Sichere Finanzierung ist die Basis

Samstag, 06. Oktober 2012

afz-Interview mit DFV-Präsident Heinz-Werner Süss über zukunftsorientierte Verbandsarbeit
Im Vorfeld des 122. Deutschen Fleischer-Verbandstags in Koblenz sprach die afz mit DFV-Präsident Heinz-Werner Süss über sein erstes Amtsjahr, die Zusammenarbeit zwischen Bundesverband und den Landesverbänden sowie eine zukunftsorientierte Ausrichtung des berufsständischen Engagements.



Wie haben Sie Ihr neues Ehrenamt in Ihren beruflichen Alltag integriert?


Wenn ich nicht durch ehrenamtliche Aufgaben eingebunden bin, arbeite ich eigentlich ganz normal im Betrieb mit. Durch meine langen Jahre als Ober- und Landesinnungsmeister habe ich gut gelernt, beides aufeinander abzustimmen.


Zu Ihrer ersten Amtshandlung gehörte der Besuch aller Landesinnungsverbände. Mit welchen Anregungen und Aufgaben sind Sie nach Frankfurt zurückgekehrt?


Ich war zunächst beeindruckt, wie gut die Ehrenamtsträger und hauptamtlichen Akteure mit den ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in den verschiedenen Landesverbänden zurechtkommen.

Keine LIV-Organisation gleicht der anderen, aber alle leisten hervorragende Arbeit, die sehr gut auf die Bedürfnisse ihrer Innungen und Betriebe zugeschnitten ist.

Das hat mir aber auch gezeigt, wie schwierig es werden kann, die Strukturen der Handwerksorganisation an sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Dies ist keine leichte Aufgabe, der wir uns aber gemeinsam stellen werden.


Die neu geschaffenen Fachbeiräte und die Mitgliederbefragung geben sicher weitere Impulse für die Ausrichtung der Verbandsarbeit. Wo liegen die größten Herausforderungen einer zukunftsorientierten Verbandsarbeit?


Wir haben mit den Fachbeiräten jetzt eine Sitzungsperiode lang Erfahrungen gesammelt. Ich möchte meinen Präsidiumskollegen, die im Rahmen des Verbandstags ausführlich berichten werden, nicht vorgreifen, darf aber feststellen, dass sich die Fachbeiräte schon jetzt als gemeinsame Arbeitsplattform der Landesinnungsverbände und des Deutschen Fleischer-Verbands bewähren.

Ich bin sehr froh, dass wir dieses Instrument jetzt haben. Die im Rahmen der großen Mitgliederbefragung gewonnenen Erkenntnisse kommen ebenfalls den Fachbeiräten zugute. Sie werden hier für die Sachdiskussionen auf einen großen Fundus von Fakten zugreifen können. Einiges kann man aber natürlich schon jetzt aus den Zahlen herauslesen. Und da zeigt sich durchaus Erfreuliches: Die Bindung unserer Mitglieder an die Organisation ist überdurchschnittlich hoch.

Wir brauchen uns im Vergleich mit anderen Wirtschaftsverbänden nicht zu verstecken. Und damit meine ich uns alle, denn die Mitglieder sehen alle drei Stufen – Innung, Landesverband und Bundesverband – als etwa gleich wichtig an. Wir brauchen also alle, um die Interessen der Mitglieder wirksam zu vertreten.

Und noch etwas hat die Befragung gezeigt: Die Bindung der Mitglieder ist in allen Landesverbänden etwa gleich hoch. Das bestätigt indirekt meinen Eindruck von der Arbeit der Innungen und Landesinnungsverbände, den ich bei meinen Besuchen dort gewinnen konnte. Die Befragung hat offensichtlich gezeigt, dass das die Mitglieder offensichtlich auch so sehen. Darüber freue ich mich sehr.


Das Präsidium hat das Drei-Säulen-Konzept als Basis künftiger Bundesverbandsarbeit definiert. Wo liegen hier die Kernpunkte und welcher Zeitplan begleitet die Umsetzung?


Die problematische Ausgangslage, der wir mit dem Drei-Säulen-Modells begegnen wollen, ist hauptsächlich von zwei Tatsachen bestimmt: Einerseits sind die Anforderungen an eine wirksame Innungs- und Verbandsarbeit in den letzten Jahren stetig angewachsen. Die Erfordernisse werden auch zukünftig hinsichtlich der politischen Interessenvertretung weiter zunehmen.

Außerdem müssen wir weitere Dienstleistungen für die Mitgliedsbetriebe bereitstellen, um deren erfolgreiches Wirtschaften zu sichern. Das geht nur mit einer ausreichenden und sicheren Finanzierung.

Auf der anderen Seite stellt der Rückgang der Mitgliederzahlen aktuell eine große Belastung dar. Der Rückgang hat zur Folge, dass die Beiträge auf immer weniger Schultern verteilt werden müssen. Dennoch ist das Beitragsaufkommen des DFV in der Vergangenheit stetig zurückgegangen, was nur durch harte Einsparungen ausgeglichen werden konnte.

Beides stößt aber an Grenzen, sowohl ungebremste Beitragssteigerungen als auch Kosteneinsparungen. Wir müssen ja die Leistungsfähigkeit erhalten.
Das Drei-Säulen-Modell basiert darauf, dass es nicht ausreichen kann, allein auf eine Maßnahme zu setzen. Wir müssen an mehreren Stellschrauben in die richtige Richtung zu drehen. Genau das tut das vorgestellte Modell.


Wo sehen Sie den Unternehmerverband DFV in zehn Jahren?


Kommt drauf an, was wir draus machen. Ich persönlich bin voller Zuversicht, was die Zukunft des Fleischerhandwerks und die Zukunft unseres Verbands angeht. Es muss uns aber klar sein, dass sich ein erfolgreiches Fleischerhandwerk und ein starker Verband gegenseitig bedingen. Das eine kann es ohne das andere nicht geben, das ist meine feste Überzeugung.

Das heißt: Die Mitgliedsunternehmen können nur dann dauerhaft erfolgreich arbeiten, wenn ein erfolgreicher Verband hinter ihnen steht und Einfluss nimmt. Umgekehrt gilt das aber in gleicher Weise: Ein Verband kann nur dann erfolgreich sein, wenn er die volle Unterstützung seiner Mitglieder hat. Wenn diese Erkenntnis unser Handeln in den nächsten Jahren prägt, dann müssen wir weder um das Fleischerhandwerk noch um den Deutschen Fleischer-Verband Sorge haben.

Das Interview mit DFV-Präsident Heinz-Werner Süss führte
afz-Chefredakteurin Renate Kühlcke.
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