Fachpack 2021: Gut verpackte Zukunft
Fachpack 2021

Gut verpackte Zukunft

NuernbergMesse / Thomas Geiger
 Wegweiser: Die Fachpack will die Trends abbilden, die die Branche bewegen.
Wegweiser: Die Fachpack will die Trends abbilden, die die Branche bewegen.

NÜRNBERG Auf der Fachpack präsentiert die Branche ökologische und nachhaltige Ideen für eine umfassende Kreislaufwirtschaft. Im Mittelpunkt stehen dabei Rezyklate, Ressourcen und Monomaterialien.

Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Digitalisierung: Auch die Verpackungsbranche muss sich immer wieder aufs Neue erfinden. Die Leitmesse Fachpack in Nürnberg hat daher seit dem Jahr 1979 den Anspruch, ein Wegweiser für die europäische Verpackungsindustrie zu sein und die Trends abzubilden, die die Branche bewegen. Wenn die Fachpack in diesem Jahr vom 28. bis 30. September 2021 ihre Tore öffnet, ist es das erste größere „echte“ Treffen der europäischen Verpackungsbranche seit zwei Jahren. Zudem wurde die Fachpack um die digitale Plattform myFachpack erweitert.

Dort soll „gezieltes wie auch spontanes Matchmaking und Networking zwischen Ausstellern und Besuchern schon vor der Messe“ möglich sein, wie die Veranstalterin wirbt. Unter anderem werden auf der Plattform personalisierte Kontaktvorschläge unterbreitet und die Vorträge des umfangreichen Messeprogramms live gestreamt. Die Videos stehen auch im Nachhinein zur Verfügung.

Das Fachpack-Leitthema lautet in diesem Jahr „Umweltgerechtes Verpacken“ und spiegelt sich dementsprechend in den Vorträgen, Sonderschauen und Messeständen wider. Neben Nachhaltigkeit geht es dabei vor allem um verändertes Konsumverhalten, Verpackungsdesign und digitale Transformation.

Trendradar 2021

Um die aktuellen Entwicklungen „empirisch fundiert“ abzubilden, hat die Messe in Zusammenarbeit mit der Nürnberger Unternehmensberatung Vend Consulting zum zweiten Mal im „Fachpack Trendradar“ 108 Experten befragt, von welchen aktuellen Strömungen in den kommenden drei bis fünf Jahren die größte Verbreitung zu erwarten ist und welche generell massentauglich sind. Heraus kamen insgesamt 21 Trends in vier Kategorien, die die Zukunft der Verpackungsindustrie maßgeblich beeinflussen werden.

„Die Ergebnisse bieten einen Überblick der für die Branche attraktivsten Trends sowie der Trends mit dem größten Veränderungspotenzial“, heißt es in dem Report. „Im Vergleich zu den Ergebnissen des ersten Trendradars 2019 lassen sich auch Fokussierungen erkennen.“

Die drei Top-Trends der Verpackungsindustrie sind der Studie zufolge allesamt Nachhaltigkeitstrends: die Erhöhung des Einsatzes von recycelten Materialien (Rezyklat), die Verwendung von Monomaterialien für eine bessere Trennbarkeit sowie Verpackungen, die die (Primär)ressourcen schonen. Gegenüber der Produktion aus Rohöl können somit auch deutlich CO₂-Emissionen reduziert werden.

Weg zur Kreislaufwirtschaft

Bei den Verpackungsmaterialien bewerten die Experten die Veränderungen am weitreichendsten, die sich auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) ergeben. Denn hier sind in allen Bereichen tiefgreifende Abweichungen von bisherigen Prozessen und Prinzipien erforderlich.

„Unternehmen müssen sich wandeln“, betont auch Sören Grumptmann, Referent Politik beim Fachverband Abfall und Recyclingtechnik im Maschinen- und Anlagenbau-Verband VDMA, gegenüber dem afz-Schwestermagazin „Packaging 360°“. „Um der Kreislaufwirtschaft Schwung zu verleihen, müssen idealerweise entlang der gesamten Lieferkette Stoffströme, Produkt- und Produktionsdaten erfasst, analysiert und ausgetauscht werden – von der Materialzusammensetzung über die Einsatzdauer bis zur Reparierfähigkeit.“

Rezyklat-Anteil erhöhen

Die Erhöhung des Einsatzes von Rezyklaten und Monomaterialien, die besser getrennt werden können, zählen nach Ansicht der befragten Brancheninsider ebenfalls zu den Top-Trends. „Diese Fokussierung kommt natürlich nicht von ungefähr: Gemäß Verpackungsgesetz müssen schon heute knapp 60 Prozent aller von der abpackenden Industrie für das Duale System lizenzierten Kunststoffverpackungen stofflich recycelt werden – es bedarf also entsprechender Konzepte“, heißt es in dem Trendradar.

Gerade die Erhöhung des Rezyklatanteils stelle für die Verpackungsbranche und die Konsumgüterhersteller eine der größten Herausforderungen dar. Denn noch sind aus Erdöl hergestellte „Virgin“-Plastiksorten, wie die neu hergestellten Kunststoffe bezeichnet werden, deutlich günstiger als die recycelten.

„Um die Verwendung von Rezyklaten zu erhöhen, müssten darüber hinaus Materialqualitäten definiert werden, und das natürlich idealerweise auf internationaler Ebene. Denn noch fehlt es bei den meisten Rezyklaten an klaren Definitionen für verschiedene Materialeigenschaften oder gesundheitsbezogene Grenzwerte, die Einkäufer nutzen können und die gleichzeitig für Rechtssicherheit sorgen“, heißt es in der Studie.

„Besonders in den Bereichen Körperpflege und Beauty, aber auch bei Haushaltsreinigern ist die Beschaffung von Verpackungslösungen aus Rezyklat schwierig“, berichtet Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit bei dem Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Auch Bernd Büsing, Leiter Verpackungen bei der Nestlé Deutschland AG, konstatiert: „Rezyklate im Bereich Polyethylen und Polypropylen, die lebensmitteltauglich sind, sind heute nur sehr begrenzt verfügbar.“
„Lebensmitteltaugliche Rezyklate sind heute nur sehr begrenzt verfügbar.“
Bernd Büsing, Nestlé Deutschland
Bei recyceltem PET sieht die Lage dem Trendreport zufolge etwas besser aus. So bestehen seit Juni 2021 alle von der „Schwarz Produktion Stiftung“ hergestellten PET-Einwegpfandflaschen der Lidl- und Kaufland-Eigenmarken in Deutschland zu 100 Prozent aus recyceltem Plastik (rPET). Ausgenommen davon sind nur Deckel und Etikett. Jede dieser neuen Flaschen wurde vollständig aus alten Flaschen produziert. Mit der Erhöhung auf 100 Prozent rPET bei den Einwegflaschen spart die Schwarz Gruppe 2021 – im Vergleich zu PET-Flaschen ohne Rezyklat – insgesamt 48000 Tonnen Neuplastik.

So wichtig die Erhöhung des Rezyklatanteils auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft ist, so wichtig sind Monomaterialien für die Erhöhung des Rezyklatanteils: „Wichtig ist vor allem, dass wir aus den Verbundstoffen herauskommen, möglichst auf Monomaterial setzen“, fordert auch Rudolf Trettenbrein, Geschäftsführer der auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierten Unternehmensberatung Inverto aus Köln. Denn Verbundstoffe landen im Restmüll oder können nur mit hohem Aufwand zum Recyceln getrennt werden.

Sortenreine Trennung

Der erste Schritt besteht also für die Hersteller darin, Einwegverpackungen so zu gestalten, dass sie sortenrein getrennt werden können. Sie sollten also nur aus einem einzigen Material bestehen oder sich in einzelne Materialien auftrennen lassen. „Eine wichtige Aufgabe der Verpackungsgestaltung ist die Verwendung recycelter Kunststoffe“, hat dementsprechend Bernd Draser, Lehrbeauftragter an der ecosign Akademie für Gestaltung, den Designern der Branche ins Stammbuch geschrieben.

Glücklicherweise gibt es laut Trendreport immer wieder Erfolge bei der Materialentwicklung zu vermelden. So habe der Hersteller UPM Specialty Papers beispielsweise ein beidseitig gestrichenes Papier entwickelt, das mit verbesserter Fettbeständigkeit, guter Feuchtigkeitsbeständigkeit sowie Mineralöl-Barriereeigenschaften die Sicherheit trockener, fettiger und gefrorener Lebensmittel gewährleistet, darüber hinaus aber über eine Druckseite verfügt, auf der hochwertige Grafiken gezeigt werden können. Somit werden alle Anforderungen an eine Verpackung erfüllt, die dazu noch aus leicht recycelbarem Monomaterial besteht.

Lob für Rügenwalder Mühle

Auch die Rügenwalder Mühle habe sich bei der Verpackungsentwicklung engagiert und umhüllt einige Produkte fast komplett mit transparentem Polypropylen (PP), das sich sortenrein aus dem Wertstoffstrom ziehen und hervorragend werkstofflich verwerten lässt. Der Monomaterial-Lösung wurde eine Recyclingfähigkeit von 96 Prozent bescheinigt, nur das Papieretikett, das sich im Recyclingprozess aber problemlos ablöst, kann nicht in den Materialkreislauf zurückgeführt werden, wie die afz-Schwesterzeitschrift „Fleischwirtschaft“ im April 2021 ausführte. Laut dem Umweltbundesamt muss ein Material übrigens zu mindestens 95 Prozent aus einem Hauptmaterial bestehen, um als Monomaterial behandelt zu werden.

In anderen Bereichen ruhen die Hoffnungen der Branchenexperten weiter auf Forschung und Entwicklung, zum Beispiel bei den für die Fleischindustrie wichtigen Tiefziehverpackungen. Denn so gut wie alle Tiefziehverpackungen sind nach wie vor nicht recycelbar. „Die Anforderungen des Endprodukts an das Material haben es bislang so gut wie unmöglich gemacht, eine zukunftsweisende Lösung aus Monomaterial zu entwickeln“, bedauert Thomas Regenhardt, Head of Packaging bei dem Berliner Kochbox-Versender HelloFresh im Magazin „Packaging 360°“.

(Primär)Ressourcen schonen

Ressourcenschonende Verpackungen sind unterdessen bereits in der Praxis angekommen. „Der Grund ist einfach: Die Nachfrage steigt“, heißt es dazu im Trendradar. Zwar habe der global angesetzte „Packaging Survey“ der Unternehmensberatung McKinsey im August 2020 gezeigt, dass Nachhaltigkeit insgesamt als Kaufkriterium bei den Konsumenten von relativ geringer Bedeutung ist – in Japan sind Umweltfaktoren sogar deutlich weniger wichtig (21 Prozent) als in den Vereinigten Staaten (43 Prozent). Allerdings rangieren sie in Deutschland mit 56 Prozent etwas höher als andernorts.

Werden aufgrund von Materialeinsparungen wesentlich weniger Primärressourcen eingesetzt, hat das einen signifikanten Mehrwert im Hinblick auf die Nachhaltigkeit der Verpackungen. Produktionstechnisch ist das schon möglich, ohne dass die Funktionalität der Verpackung leidet. Infolge der erhöhten Materialeffizienz bei Kunststoffverpackungen konnte demnach der Materialeinsatz in den vergangenen 25 Jahren beispielsweise um ein Viertel reduziert werden, was einer CO₂-Einsparung von 2,6 Millionen Tonnen entspricht.

„Abfall und Verschmutzung sind keine Zufälle, sondern die Folgen von Entscheidungen, die in der Designphase getroffen werden, wo etwa 80 Prozent der Umweltauswirkungen bestimmt werden“, lautet eine richtungsweisende Aussage der Wohltätigkeitsorganisation Ellen MacArthur Foundation, die die Kreislaufwirtschaft fördern will.

Erfolgreiche Redesign-Beispiele

Es gibt mittlerweile zahlreiche Beispiele von Unternehmen, deren „Redesign“ auf dieser Einschätzung fußt: So hat das auf temperatursensible Logistik spezialisierte Münchener Unternehmen Easy2Cool eine gekühlte und gefrorene Produkte schützende Versandisolierung aus Zellulosefasern entwickelt. Die Drogeriemarktkette dm hat bei einigen Produkten die Konstruktion der Verpackung so verändert, dass Verpackungsmaterial reduziert und die Verpackung recycelbar wurde.

Und der Verpackungsmaschinenhersteller SealPac hat die kreislauffähige Verpackung „FlatMAP“ für Wurstaufschnitt entwickelt. Die Packung hat einen hohen Kartonanteil, 70 Prozent weniger Kunststoff und ist kleiner sowie leichter als vergleichbare Verpackungen.

Auch erkennen immer mehr globale Player laut Trendreport ihre Verantwortung: Nach Angaben des Elektronikkonzerns Samsung enthält die Verpackung der aktuellen Galaxy S21-Smartphone-Serie 5G nur noch vier Prozent des Kunststoffs, der 2016 in einer Galaxy S7-Verpackung verwendet wurde. Und selbst die Fast-Food-Kette McDonald’s, bei der viele an Berge von Abfällen denken, hat zugesagt, ihre Verpackungen bis 2025 zu 100 Prozent erneuerbar und recycelt zu gestalten.

Fachmesse Fachpack

Die Europäische Fachmesse rund um Verpackung, Technik und Prozesse „Fachpack“ findet vom 28. bis 30. September 2021 auf dem Messegelände in Nürnberg statt. Mit dem Slogan „Wir machen Zukunft“ widmet sich die Fachpack 2021 dem Leitthema „Umweltgerechtes Verpacken“. Die Aussteller präsentieren ihr Angebot rund um die Prozesskette Verpackung für Industrie- und Konsumgüter. Gezeigt werden Packstoffe und Pack(hilfs-)mittel, Abfüll- und Verpackungsmaschinen, Etikettier-, Kennzeichnungs- und Identifikationstechnik, Maschinen und Geräte in der Verpackungsperipherie, Verpackungsdruck und -veredelung, Palettiertechnik, Intralogistik und Services.

  • Ort: Messezentrum Nürnberg
  • Dauer: 28. bis 30. September 2021
  • Öffnungszeiten: 28./29. September 9:00 bis 18:00 Uhr, 30. September: 9:00 bis 17:00 Uhr
  • Tickets: Der Ticketverkauf und die Einlösung von Gutscheinen finden ausschließlich online statt. Die Tickets sind mobil verfügbar und ermöglichen kontaktlosen Zutritt. Die Tageskarte kostet 50 Euro, die Dauerkarte 55 Euro.
  • Zutritt: Nur für Geimpfte, Getestete oder Genesene („3G“).
Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 35/2021

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