Thema

Ausstoß von Kohlendioxid Lieber Teil der Lösung statt des Problems

Um sich unabhängiger von Sojaimporten zu machen, forciert Dänemark seit geraumer Zeit den Anbau von heimischen Eiweißpflanzen. Vor einiger Zeit ging die Kooperation „Danish Protein Innovation“ an den Start. In dieser Partnerschaft arbeiten führende Hersteller von Futtermitteln, Zutaten und Lebensmitteln gemeinsam mit Forschungseinrichtungen an der Entwicklung nachhaltiger Proteine für Futter- und Nahrungsmittel sowie Pharmaprodukte. „Wir setzen da an, wo das Potenzial groß ist und die Forschung bereits große Fortschritte gemacht hat, und zwar bei der Produktion von Pflanzeneiweiß – in erster Linie aus Gras – zur Verwendung als Futtermittel”, erklärt Lars Hvidtfeldt, der die Partnerschaft als Vertreter des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft leitet.

Mehr Auslauf, weniger Antibiotika

Nachhaltiges Wirtschaften – das heißt für den dänischen Schweinesektor nicht nur mehr Engagement für den Klimaschutz, sondern auch mehr Einsatz für das Wohl der Nutztiere. So forciert die Branche schon länger den Ausbau der Freilaufhaltung von Sauen. Fast schon gängige Praxis ist die Freilaufhaltung von tragenden Sauen und Tieren im Deckabschnitt. Der Sektor will aber auch  Auslaufmöglichkeiten in Abferkelställen weiter voranbringen und entwickelt hierfür geeignete Haltungssysteme. Bei dem Verzicht auf das Kupieren der Schweineschwänze kommt Dänemark nach Auffassung des DAFC ebenfalls gut voran.

Zu den Vorreitern gehört die Branche bei der nachhaltigen Senkung des Antibiotikaeinsatzes. Seit Jahren ist der Gebrauch rückläufig. Nach Angaben des Dänischen Fachverbands beträgt der Arzneimittelverbrauch in der dänischen Nutztierproduktion weniger als ein Drittel des EU-Durchschnitts. Im ersten Quartal 2019 sank der Verbrauch von Antibiotika in Dosen pro Schwein von der Geburt bis zur Schlachtung laut dem SEGES Pig Research Centre im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent. Eine Dosis ist die beim Schwein je kg Körpergewicht zur Behandlung verabreichte Menge.
Das könnte Sie auch interessieren
stats