Schweinehaltung in Uganda

Dienstag, 20. August 2013
Foto: So wird das Schweinefleisch im Pork Joint serviert.

In Uganda bietet die Schweinehaltung für viele Kleinbauern eine Chance auf ein besseres Leben.

(Bild: So wird das Schweinefleisch im Pork Joint serviert.)
Egal, ob auf dem Grill, aus dem Ofen oder der Pfanne: Deutsche lieben Schweinefleisch und sind weltweit beim Verzehr ganz vorn mit dabei. Doch nicht nur hierzulande wird es geschätzt. Auch in Afrika essen Nichtmuslime mittlerweile gern Schwein, besonders in Uganda.

Sucht man mittags oder nach Feierabend in Uganda Zerstreuung, sind die „Pork Joints“, die überall wie Pilze aus dem Boden schießen, sehr beliebt. Dabei handelt es sich um Bars jeglicher Form und Größe, in denen Schweinefleisch kiloweise verzehrt wird – sowohl zum Mitnehmen als auch direkt vor Ort.

Lange Wartezeiten lassen sich vermeiden, indem schon vorher die Anzahl der Kilos durchgegeben werden, die die Gäste verspeisen will. Aber Zeit ist in Afrika ohnehin relativ. So wartet man bei lauter Beschallung mit fröhlicher Musik oder dem Neuesten aus Funk und Fernsehen geduldig auf sein Essen. Einige verkürzen sich die Zeit mit spontanen Tanzeinlagen. Serviert wird das Schwein in einer Sauce, mit Maniok und einem Tomaten-Zwiebel-Gemisch als Beilage. Wer die hiesigen, riesigen Avocados vorzieht, kann sie ruhigen Gewissens mitbringen. Das sehen die Gastronomen nicht so eng, solange das üppige Mahl mit ausreichend Bier des Hauses heruntergespült wird. Pork Joints sind besteckfreie Zone, das Essen mit den Händen ist Pflicht.

Schweinefleisch liegt voll im Trend

In den letzten 30 Jahren ist die ugandische Schweinepopulation stetig gewachsen: Waren früher nur 0,19 Mio. Schweine in dem ostafrikanischen Binnenstaat beheimatet, sind es heute etwa 2,3 Mio. Der Pro-Kopf-Konsum von 3,4 kg im Jahr macht Uganda in Sachen Schweineverzehr zum Spitzenreiter in Afrika südlich der Sahara. Auch wenn dies einem Deutschen wenig erscheint: Im sonst weniger Schweinefleisch-verrückten Afrika und unter Berücksichtigung, dass Uganda ein Entwicklungsland ist, erscheint die Menge nicht mehr so gering.

Sparschwein schnell zu Cash gemacht

Die Aufzucht der Schweine findet freilich unter völlig anderen Bedingungen statt als im reichen Europa. Die wenigsten besitzen mehr als zehn Tiere, die mit Speiseresten und Überbleibseln aus dem Anbau von Nutzpflanzen gefüttert werden. Meistens sind die Schweine an Pflöcke angebunden, seltener werden sie in Verschlägen untergebracht. Denn die kann sich nicht jeder leisten. Die meisten Bauern halten Sauen. Eberbesitzer leihen diese meist innerhalb des Dorfs aus, damit auch bei den anderen für Nachwuchs gesorgt ist. Meist wird für den „Liebesdienst“ mit Ferkeln bezahlt. Überhaupt profitieren die Kleinbauern von ihren wandelnden Sparschweinen, die bei Bedarf „geknackt“ werden können. So steigt der Verkauf besonders in Zeiten, wenn das Schulgeld für die Kinder fällig wird. Schweine können schnell zu Geld gemacht werden, und stellen so eine finanzielle Sicherheit für arme Familien dar.

( Bild: Fleischverkäufer in einem Dorf am Viktoriasee in Uganda. Fotos: eki)

Probleme

So wichtig die Schweinehaltung für die Kleinstbauern in Uganda ist, einige Probleme hemmen die Entwicklung des Sektors. Vor den zahlreichen Krankheiten, besonders vor Wurmbefall und der Afrikanischen Schweinepest sind die Bestände nicht gefeit. Veterinäre decken die abgelegenen Gegenden nur teilweise ab, oft wird ein falsches Medikament verschrieben, damit sich der Weg wenigstens gelohnt hat.

Dies schwächt auch das Vertrauen in die Tierärzte seitens der Landbevölkerung. Oft fehlt ihr das nötige Futter, um die Schweine optimal auszumästen, in Dürrezeiten haben die Bauern schon Probleme, die eigene Familie ausreichend zu ernähren. Auch die hygienischen Bedingungen sind mit den europäischen nicht vergleichbar. Sowohl beim Schlachten als auch bei der Verarbeitung: fließendes Wasser ist Mangelware, genauso wie Kühlschränke oder -truhen. Deswegen wird das Fleisch meist frisch verkauft.

Innerhalb eines Dorfs teilen sich auch die verschiedenen Pork Joints oft ein Schwein, schlachten es gemeinsam und verkaufen es dann. Danach kommt das nächste Schwein dran. Trotzdem sollte man im Pork Joint stets auf gut durchgekochtes Fleisch achten.

Wissenschaftliches Projekt

Im Rahmen eines Forschungsprojekts wird nun von Seiten des International Livestock Research Institutes (ILRI) versucht, die Krankheiten zu identifizieren, von denen ugandische Schweine am häufigsten befallen werden. Außerdem werden die Vermarktungswege, die Fütterung, die tierärztliche Behandlung und viele andere Parameter entlang der Produktionskette beleuchtet.

So soll herausgefunden werden, wo genau Risikoquellen im Rahmen der Verarbeitung entstehen, was bei der Haltung verbessert und wie effektiver an der Vermeidung von Krankheiten gearbeitet werden kann. Die Farmer werden über die Ergebnisse informiert. So erhalten sie die Chance, neue Absatzwege außerhalb der Hinterhof-Märkte zu erschließen, und einen höheren Schlachtpreis zu erzielen. Auch alle anderen Betroffenen entlang der Kette vom Futtermittelverkäufer bis zum Pork-Joint-Besitzer profitieren von dem Projekt .

Mit gesunden und ausgewogen ernährten Schweinen lässt sich mehr Geld verdienen und die Lebensgrundlage verbessern. Dann können die Ugander ihr geliebtes Schweinefleisch noch unbesorgter genießen.
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