VDF Eberfleisch hat seine Grenzen

Dienstag, 03. Dezember 2019
Der VDF sieht bei der Vermarktung von Eberfleisch Probleme und setzt deshalb auf die Kastration mit Betäubung.
Foto: imago images / Marius Schwarz
Der VDF sieht bei der Vermarktung von Eberfleisch Probleme und setzt deshalb auf die Kastration mit Betäubung.

Bis zum Ende der betäubungslosen Kastration bleibt noch ein Jahr. Der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) warnt vor dem begrenzten Markt für Eberfleisch.

Ein ausführlicher Beitrag zum Thema Eberimpfung im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sorgt in der Fleischbranche für Diskussionen. Der sich über vier Seiten erstreckende Bericht befasst sich mit dem Thema Ferkelkastration und stellt die Immuno-Kastration als das von Tierärzten und Tierschützern bevorzugte Verfahren in den Mittelpunkt. Die Fleischbranche - zu Wort kommt unter anderem Vizepräsident Konrad Ammon vom Deutschen Fleischer-Verband (DFV) – wird darin als Bremserin bei einem kompletten Ausstieg aus der chirurgischen Kastration dargestellt.

Grundsätzliche Akzeptanz für alle Methoden

Wohl auch als Reaktion auf den Spiegel-Artikel macht der VDF in einer Mitteilung noch einmal seine Position deutlich. Die Fleischwirtschaft unterstützte die Zulassung von Isofluran zur Ferkelkastration durch den Landwirt mit Sachkundenachweis. Der VDF verweist darauf, dass „die Marktrealität beim Übergang auf das Verbot der betäubungslosen Kastration ab 2021 nicht außer Acht gelassen werden kann“. Nur mit der Zulassung von Betäubungsverfahren, die von Landwirten angewendet werden dürfen, werde sichergestellt, dass der Markt auch ab 2021 weiter problemlos mit Schweinefleisch aus Deutschland bedient werden könne.
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Der VDF betont zwar, dass die Fleischwirtschaft alle Methoden, also Ebermast, Immunokastration durch Improvac und Betäubung mit Isofluran, akzeptiere. Daneben müssten aber  die eingeschränkten Absatzmöglichkeiten für Eberfleisch berücksichtigt werden.

Schlachtunternehmen planen Schulungen für Landwirte

„Wir hoffen, dass die Zertifizierung der Betäubungsgeräte noch in diesem Jahr erfolgt, damit die Geräte ab Jahresbeginn 2020 geordert werden können“, heißt von Seiten des Verbands. Einige Schlachtbetriebe planten bereits, solche Geräte zu kaufen und kostenfreie Schulungen für ihre landwirtschaftlichen Llieferanten durchzuführen. „Es wird höchste Zeit, damit die Landwirte sich rechtzeitig vor dem Stichtag 31.12.2020 mit dem neuen Verfahren vertraut machen können“, mahnt der VDF.

Viele Kunden lehnen Eberfleisch ab

Erfahrungen der Schlachtunternehmen zeigten, dass viele nationale und internationale Kunden das Fleisch von Ebern aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften ablehnen. Das gelte auch für das der Improvac-Tiere. Mit Eberfleisch würden sich keine Traditionsprodukte wie Rohschinken und Rohwurst herstellen lassen. Auch traditionelle Absatzmärkte in Nachbarländern könnten nicht mit Eberfleisch bedient werden, so der VDF. Über die EU-Grenzen hinaus seien die Absatzmöglichkeiten „ebenfalls sehr begrenzt“. Der Verband verweist darauf, dass gerade produktionsstarke Länder wie Dänemark nicht auf Immunokastration und Ebermast, sondern auf die Lokalanästhesie und andere Betäubungsverfahren bei der Ferkelkastration setzen.

Geringere Erlöse für Eber wahrscheinlich

An Landwirte, die sich für die Ebermast und die Immuno-Kastration entscheiden sendet der Verband eine deutliche Warnung. Wer sich dafür entscheide, „der muss sich darüber im Klaren sein, dass seine Vermarktungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, was sich sehr wahrscheinlich auch auf Dauer im Erlös widerspiegeln wird.“

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Beim VDF erwartet man, dass die Kastration in den kommenden Jahren vorherrschend bleibt, um die Funktionsfähigkeit des deutschen Schweinefleischmarktes aufrecht zu erhalten. Hierzu sei die Zulassung mehrerer Betäubungsalternativen einschließlich der Lokalanästhesie – der so genannte vierte Weg - erforderlich. Andernfalls sei zu erwarten, dass insbesondere die kleineren Ferkelerzeuger aufgeben und die Ferkelerzeugung in angrenzende EU-Staaten abwandert, wo es bisher kein Verbot gibt und andere Betäubungsverfahren zugelassen sind. Sehr wahrscheinlich werde auch mehr Schweinefleisch aus anderen EU-Ländern bezogen, wenn es in Deutschland bei einem einzigen zugelassenen Betäubungsverfahren bleiben sollte.

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