Ranking der Fleischwirtschaft 2019 Branche schaltet einen Gang zurück

Mittwoch, 13. November 2019
Blick in den Schlachthof der Vion Food Group am Standort Waldkraiburg.
Foto: Tim Wegner / Vion
Blick in den Schlachthof der Vion Food Group am Standort Waldkraiburg.

Niedrige Preise, weniger Schlachtungen, stagnierender Konsum: Unter diesen Vorzeichen riss bei einer Reihe von Unternehmen der Branche im Jahr 2018 das Wachstum ab. Das aktuelle Branchenranking von afz und „Fleischwirtschaft.“
Die zehn größten Unternehmensgruppen der Fleischwirtschaft setzten im Jahr 2018 gut 20,5 Mrd. Euro um. Das war eine halbe Milliarde weniger als 2017 und damit die erste Wachstumsdelle seit Jahren. Das zeigt das aktuelle Umsatzranking von afz und „Fleischwirtschaft“. 

Das Branchenranking der Fleischwirtschaft zeigt im 15. Jahr seines Erscheinens ein Novum: Eine ganze Reihe der Top-Unternehmen der Branche weisen für das Jahr 2018 Umsatzrückgänge aus. Insbesondere gilt das für den Schlachtsektor. Das gab es noch nie, seit die Redaktionen von afz und „Fleischwirtschaft“ die Big Player der Branche jährlich nach Umsatz- und Produktionsdaten befragen.

Die rückläufigen Erlöse sind Ausdruck eines Jahres, das – bis auf einen kurzen Peak im Sommer – im Zeichen niedriger Preise für Schweine und Schweinefleisch stand. Die VEZG-Notierung lag im Schnitt bei 1,42 Euro. Zusätzlich kamen weniger Tiere an die Schlachthaken. Bei den Schweinen machte das einen Rückgang um 1,5 Mio. Tiere aus, bei Rindern um etwa 100.000. Dank höherer Schlachtgewichte schlug sich das allerdings nicht voll auf die Fleischerzeugung nieder, die um etwa 1,5 Prozent auf 8,039 Mio. t sank.

Hitze drückt die Preise

Doch nicht nur im Schweinebereich waren die Preise 2018 im Tiefflug. Die ungewöhnliche Hitze verdorrte Weiden und Felder. Damit wurde die Futtergrundlage für Rinder knapp. In der Folge lieferten die Erzeuger deutlich mehr Kühe zur Schlachtung als üblich, was den Preis dann merklich drückte. Insgesamt kamen in dem Jahr allerdings mit 3,4 Mio. Tieren weniger Rinder zur Schlachtung als 2017.

In Handel und Gastronomie hat sich Kalbfleisch inzwischen fest etabliert. Davon profitieren auch die hiesigen Schlachtunternehmen. So konnten Bahlmann (43) und Brüninghoff (100) beispielsweise ihre Schlachthaken im vergangenen Jahr besser auslasten. Wachstumsgarant war einmal mehr das Geflügelfleisch. In diesem Segment dehnten die Unternehmen ihre Umsätze und Tonnagen sichtbar weiter aus. Frisch-Geflügel Claus (81) aus Westerstede übersprang in diesem Jahr sogar die Schwelle von 100 Millionen Euro.

Der Jahrhundertsommer 2018 half zwar klar dem Absatz von Grillfleisch und Bratwurst. Insgesamt kauften die Deutschen im vergangenen Jahr aber etwas weniger Fleisch und Wurst. Höhere Preise glichen das wertmäßig wiederum aus. So schafften einige Hersteller von Fleischwaren auch ansehnliche Zuwachsraten von vier bis fünf Prozent. Verbreiteter war jedoch eine Stagnation oder ein eher zartes Wachstum.

An der Spitze des Rankings der Top 100-Unternehmen der Fleischwirtschaft stehen wie in den vergangenen Jahren Tönnies (1), Vion (2) und Westfleisch (3). Alle drei schlachten und zerlegen Schweine ebenso wie Rinder. Und alle drei ließen im vergangenen Jahr einnahmenseitig Federn.

Im Mittelfeld läuft‘s besser

Andere wiederum kamen offensichtlich besser mit den verschärften Marktbedingungen zurecht. Ihnen gelangen dann teilweise weiter solide Wachstumsraten, darunter die süddeutschen Unternehmen Attenberger (75), Unifleisch (58) und Müller (8) oder Manten (40) am Niederrhein.

Der im rheinischen Siebengebirge beheimatete Fleischverarbeiter Willms (14) berichtet für 2018 von satten 20 Prozent Wachstum. Zum Unternehmen gehören inzwischen vier Standorte: Ruppichteroth, Weißwasser, Bochum sowie Loxstedt-Düring. Der Einstieg im Jahr 2015 beim Düringer Fleischkontor erweiterte die Kompetenz von Willms um eine Stufe in der Prozesskette: vom Schlachten über das Zerlegen bis hin zum handelsfertigen Produkt.

Im Allgemeinen läuft der Trend eher umgekehrt, dringen die Fleischerzeuger immer tiefer in die Veredelung vor. Der Markt für Convenience-Produkte bietet ihnen hierzulande noch vielversprechendes Potenzial. Andere kümmern sich ergänzend um alternative Proteine. Vion beispielsweise stellte zur Messe sein Start-up ME-AT vor. Oder der Geflügelkonzern PHW ist beim Kunstfleisch-Anbieter Supermeat eingestiegen und unterhält eine Vertriebspartnerschaft mit Beyond Meat.
Top-100-Ranking - Schweinehälften
(Bild: jus)

Mehr zum Thema

Ranking der Fleischwirtschaft 2019 Die Top 10 Gruppen

Bei der Rügenwalder Mühle (45) ist das Veggie-Sortiment gar der Wachstumstreiber. Die fleischfreien Alternativen machten 2018 bereits mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes der Bad Zwischenahner aus, Tendenz: steigend. Insgesamt resultiert aus der Bilanz ein Umsatzplus von gut fünf Prozent. Dass solche Wachstumsraten auch mit klassischen Produkten gelingen, zeigen Stockmeyer (35; +4 Prozent) und Bell Deutschland (22; +4,8 Prozent).

Um sich künftig stärker auf das Geschäft mit Rohschinken zu konzentrieren, verkauft der Schweizer Fleischverarbeiter seine hiesige Wurstsparte. Die Zur-Mühlen-Gruppe (10) übernimmt zwei Standorte und 400 Mitarbeiter. Die Schweizer geben damit gut 75 Mio. Euro Umsatz ab. Diese Verschiebung von Marktanteilen sowie die angekündigte Fusion von Reinert (27; 340 Mio. Euro) und Kemper (25; 400 Mio. Euro) zu The Family Butchers (TFB) dürfte das Ranking der Top-Player unter den Wurstherstellern in Bewegung bringen. Zwar weist das Dach der Zur-Mühlen-Gruppe, die Tönnies-Holding, seit diesem Jahr nur noch den Gruppenumsatz aus, 2017 beliefen sich die Erlöse von Zur Mühlen allerdings auf 820 Mio. Euro. TFB käme dem mit zusammengenommen etwa 740 Mio. Euro näher und wäre – die Zustimmung der Wettbewerbshüter vorausgesetzt – die Nummer zwei unter den Wurstproduzenten in Deutschland.
Foto: afz-Grafik
Auf Platz drei landet dann Bell, mit verbleibenden gut 350 Mio. Euro – immerhin nur noch halb so schwer wie der Vordermann.

Rang vier belegt Wolf (30). Die Schwandorfer melden seit Jahren konstante 300 Mio. Euro Umsatz. Das soll sich nun ändern: „Wir müssen wachsen“, sagt Geschäftsführer Christian Wolf. In den nächsten drei Jahren sollen die Einnahmen zunächst auf 350 Mio. Euro steigen. Längerfristig peilt Wolf eher die 400 Mio. Euro an. Das Wachstum wollen die Bayern dabei sowohl im Heimatmarkt als auch im Ausland generieren.

Nicht auf Wachstum programmiert

Auch die Fleischverarbeitungsbetriebe des Handels spüren die sich verändernden Konsumgewohnheiten. Wachstum mit Fleisch und Wurst ist hier nicht mehr vorprogrammiert. So zeigen in der Erhebung von afz und „Fleischwirtschaft“ für das Jahr 2018 nur noch Globus (24) sowie die bayerischen Edeka-Regionen (Südbayerische Fleischwaren: 26; Franken-Gut: 39) ein deutlich sichtbares Plus. Zusammengefasst stehen die zehn größten Fleisch-Töchter des Lebensmitteleinzelhandels aber immer noch für gut vier Milliarden Euro.

Das vollständige Ranking gibt es sowohl in der afz – allgemeine fleischer zeitung Ausgabe 46/2019 vom 13. November als auch in der „Fleischwirtschaft.“ 12/2019, die am 11. Dezember erscheinen wird.

Das könnte Sie auch interessieren
stats