Digital Talk „Future MeatTec“: Aus Erfahrung ...
Digital Talk „Future MeatTec“

Aus Erfahrung klug

Screenshot: www.crowdcast.io
Warfen einen Blick in die Zukunft der Fleischverarbeitung: Renate Kühlcke, Dr. Wolfgang Kühnl, Michael Przytulla und Dr. Nino Terjung (im Uhrzeigersinn).
Warfen einen Blick in die Zukunft der Fleischverarbeitung: Renate Kühlcke, Dr. Wolfgang Kühnl, Michael Przytulla und Dr. Nino Terjung (im Uhrzeigersinn).

FRANKFURT Die Fleischverarbeitung hat eine jahrhundertelange Tradition. Nun ist es an der Zeit aus dem Wissen, Prognosen abzuleiten und mittels neuer Technologien Prozesse clever zu planen. Der Digital Talk „Future MeatTec“ von afz - allgemeine fleischer zeitung und „Fleischwirtschaft“.

Wie sieht die Fleischverarbeitung der Zukunft aus? Werden Würstchen bald vollautomatisch produziert: vorne Fleisch rein, hinten SB-verpackte Wurst raus? So schnell wird dieses Zukunftsszenario keine Realität werden. Das zeigte der Digital Talk „Future Meat Tech“ der dfv Mediengruppe Anfang dieser Woche. Neue Technologien wie das Ohm’sche Erhitzen und die sich rasant entwickelnde künstliche Intelligenz (KI) bieten den Unternehmen jedoch spannende Ansätze zur Effizienzsteigerung und Ressourcenschonung. Chefredakteurin Renate Kühlcke von der „Fleischwirtschaft“ moderierte die digitale Gesprächsrunde live aus dem Studio der dfv Mediengruppe in Frankfurt am Main.

Ein wesentlicher Unterschied bei der Verarbeitung von Fleisch im Vergleich zu anderen Industrien bestehe darin, dass man es mit einem natürlichen Rohstoff zu tun hat, der jedes Mal andere Parameter aufweise. Bei der Produktion von Fleischwaren sei es eine zentrale Herausforderung, diese Variabilität des Rohstoffs auszugleichen und das „neue“ Produkt zu egalisieren. Hier kann Technologie helfen: mit der elektronischen Nase beispielsweise, die Hinweise auf die Rohstoffbeschaffenheit gibt oder auf die Produktqualität. Das wünschte sich Dr. Wolfgang Kühnl von The Family Butchers (TFB). Dann würde die Maschine selbst erkennen, wenn ein Produkt nicht in Ordnung ist. „Da sind wir noch nicht weit genug“, konstatierte der geschäftsführende Gesellschafter des zweitgrößten deutschen Wurstproduzenten. Eine Maschinengeneration, die die Variabilität des Rohstoffs erkennt, könnte die folgenden Prozesse entsprechend anpassen. Um solche adaptiven Maschinen zu entwickeln, gebe es zwar erste Ansätze, die Entwicklung brauche aber noch Zeit, schränkte Kühnl die Hoffnungen ein.
Dr. Nino Terjung vom DIL in Quakenbrück zählt das Ohm’sche Erhitzen – also das Erhitzen durch Strom - zu den spannendsten neuen Technologien für die Fleischwirtschaft. Große Mengen Fleischwaren innerhalb von wenigen Minuten oder gar Sekunden zu erhitzen, bringe enorme Effizienzsteigerungen bei gleichzeitiger Energieeinsparung. Allerdings müsse beim Einsatz von neuen Technologien in der Produktion immer der gesamte Prozess betrachtet werden, zum Beispiel: Wie kühle ich die Produkte dann wieder herunter? Terjung: „Es ist nicht möglich, nur einen Teil der Prozesskette zu ändern.“ Die Marktreife des Ohm’schen Erhitzens taxierte der Leiter des DIL-Geschäftsbereichs „Produktinnovation und Fleischforschung“ auf zwei bis drei Jahre, „je nachdem wie mutig die Unternehmen sind“.

Einen Einblick in die Forschungsfelder der Maschinenbauer gab Michael Przytulla vom Verband VDMA. Man arbeite beispielsweise an der Predictive Maintenance, der vorausschauenden Instandhaltung. Dabei wird der Zustand von in Betrieb befindlichen Geräten bestimmt, um vorauszusagen, wann eine Wartung durchgeführt werden sollte. „Allerdings sind wir noch nicht soweit vorherzusagen, wann eine Maschine ausfallen wird“, verdeutlichte Przytulla.
Technischer Knackpunkt in der Praxis ist heute oft noch die mangelnde Kommunikation der Maschinen untereinander in einer Linie. „Das ist leider immer noch ein Gestöpsel“, monierte Kühnl. Und jeder Hersteller lasse sich seine Schnittstellen gut bezahlen. Dem pflichtete der VDMA-Experte bei: „Wir haben noch keine Maschine-Maschine-Kommunikation.“ Wenngleich das Plug and Work ein wichtiges Forschungsziel sei.

Verbunden mit den Technologien der Zukunft erhofft sich Dr. Kühnl Fortschritte auch bei der Ressourceneinsparung, vor allem bei Energie: „Da hat unsere Branche noch viel Potenzial.“

Quelle: fleischwirtschaft.de
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