Bord Bia: Das Gute von der „grünen Insel“
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Das Gute von der „grünen Insel“

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An mindestens 220 Tagen im Jahr auf der Weide: Irische Rinder, gemästet nach den Vorgaben des Grass Fed Standards.
An mindestens 220 Tagen im Jahr auf der Weide: Irische Rinder, gemästet nach den Vorgaben des Grass Fed Standards.

DÜSSELDORF Fleisch und Milchprodukte gehören zu den wichtigsten Exportartikeln Irlands. Bei deutschen Verbrauchern genießt die Lebensmittelproduktion auf der „grünen Insel“ aufgrund ihrer Naturnähe und Nachhaltigkeit ein hohes Ansehen.

Der deutsche Markt birgt für die Iren ein nach wie vor großes Potenzial. Die afz - allgemeine fleischer zeitung sprach mit Hannah Barkhoff, die bei Bord Bia unter anderem die IrishBeef.de- und IrishLamb.de-Kampagnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz leitet, über Exportentwicklung, Marketingkampagnen und die Vorzüge irischen Fleischs.

Corona und Brexit: Die vergangenen Jahre waren für die europäische Wirtschaft eine kräftezehrende Herausforderung. Wie ist Ihr Fazit?

Hannah Barkhoff: Es steht außer Frage, dass sowohl Covid-19 als auch der Brexit extreme Herausforderungen für die europäische Wirtschaft mit sich gebracht haben und weiterhin bringen werden. Ich denke, jetzt ein konkretes Fazit zu ziehen, wäre nur eine Momentaufnahme. Die Lage, Regelungen und Herausforderungen, aber auch Chancen, verändern sich täglich. Was wir aber über das letzte Jahr und noch darüber hinaus, wenn man an die Brexit-Verhandlungen zurückdenkt sehen, ist: Der irische Markt – Bord Bia und unsere irischen Produzenten – stellen sich den Herausforderungen.

In Bezug auf den Brexit verändern sich die Handelsbeziehungen mit Großbritannien für deren Handelspartner, und Kostenstrukturen erhöhen sich aufgrund von Einfuhrzöllen. Beides sind eindeutige Herausforderungen für Irland – für das Großbritannien einer der wichtigsten Exportmärkte ist. Die Herausforderung bringt aber auch Chancen mit sich. Aus Angst vor Lieferengpässen, veränderten Einfuhrbedingungen und erhöhten Einfuhrzöllen wird nach Alternativen gesucht für Produkte, die bisher aus dem Vereinigten Königreich bezogen wurden. Es wird mehr und mehr auf Irland geschaut.

Ein Fazit ziehe ich als Leitung der Bereiche Rind und Lamm im deutschen Markt aber gern: Mit den jetzigen Herausforderungen und im Brexit-Kontext erhöht sich der Stellenwert Deutschlands noch einmal deutlich. Mit mehr als 80 Mio. Einwohnern und langjährigen Handelsbeziehungen zu Irland verstärkt sich Deutschlands Position als äußerst wichtiger Markt mit weiterhin großem Potenzial. Irland und Deutschland sind EU-Nachbarn mit historisch engen bilateralen Beziehungen, im kategorieübergreifenden Export ist das Wachstum dauerhaft und stabil, und in Deutschland wächst die Nachfrage nach nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Produkten stetig.

Wie haben sich Fleisch- und Mopro-Exporte in dieser Zeit entwickelt?

Barkhoff: Fleisch- und Molkereiprodukte gehören zu Irlands wichtigsten Exportkategorien nach Deutschland. Die bedeutsame Beziehung zwischen Irland und Deutschland sieht man auch in den stetig wachsenden Exportzahlen in den letzten Jahren. Seit 2016 sind Irlands Rindfleischexporte nach Deutschland stetig um acht Prozent auf 133 Mio. Euro gestiegen, im Volumen sogar um 27 Prozent. Der Export von Lammfleisch in die Bundesrepublik legte von 2016 bis 2020 sogar von 29 auf 49 Mio. Euro zu – ein Wachstum um 49 Prozent. Bei Molkereiprodukten kletterten die Ausfuhren im gleichen Zeitraum um 53 Prozent auf 144 Mio. Euro. Trotz Corona und ökonomischer Unsicherheiten verzeichnet der deutsche Markt also weiter positive Entwicklungen. Dass die Nachfrage nach nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Lebensmitteln nach wie vor steigt, unterstreicht eine aktuelle Studie von Bord Bia: Sie belegt, dass 32 Prozent aller deutschen Konsumenten, die weniger Rindfleisch essen möchten dies tun, um weniger, aber dafür qualitativ hochwertigeres Rindfleisch zu kaufen – ein Zuwachs um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die idealen klimatischen Bedingungen wirken sich auch auf die Qualität von Lammfleisch aus.
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Die idealen klimatischen Bedingungen wirken sich auch auf die Qualität von Lammfleisch aus.
Haben Sie Ihre Marketingaktivitäten verstärkt?

Barkhoff: Bord Bia ist seit vielen Jahren und auch 2021 mit den IrishBeef.de- und IrishLamb.de-Kampagnen im deutschen Markt aktiv, um Konsumenten und Handel die Besonderheiten von irischem Rind- und Lammfleisch nahezubringen. Nach der Studie „Bord Bia European Beef Research“ von 2020 möchten 76 Prozent der Deutschen mehr darüber erfahren, unter welchen Bedingungen das Rindfleisch produziert wurde, das sie einkaufen. Diese Nachfrage kann Rindfleisch aus Irland gut bedienen. Mit unseren Marketingaktivitäten unterstützen wir die irischen Produzenten im deutschen Markt, um auf die Merkmale von Irish Beef aufmerksam zu machen, und machen gleichzeitig Appetit auf das Gute von der grünen Insel.

Mit Anzeigen und Berichten in gezielten B2B- und B2C-Print- und Onlinemedien, Social Media Kooperationen wie @IrishBeefde, Gewinnspielen, In-store-Aktivitäten im und um den Handel und Events mit den Bord Bia-Chefs und Irish Beef Club-Köchen wie Cornelia Poletto, Wolfgang Becker, Thomas Kammeier und Marco Müller möchten wir den deutschen Konsumenten die grüne Insel als nachhaltige Ergänzung zu lokalen deutschen Fleischerzeugnissen nahebringen. Im Juni wurde die neue IrishBeef.de-Webseite gelauncht – mit Rezepten und Informationen über die Vorzüge von irischem Rindfleisch. Ein Relaunch der IrishLamb.de-Webseite folgt in Kürze. Auch im Bereich Lammfleisch und vor allem während der Hochsaison ist unsere IrishLamb.de-Kampagne im Handel am Point of Sale präsent.

Mit ihrem Grass Fed Standard unterstreichen die irischen Viehzüchter ihre nachhaltige Produktion. Welches sind die Vorzüge?

Barkhoff: Grundsätzlich verfügt die irische Landwirtschaft über eine Jahrtausende lange Tradition mit kleinen Farmen in Familienbesitz und kleinen Herden von im Durchschnitt 80 Rindern. Aufgrund des moderaten Klimas und den üppigen grünen Weiden verbringen die Tiere im Schnitt mindestens 220 Tage draußen. In den kälteren Monaten werden sie in Ställen artgerecht untergebracht – Massentierhaltung sucht man in Irland vergebens.

Grass-Fed oder Weidehaltung ist aufgrund seiner Assoziation zu natürlichen, gesunden und qualitativ hochwertigen Produkten in jüngster Zeit immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Marktforschungsergebnisse von Ernst & Young (EY) zeigen, dass 50 Prozent der Konsumenten weltweit Rindfleisch aus Weidehaltung bevorzugen. Nahezu zwei Drittel der Verbraucher würden für Rindfleisch aus Weidehaltung mehr Geld ausgeben, da es mit Natürlichkeit, Gesundheit und hochwertiger Qualität verbunden wird. Als Antwort auf die wachsende Nachfrage hat Irland diesen transparenten Verifizierungsprozess entwickelt.

Grass Fed Beef, wie dieses Sirloin-Steak, weist mehrere positive ernährungsphysiologische Eigenschaften auf: Es ist proteinreich, enthält weniger Fettgehalt, dafür reichlich Vitamin E, Betacarotin und Kalzium.
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Grass Fed Beef, wie dieses Sirloin-Steak, weist mehrere positive ernährungsphysiologische Eigenschaften auf: Es ist proteinreich, enthält weniger Fettgehalt, dafür reichlich Vitamin E, Betacarotin und Kalzium.
Der Grass-Fed Standard untermauert den existierenden SBLAS-Qualitätsstandard, der ebenfalls national verifiziert ist und unabhängig auditiert wird. Gemäß dem Bord Bia Grass-Fed Standard muss das Futter eines jeden Tieres während der gesamten Lebenszeit zu mindestens 90 Prozent aus Gras oder Heu bestehen. Überdies müssen die Tiere im Schnitt mindestens 220 Tage pro Jahr auf der Weide verbringen. Diese Zeitdauer liegt in Gebieten Irlands mit entsprechendem Klima sogar bei mehr als 300 Tagen. Irische Rinder erhalten so eine zu 95 Prozent grasbasierte Fütterung. Andere Komponenten dürfen bis zu einem maximalen Anteil von zehn Prozent und nur zugefüttert werden, wenn es nötig ist – etwa bei der Entwöhnung, im Winter oder bei extremen Wetterbedingungen.

Wie wirkt sich der Grass Fed Standard auf die Fleischqualität aus?

Barkhoff: Die grasbasierte Fütterung, die Weidehaltung und eine traditionelle Viehzucht sind die Grundlage für Rindfleisch mit einer zarten Textur und immens intensivem Geschmack. Wir ordnen die Vorzüge und positiven Eigenschaften von Grass-Fed Beef in drei Kategorien ein: „Human Health” – „Gesundheit und Wohl des Menschen”, „Animal Health” – „Gesundheit und Wohl der Tiere” sowie „Planet Heath” – „Gesundheit und Wohl des Planeten”. Die grasbasierte Fütterung hat einen positiven Effekt auf das Fleisch: Durch das im saftigen Weidegras natürlicherweise enthaltene Carotin besitzt das Fett irischer Rinder einen appetitlichen cremefarbenen bis leicht gelblichen Ton.

Studien von Teagasc aus dem Jahr 2020, verantwortlich für die Forschung, Ausbildung und Entwicklung im Bereich Landwirtschaft in Irland, belegen, dass Grass Fed Beef positive ernährungsphysiologische Vorteile besitzt: Es ist von Natur aus proteinreich, hat einen um 43 Prozent geringeren Gesamtfettgehalt, dafür einen um 288 Prozent höheren Vitamin-E-, einen um 54 Prozent höheren Betacarotin- und einen um 30 Prozent höheren Kalziumgehalt. Zudem sorgt das Gras für ein besonders ausgewogenes Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, einen hohen Anteil von CLA, also mittelkettigen Linolsäuren, die unter anderem den Stoffwechsel auf Trab bringen sowie ein vorbildliches Aminosäurenprofil.

Wie unterstützt Bord Bia die deutschen Metzgereien und den LEH?

Barkhoff: Speziell im Bereich der Weiterbildung und Unterstützung von Verkaufskräften an den Bedientheken sind wir mit Irish Beef sehr engagiert. Seit 2020 sponsern wir in der Kategorie „Warenkunde Rindfleisch“ E-Learning-Kurse für den Lebensmitteleinzelhandel und für Handelsportale. Des Weiteren unterstützen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbiter im Handel, an den Fleischtheken und in den Fleischer-Fachgeschäften durch Hintergrundinformationen und Weiterbildungsmaterialien zum Thema Rindfleisch. Auch Workshops und Seminare rund um Irish Beef und Irish Lamb bieten wir an. Webinare, ein reger Austausch mit den Fleischer-Fachgeschäften und deren Mitarbeitern sowie Unterstützung am Point of Sale, Infomaterialien für die Theken, Webseiten und Geschäfte gehören auch zu unserem Support – das alles ist kostenfrei.

Hannah Barkhoff leitet seit 2019 die DACH-weiten IrishBeef.de- und IrishLamb.de-Kampagnen.
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Hannah Barkhoff leitet seit 2019 die DACH-weiten IrishBeef.de- und IrishLamb.de-Kampagnen.

Zur Person

Hannah Barkhoff leitet seit 2019 die IrishBeef.de- und IrishLamb.de-Kampagnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) für das Irish Food Board – Bord Bia. Sie ist verantwortlich für die Bereiche irisches Rindfleisch und Lammfleisch auf B2B- und B2C-Ebene. Die Deutsch-Schweizerin ist in Dublin aufgewachsen und bringt viel Erfahrung aus der internationalen Food & Beverage-Industrie mit. Bord Bia ist die halbstaatliche Handelsagentur Irlands und fördert den Absatz irischer Lebensmittel und landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 30/2021

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