Salami gehört nicht nur auf die Pizza

Freitag, 18. Juli 2014
Foto: Heyne

Die Südkoreanerin Kim Minjung lernt bei den Meistern deutscher Wurstmacherkunst
Deutsche Ausbildungsstandards suchen weltweit ihresgleichen. So nahm die Koreanerin Kim Minjung ihre Chance wahr, hierzulande das Fleischerhandwerk zu erlernen – einen für ihr Heimatland besonderen Beruf. Mit ihrer Entscheidung zeigt sie, dass neben Praktika auch Ausbildungsangebote gut genutzt werden.

Die junge Frau hatte nach dem Abitur zunächst Interesse an einer musikalischen Ausbildung gezeigt, doch dann dominierte das technische Interesse ebenso wie die Neugierde auf deutsche Fleischprodukte. So führte sie ihr Weg an die Spree nach Berlin und den Main nach Frankfurt.

Von langer Hand geplant

In der Bundeshauptstadt legte die 1988 in Seoul geborene Koreanerin zunächst die Basis für ihre Karriere mit einem zweijährigen Deutsch-Unterricht. Dann recherchierte sie im Internet nach einem Ausbildungsbetrieb im Fleischerhandwerk. Fündig wurde sie bei Meister Michael Kluge, wo sie 2009 die Lehre begann. Obwohl als Fleischerin ausgebildet, fand sie anschließend ihren Arbeitsplatz im Verkauf. Nach zwei Jahren fühlte sich Kim fit für den nächsten Ausbildungsschritt und nahm Anfang 2014 den Meisterkurs an der Frankfurter Fleischer-Fachschule J. A. Heyne auf.

Fit fühlte sie sich schon im Ausbildungsbetrieb beim Zerlegen von Rind und Schwein, und sie entwickelte eine Vorliebe für die Zubereitung von küchenfertigen Convenience-Produkten – Rollbraten ebenso wie gefüllte Taschen oder Spieße für die Grillsaison. In der Frankfurter Meisterschule kamen nach und nach viele weitere Zubereitungsmöglichkeiten hinzu, namentlich Füllungen mit dem Einsatz von Frischkäse. Wichtig war für sie darüber hinaus die Erfahrung bei der Herstellung von Blut- und Leberwurst sowie anderer Kochwürste aber auch dem breiten Spektrum der Salami-Spezialitäten.

Am meisten gefordert war sie aber in der Vorbereitung zur Meisterprüfung, die sie im März mit Erfolg absolvierte, mit den theoretischen Inhalten von der Kalkulation bis zu Handwerks-, Sozial- und Lebensmittelrecht. Die Vorgaben der Lebensmittelkennzeichnung erlebte sie ebenfalls als besondere Herausforderung. Auch wenn die Paragrafen und Verordnungen in ihrer südkoreanischen Heimat anders formuliert sein dürften, sind die rechtlichen Bedingungen aber vergleichbar mit den deutschen, da ist sie sich sicher.

Deutsche Ware erobert Südkorea

Umsetzen will Kim ihre in der Bundesrepublik erworbenen Kenntnisse auf jeden Fall in ihrer Heimat. Zunächst will sie in Berlin weiterarbeiten bevor sie im Herbst die Heimreise antritt. Kim weiß, dass die Metzgereien in Korea neben Fleisch von Rind, Schwein und Geflügel künftig auch Wurst anbieten sollen. Zunächst sondiert sie eine mögliche Position in einem Industriebetrieb, um dort nicht nur Praxis in der Führung zu erwerben, sondern auch ihre Erfahrungen aus Deutschland einzubringen.

Nach zehn Jahren, schätzt sie, könnte der Zeitpunkt für den Start in die Selbständigkeit gekommen sein. Sie könnte den Speisezettel ihrer Landsleute nachhaltig bereichern, denn selbst in der Hauptstadt kennt man kaum mehr als Brühwürstchen. Zum Nationalgericht Reis etwa werden sie gebraten und mit Ketchup serviert. Sonst gibt es allenfalls Salami auf der Pizza. „Die ist viel zu salzig“, findet Fleischermeisterin Kim Minjung und glaubt, dass sie ihre Landsleute selbst auf den ungewohnten Geschmack von Blut- und Leberwurst bringen könnte. Man müsste sie nur mit etwas mehr Chili oder Peperoni dem vorherrschenden Geschmack angleichen.

Zum Meistertitel gratulierte ihr auch ihre Präsidentin Park Geun-Hye, die bei ihrer Deutschland-Visite einen Empfang im Wiesbadener Schloss Biebrich gab. Den Kontakt zu Deutschland will Kim auch nach der Heimreise nicht abbrechen lassen – die Meisterfeier in der Frankfurter Paulskirche im Januar 2015 hat sie schon fest eingeplant.
Das könnte Sie auch interessieren
stats