Schlachtvieh- und Fleischmärkte Schweine so teuer wie zuletzt 2001

Donnerstag, 28. November 2019
Zerlegung von Schweinefleisch. Verarbeitungsware wird aktuell knapp.
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Zerlegung von Schweinefleisch. Verarbeitungsware wird aktuell knapp.

Die große chinesische Nachfrage treibt in Deutschland die Notierung für Schlachtschweine weiter in die Höhe. Für die Fleischverarbeiter wird die Luft immer dünner.
Schlachtschweine bleiben in Europa gefragt und vor allem gut bezahlt. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaft für Vieh und Fleisch (VEZG) hob ihren Preisvorschlag am gestrigen Mittwoch für die Marktwoche vom 28. November bis 4. Dezember um fünf Cent auf zwei Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) an. Das sind 47 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bereits am Dienstag hatte sich bei der Internetauktion der ISB die feste Tendenz auf dem deutschen Markt gezeigt. Dort wurden im Durchschnitt sogar 2,07 Euro je Kilo SG erzielt.

Hauspreise sind aktuell kein Thema

Während in der Vergangenheit bei Preisanhebungen der VEZG die Mäster am Donnerstag bangten, ob die großen Schlachtunternehmen die Forderung erfüllen, sind „Hauspreise“ derzeit kein Thema. Angesichts der lebhaften Exportnachfrage, der hohen Preise auf dem chinesischen Markt und des knappen Lebendangebots in Deutschland sind die Schlachthöfe froh, überhaupt genug Schweine an den Haken zu bekommen. Manche Marktbeobachter sehen deshalb die Preisspitze noch nicht erreicht, denn auch im europäischen Ausland wird mit weiteren Aufschlägen gerechnet. Mit den Preisen für Schlachtschweine steigen auch die für Sauen. Die VEZG-Notierung stieg am 27. November um acht Cent auf 1,61 Euro je Kilo SG, das ist im Vergleich zum Jahresanfang ein Anstieg um 61 Prozent.
Die VEZG-Notierung für Sauenfleisch stieg am 27. November um acht Cent auf 1,61 Euro je Kilo SG.
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Die VEZG-Notierung für Sauenfleisch stieg am 27. November um acht Cent auf 1,61 Euro je Kilo SG.
Der Lebendpreis für Schweine an den bayerischen Schlachtvieh- und Fleischmärkten zog ebenfalls spürbar an. Die c-Spitze klettert auf ein neues Hoch. Für den Zeitraum 28. November bis 4. Dezember notiert sie mit 165,80 Euro je 100 Kilogramm Lebendgewicht (LG). Zuvor wurden je 100 Kilo 161,70 Euro aufgerufen.

Stammkunden werden beliefert

Die Preise für Teilstücke auf dem Fleischmarkt ziehen ebenfalls an und stellen die Fleischwarenindustrie vor erhebliche Probleme. Zum Teil fällt es schwer, die benötigten Mengen überhaupt zu disponieren. Verarbeiter mit langjährigen Lieferbeziehungen berichten, dass sie als Stammkunden keine großen Schwierigkeiten haben, die für das Weihnachtsgeschäft benötigten Mengen zu ordern. Andere Unternehmen, die in der Vergangenheit ihre Lieferanten häufig wechselten und ausschließlich preisorientiert einkauften, soll es dagegen wesentlich schwerer fallen, Ware zu erhalten.

Handel ist zu Konditionsgesprächen bereit

Ein großes Problem bleibt, für die Fleischwarenindustrie, die höheren Kosten weiterzureichen. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) zeigte bisher wenig Engagement, die langfristigen Lieferverträge anzupassen. Der jüngste Preissprung bei den Schlachtschweinen von 15 Cent innerhalb von nur drei Wochen hat offenbar zu einem Umdenken bei den Handelskonzernen geführt. Im LEH wächst die Sorge, dass zahlreiche Unternehmen der Fleischwirtschaft die Lage wirtschaftlich nicht überstehen. Deshalb steigt die Bereitschaft, auf die aktuelle Situation zu reagieren und die Konditionen anzupassen, heißt es bei den Fleischverarbeitern. An einer Insolvenzwelle im Fleischsektor habe der Handel wohl kein Interesse, vermutet ein Verkäufer eines niedersächsischen Verarbeitungsunternehmens.

Die Kursentwicklung für Schlachtschweine im grafischen Verlauf finden Sie hier: Weitere Notierungen

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