Fachkräftesicherung: Corona verschärft Azubi-...
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Fachkräfte und Azubis werden in fleischerhandwerklichen Betrieben dringend gesucht. 60 der 2020 neu eingestellten neuen Azubis werden künftig als Fleischerin, 466 als Fachverkäufer arbeiten.
Fachkräfte und Azubis werden in fleischerhandwerklichen Betrieben dringend gesucht. 60 der 2020 neu eingestellten neuen Azubis werden künftig als Fleischerin, 466 als Fachverkäufer arbeiten.

FRANKFURT Nicht nur den Fleischern fehlt der Nachwuchs. Ausbildungszahlen erreichen Tiefstand.

von Klaus Hühne, DFV

Die Corona-Pandemie hat den Lehrlingsmangel zusätzlich verschärft. Die Lockdown-Maßnahmen an Schulen und in Geschäften haben Schäden auf dem Ausbildungsmarkt hinterlassen. Sie haben Betriebe und Jugendliche hinsichtlich ihrer Zukunftsaussichten verunsichert und die ohnehin schwerer werdende Zusammenführung von Ausbildungsstellen und -interessenten aufgrund ausgefallener Berufsorientierung und Praktika zusätzlich belastet.

Das Lehrstellenangebot sank laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Ausbildungsjahr 2019/2020 um 50.700 Plätze auf 527.400 und die Zahl junger Menschen, die eine Ausbildungsstelle nachfragten, verringerte sich um 53.000 auf 545.700. Zum Stichtag 30. September 2020 waren 59.900 oder 11,7 Prozent der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote immer noch nicht besetzt, das waren 6.800 mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig befanden sich von denjenigen jungen Menschen, die Ausbildungsplätze nachfragten, 78.200 weiterhin auf der Suche. Das waren 4.500 mehr als zuvor.

Die zunehmenden Schwierigkeiten, Angebot und Nachfrage zusammenzuführen, werden auch an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen deutlich. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge fiel um elf Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor. Mit 467.500 lag sie in Deutschland erstmals unter einer halben Million. Im Nachvermittlungszeitraum von Oktober bis Dezember 2020 sind die gemeldeten Ausbildungsstellen, wie auch die Zahl der gemeldeten Bewerber, nochmals deutlich zurückgegangen. Anfang 2021 kamen rechnerisch 1,37 Ausbildungsstellen auf je einen Bewerber.

Weniger Azubis im Handwerk

Im Handwerk sind 2020 insgesamt 130.127 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden, das waren 8.600 weniger als im Vorjahr. Der Lehrlingsbestand verringerte sich dadurch um 5.727 auf 363.393, was mit Blick auf die künftige Fachkräftesicherung keinesfalls als zufriedenstellend angesehen werden kann.

Der demografisch bedingte, anhaltende Bewerbermangel um Ausbildungsstellen, die weitere Fokussierung auf Trendberufe und vor allem die Verunsicherung über die betriebliche und berufliche Zukunft durch die Pandemie haben 2020 zu einem weiteren Rückgang der Ausbildungszahlen im Fleischerhandwerk geführt. Die erneute Verringerung des Lehrlingsbestands bei den Fleischern und Fleischerinnen sowie den Fachverkäuferinnen und Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk mit Schwerpunkt Fleischerei hatte sich durch gesunkene Abschlüsse neuer Ausbildungsverträge in den Vorjahren bereits angekündigt und durch den weiteren Rückgang von Neuabschüssen im letzten Jahr verstärkt.

Insgesamt befanden sich im letzten Jahr 5.612 junge Menschen zur Berufsausbildung in einem fleischerhandwerklichen Betrieb, zuvor waren es noch 5.885 gewesen. Der insgesamt zu verzeichnende Rückgang konzentrierte sich auf beide Ausbildungsberufe gleichermaßen, nachdem zuvor vor allem der Verkaufsbereich betroffen war. Neben dem allgemeinen Szenario spiegelt die jüngste Entwicklung auch die extreme Konkurrenz mit dem Lebensmitteleinzelhandel auf dem Ausbildungsmarkt um junge Nachwuchskräfte – vor allem im Verkauf – wider. Ein weiteres leichtes Absinken des Lehrlingsbestands im Fleischerhandwerk ist 2021 aufgrund gesunkener Neuabschlüsse in den beiden Vorjahren und die erschwerte Vermittlung durch Corona wahrscheinlich.

2.681 Fleischer-Azubis

Bei den Metzger-Azubis führte der wieder etwas stärkere Rückgang an neuen Ausbildungsverträgen 2020 zu einem weiteren Absinken des Bestands um 153 oder minus 5,4 Prozent. Die Bestandsabnahme bewegte sich damit weitgehend im vorherigen Umfang und geht vor allem auf das vergleichsweise stärkere dritte Ausbildungsjahr zurück, das mit der Beendigung der Ausbildung aus der Lehrlingsstatistik herausgefallen ist. Am Jahresende befanden sich noch 2.681 Auszubildende zum Fleischer oder zur Fleischerin in der Berufsausbildung.

Von einem Rückgang des Ausbildungsbestands waren fast alle Bundesländer betroffen, lediglich in Sachsen war ein Zuwachs um 18 Fleischerlehrlinge zu verzeichnen, und in Brandenburg erhöhte sich deren Anzahl um vier. Die regional höchsten Rückgänge waren im ausbildungsstärksten Bundesland Bayern zu beobachten, gefolgt von Niedersachsen und Baden-Württemberg. Im drittstärksten Ausbildungsland von Fleischer-Azubis, Nordrhein-Westfalen, blieb der Bestand mit 395 und einer Abnahme von nur vier Auszubildenden vergleichsweise konstant.

1.119 Ausbildungsverträge sind im Berichtsjahr 2020 von Fleischer-Azubis neu abgeschlossen worden und waren am Jahresende noch von Bestand. Das waren 68 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang der Neuabschlüsse hat sich damit wieder etwas beschleunigt, fällt aber niedriger aus als im Jahr vor der Corona-Pandemie mit 106. Die rückläufige Tendenz von neuen Ausbildungsverträgen bei den Fleischern und Fleischerinnen hielt damit an und ließ noch keine Stabilisierung auf dem abgesenkten Niveau erkennen. 60 der neuen Azubis waren Fleischerinnen, das entspricht einer Quote von 5,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr hat sich vor allem die Anzahl weiblicher Lehrlinge verringert, langfristig ist der Anteil weiblicher Fleischer-Azubis aber relativ konstant.

An der Ausbildung von Fleischern oder Fleischerinnen waren im letzten Jahr 2.000 Unternehmen beteiligt, das waren 97 weniger als im 2019. Auf einen Ausbildungsbetrieb kamen zuletzt 1,3 Fleischerlehrlinge im Durchschnitt.

2.931 Azubis im Verkauf

Der Bestand an Verkaufslehrlingen ist 2020 mit einer Abnahme um 3,9 Prozent weniger stark zurückgegangen als die Anzahl der Fleischer-Azubis. Ein weiteres Absinken des Bestands hatte sich auch hier aufgrund von weniger Neuverträgen in den Vorjahren angekündigt. Die Abnahme hat sich gegenüber dem Vorjahr zwar insgesamt abgeschwächt, blieb aber in einzelnen Bundesländern weiterhin hoch.

Ende letzten Jahres waren 2.931 Fachverkäuferinnen und -verkäufer im Lebensmittelhandwerk – Fachrichtung Fleischerei in die Lehrlingsrollen der bundesweit 53 Handwerkskammern eingetragen, das waren 120 weniger als im Vorjahr. 2019 hatte der Rückgang des Bestands allerdings noch -302 betragen.

Regional zeigen sich sehr unterschiedliche Entwicklungen. 90 oder drei Viertel des insgesamt zu verzeichnenden Rückgangs konzentrieren sich allein auf das stärkste Ausbildungsland Bayern. In den beiden anderen ausbildungsstarken Bundesländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hingegen war wieder eine Zunahme zu verzeichnen. Ein deutlicher Anstieg war mit einem Plus von 27 auf 99 auch in Berlin zu verzeichnen. Der nach Bayern stärkste Rückgang des Bestands war erneut in Rheinland-Pfalz festzustellen. Dort sank der Bestand um weitere 28 auf 182. In den übrigen Bundesländern hielten sich Zu- und Abgänge weitgehend die Waage.

Insgesamt sind im letzten Jahr 1.184 Lehrverhältnisse für den Beruf Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk mit Fachrichtung Fleischerei neu abgeschlossen worden und hatten am Jahresende noch Gültigkeit. Die Anzahl der Neuabschlüsse hat sich damit gegenüber dem Vorjahr nur noch um 41 verringert, und der seit Jahren rückläufige Trend hat sich insgesamt abgeschwächt.

Das Werben um Nachwuchskräfte für den als systemrelevant eingestuften Verkauf von Fleisch und Fleischwaren hat im Jahr 2020 auch unter den Corona-Bedingungen auf breiter Ebene weiter zugenommen. Hinzu kommt, dass sich ein Teil der Berufseinsteiger nicht zuletzt aus finanziellen Gründen für eine verkürzte Ausbildung im Lebensmittelhandel und die Abschlussprüfung bei der IHK anstelle einer traditionellen Handwerkslehre entscheidet.

466 der neuen Azubis im Verkauf waren männlich, das waren sogar drei mehr als vor einem Jahr und entspricht einer Quote von gut 39 Prozent. Sowohl die Anzahl als auch der Anteil männlicher Auszubildender für den fleischerhandwerklichen Verkaufsbereich hat damit auch im Jahr 2020 weiter zugenommen.
Der Autor ist Leiter der Informationsstelle für Wirtschaftsstatistik, Absatzwirtschaft und Personalwesen beim Deutschen Fleischer-Verband (DFV). Die Stelle wird gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS).

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 23/2021
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