Corona-Effekte: Konsumstau wird Wachstumstrei...
Corona-Effekte

Konsumstau wird Wachstumstreiber

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Die Umsätze im Fleischerhandwerk haben sich seit Mai 2020 leicht verbessert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Fleischer-Verbands.
Die Umsätze im Fleischerhandwerk haben sich seit Mai 2020 leicht verbessert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Fleischer-Verbands.

FRANKFURT Metzger und Analysten der Deutschen Bank sind verhalten optimistisch, dass die Konjunktur sich bald erholt und die Deutschen wieder mehr konsumieren.

Das Fleischerhandwerk ist systemrelevant – und auch in der Krise stabil: Insgesamt haben sich die Umsätze seit Mai 2020 leicht verbessert, zeigt die Befragung des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV) im Februar dieses Jahres. Grundsätzlich sind – wenig überraschend – vor allem die Geschäftsfelder Partyservice und Catering (-65 Prozent) sowie Lieferungen an Großverbraucher (-25 Prozent) von deutlichen Umsatzrückgängen betroffen.

Erfreuliches Thekengeschäft

"Allerdings geben einige Betriebe an, dass es im Verlauf des Jahres zu spürbaren Besserungen gekommen ist", heißt es vom DFV. "Vielfach wurden kreative Wege gefunden, um die negative Entwicklung aufzuhalten oder sogar umzukehren." Besonders das Thekengeschäft hat sich demnach bei den meisten der befragten Unternehmen sehr erfreulich entwickelt, die befragten 271 Innungsmitglieder des Fleischerhandwerks geben sogar an, hier nun noch besser dazustehen als im ersten Lockdown. Über alle befragten Betriebe hat sich der Thekenumsatz 2020 um rund 22 Prozent verbessert. Die Umsätze im Onlinehandel sind bei den befragten Unternehmen mit zwei Prozent allerdings deutlich weniger gewachsen, als so manche Meldung vermuten lassen würde.

Und so sind die Metzger verhalten optimistisch, was die Zukunft angeht: Gut 40 Prozent der befragten Unternehmen des Fleischerhandwerks gehen davon aus, dass die Geschäfte in diesem Jahr in etwas so laufen wie 2020. Knapp ein Viertel vermutet eine leichte Verschlechterung der Geschäfte, knapp 20 Prozent eine leichte Verbesserung. Rund fünf Prozent gehen davon aus, dass die Geschäfte viel besser laufen werden und acht Prozent befürchten deutlich schlechtere Geschäfte.

Auch die Analysten der Deutschen Bank sind ein bisschen optimistisch und prognostizieren, dass der Abbau des Konsumstaus im Sommer zum Wachstumstreiber wird. "Die coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Deutschland haben auch im Winterhalbjahr 2020/2021 die Konsummöglichkeiten der privaten Haushalte spürbar eingeschränkt", heißt es im aktuellen Deutschland-Monitor. "Die Auflösung des damit verbundenen Konsumstaus wird entscheidend für die konjunkturelle Erholung sein."Trotz substanziellem Schub für die konjunkturelle Erholung sei aber nicht zu erwarten, dass der ausgefallene Konsum vollends nachgeholt werde. "Dagegen spricht, dass insbesondere die Inanspruchnahme von personenbezogenen Dienstleistungen wie Friseur, Restaurantbesuche und Ferienreisen meist eine zeitliche Komponente enthalte, die einer überdurchschnittlich häufigen Nachfrage entgegensteht", heißt es im Monitor.

Ersparnisse ungleich verteilt

"Zudem dürfte die zusätzliche Ersparnisbildung ungleich verteilt sein und insbesondere bei einkommensstarken Haushalten stattgefunden haben, deren Sparneigung vergleichsweise hoch oder deren Konsumneigung niedrig ist." Viele langlebige Konsumgüter, wie Möbel, Unterhaltungselektronik oder Homeoffice-Ausstattung dürften bereits während des Lockdowns im Frühjahr 2020 erneuert oder neu angeschafft worden sein.

Lockerungen im zweiten Quartal

"Wenn die Pandemie eine Lockerung der Restriktionen ab dem zweiten Quartal zulässt, könnten in einem konservativen Szenario etwa 30 Prozent der zusätzlichen Ersparnisse in Höhe von 50 Mrd. Euro im Jahr 2021 wieder in den privaten Konsum fließen, während fast 70 Prozent in Einlagen oder Vermögenswerten verbleiben", so die Analysten. "In unserem optimistischen Szenario, in dem 40 Prozent (65 Mrd. Euro) der zusätzlichen Ersparnisse bereits 2021 zurückfließen, würde unsere Prognose für den privaten Konsum um gut ein Prozentpunkt angehoben."Aus heutiger Sicht seien die Erwartungen drohender Arbeitslosigkeit während und nach dem ersten Lockdown zu pessimistisch gewesen, das entsprechende Sparmotiv könnte sich derzeit ebenfalls als übertrieben erweisen, so die Deutsche Bank.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 11/2021
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