Nachwuchs: Internet ist zentrales Medium

Sonntag, 27. Mai 2012
Foto: DFV-Präsidialmitglied Klaus Gerlach

afz-Interview mit DFV-Präsidialmitglied Klaus Gerlach zur Ausbildungssituation im Fleischerhandwerk
(Bild: DFV-Präsidialmitglied Klaus Gerlach)
Das Thema Nachwuchs zieht sich derzeit durch die Publikums- und Fachmedien ebenso wie durch Fleischerverbandstage und Innungsversammlungen: die Sorge um den Berufsnachwuchs. Zur Situation im Fleischerhandwerk sprach die afz mit Klaus Gerlach, im Präsidium des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) zuständig für Ausbildungsfragen.


Herr Gerlach, dem Fleischerhandwerk fällt es zusehends schwerer, seine Lehrstellen adäquat zu besetzen. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig. Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um die Situation zu entspannen?



Seitens des Deutschen Fleischer-Verbands verfolgen wir zwei Ansätze, die sich gegenseitig ergänzen. Erstens bieten wir unseren Betrieben Werbe- und Informationsmaterial, um vor Ort geeigneten Nachwuchs zu gewinnen – gewissermaßen also „Hilfe zur Selbsthilfe“, denn wir wissen, dass der Wettbewerb um geeignete Auszubildende letztendlich in der Region entschieden wird. Darüber hinaus betreibt der DFV aber auch Öffentlichkeitsarbeit und bietet Kommunikationsplattformen, die deutschlandweit für das gesamte Fleischerhandwerk wirken.


Gibt es auch Anzeichen dafür, dass die Betriebe die Konsequenz ziehen und ihr Engagement in der Ausbildung zurückschrauben?


Im Gegenteil, wir bemerken auf der Ebene der Innungen und der einzelnen Betriebe verstärkte Aktivitäten im Bereich der Nachwuchs- und Imagewerbung. Letztere soll gerade dem Ziel dienen, unser Handwerk auch in der öffentlichen Wahrnehmung zu „entstauben“. Es hilft ja auch nicht, aus Frustration die Ausbildung eigenen Nachwuchses einzustellen. Damit entzögen wir uns langfristig die Grundlagen für ein gesundes Fleischerhandwerk. Wir – und damit meine ich Verbände und Betriebe – müssen vielmehr die Qualität unserer Angebote verbessern. Also: bessere Information, aber letztendlich auch bessere Ausbildung.


Wie könnte es gelingen, die Berufsbilder Fleischer und Fachverkäuferin im Fleischerhandwerk attraktiver zu vermitteln? Wie bringt sich hier der DFV ein?


Der DFV hat in seinen Nachwuchswerbeaktivitäten in den vergangenen Jahren einen Wandel von der klassischen Nachwuchswerbung hin zur zielgruppengerechten Kommunikation vollzogen. Das bedeutet, weg von der typischen, von Agenturen erstellten Werbung hin zur Information und zum sachlichen Dialog mit Jugendlichen auf Augenhöhe. Diesen Weg werden wir weiter beschreiten, auch wenn es weiterhin klassische Werbemittel wie Poster, Broschüren und Flyer geben wird.


Welche Kommunikationswege nutzen Sie in der Nachwuchswerbung? Was ist in Planung?


Wie gesagt, der DFV bietet seinen Betrieben Unterstützung für die eigene Nachwuchswerbung an. Das ist – neben den klassischen Werbemitteln – vor allem unser Konzept „Talente gesucht!“. Der DFV selbst betreibt darüber hinaus seit einiger Zeit eine Seite im sozialen Netzwerk Facebook. Einerseits, um Auszubildenden eine Anlaufstelle zu bieten, andererseits natürlich auch, um in deren Freundeskreisen das Fleischerhandwerk bekannt zu machen. Dieses Angebot werden wir sicherlich noch ausweiten. Mittelfristig wird auch unsere Nachwuchswerbelinie „going future“ grundlegend überarbeitet werden müssen.


Haben Sie abschließend noch einen Tipp für die Kollegen vor Ort?


Ja. Man sollte heute bei der Suche nach Azubis unbedingt das Internet in seine Aktivitäten mit einbeziehen. Wenn man sich das Kommunikationsverhalten Jugendlicher genau anschaut, stellt man fest, dass ein Großteil der Informationsbeschaffung und des Austauschs mit Freunden inzwischen dort stattfindet. Ein Betrieb, der Auszubildende sucht und auch sonst auf seine zukünftigen Mitarbeiter einen zeitgemäßen Eindruck machen will, muss dort präsent sein. Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn eine fünfzehnjährige Schülerin in ihr Smartphone die Suchbegriffe „Ausbildungsplatz“, „Verkäuferin“ und „Berlin“ eingibt, dann muss ich mit meinem Laden – beziehungsweise mit der Webseite meines Ladens – unter den Treffern sein. Aber auch zu diesem Thema bietet der DFV Unterstützung.

Das Interview mit DFV-Präsidialmitglied Klaus Gerlach führte die stellvertretende afz-Chefredakteurin Sandra Sieler.
Das könnte Sie auch interessieren
stats