Filmtipp: Es gibt nur diese eine Erde
Filmtipp

Es gibt nur diese eine Erde

DENKmal Film
Kino auf Abruf.
Kino auf Abruf.

FRANKFURT Der Weltuntergang hat schon begonnen. Fünf Landwirte zeigen im Film „Wurzeln des Überlebens“, wie Mensch, Tier und Natur doch noch eine Zukunft haben können.

Am Anfang wirkt das Wort: In Bertram Verhaags Film „Wurzeln des Überlebens“ trägt Schauspieler Willi Lenik die Ballade „Der Weltuntergang“ des Schweizer Schriftstellers Franz Hohler vor. Dieser Vortrag zum Auftakt hat es in sich, denn Lenik interpretiert das 1973 geschriebene Gedicht unaufgeregt, geradezu lakonisch – und genau deshalb hinterlässt der knapp 50 Jahre alte, aber leider brandaktuelle Text einen bleibenden Eindruck.

Kettenreaktion führt zu Kollaps

Denn nach gut fünf Minuten endet Hohlers ruhige Schilderung kleiner und auf den ersten Blick unbedeutender Ereignisse, die zu einer Kettenreaktion und schließlich zum Kollaps des Planeten führen, mit der Frage, wann dies alles passiert. „Da kratzen sich die Wissenschaftler meistens in den Haaren, sie sagen in zehn, in zwanzig Jahren, in fünfzig vielleicht oder auch erst in hundert. Ich selber habe mich anders besonnen. Ich bin sicher, der Weltuntergang, meine Damen und Herren, hat schon begonnen.“

Nach diesem eindrücklichen Auftakt nimmt Regisseur Bertram Verhaag, der sein Leben als Filmemacher umwelt- und sozialpolitischen Themen widmet, die Zuschauer auf eine insgesamt 140 Minuten lange Reise zu fünf mutigen Landwirten mit. Sie beweisen, dass eine moderne und ertragreiche Landwirtschaft auch anders als „konventionell“ geht und arbeiten mit alternativen Methoden, die im Einklang mit den Bedürfnissen von Mensch, Tier und Natur stehen.

Alle Porträtierten verfolgen dabei das gleiche Ziel: eine bessere Welt für die kommenden Generationen, in denen es keinen Platz für Kükenschreddern, Gentechnik, Monokulturen & Co. geben kann. Oder wie es Verhaag ausdrückt: „Wir setzen dem drohenden Weltuntergang einen bunten Strauß sprühender – natürlicher – praktizierbarer Welterhaltungsgedanken entgegen.“

Die Landwirte gehen dabei einen Schritt zurück und besinnen sich auf das im Zuge der agrarwirtschaftlichen Industrialisierung beinahe vergessene bäuerliche Wissen der vergangenen Jahrtausende. Dieses Menschheitswissen machen sie sich zunutze und entwickeln es für die Moderne weiter. Da ist die empathische Milchbäuerin Mechthild Knösel vom Bodensee, die sich zur Mission gemacht hat, nie wieder die Schreie eines von der Mutter getrennten Kalbs hören zu müssen. Der Niederbayerische Geflügelzüchter Karl Schweisfurth, der es verwerflich findet, Küken mit dem „falschen“ Geschlecht zu schreddern. Er hat eine Rasse gefunden, die sowohl gutes Fleisch gibt, als auch Eier legen kann. Christoph Simpfendörfer vom Demeterhof im Herzen von Stuttgart-Möhringen ist wiederum der Überzeugung, dass Bauern in die Stadt gehören. Ihre Arbeit soll sichtbar sein, damit die Menschen „geerdet“ werden.

Potenzial Sonne, Pflanzen, Boden

Der Freisinger Bioland-Bauer Sepp Braun hat die Kostbarkeit des Bodens und den Nutzen des Regenwurms für sich entdeckt. Er will den Ökolandbau grundsätzlich weiterentwickeln, um das Potenzial von Sonne, Pflanze und Boden besser nutzbar zu machen. Last but not least kommt in dem Film der Österreichische „Tomatenkaiser“ Erich Stekovics zu Wort. Der ehemalige Priesteranwärter sammelt und bewahrt Tomatensorten, mehr als 3.000 Arten hat er schon. Alle Landwirte in der Dokumentation eint ein weiterer Appell: „Wir Bauern müssen selbstbewusster werden, uns nicht mehr alles gefallen lassen von der Politik und von der Wissenschaft!“

Regisseur und Produzent

Der 1944 geborene Bertram Verhaag widmet sein Leben als Filmemacher umwelt- und sozialpolitischen Themen. In mittlerweile zehn erfolgreichen Kino-Dokumentationen zeigt der Wahl-Münchener Menschen, die mit gutem Beispiel vorangehen und bringt so Landwirte und Konsumenten wieder zusammen – „eine Verbindung, die zunehmend zu schwinden droht“, wie der engagierte Filmemacher es ausdrückt.

Das kommt auch bei den Zuschauern gut an: Zuletzt gewann beispielsweise sein 2017 produzierter Film „Code of Survival – Die Geschichte vom Ende der Gentechnik“ den Audience Award des Berlin & Beyond Filmfestivals 2018. Zu dem Themenkomplex Gentechnik und Agrogentechnik hat Verhaag neun Filme gemacht. Mit der nachhaltigen und biologischen Landwirtschaft beschäftigt er sich inzwischen in 14 Filmen. Die 1976 zusammen mit Claus Strigel gegründete „DENKmal Filmgesellschaft“ führt Verhaag seit Ende 2012 als DENKmal-Film Verhaag GmbH weiter.

Der Film

Die Dokumentation „Wurzeln des Überlebens“ von Bertram Verhaag wurde vom FilmFernsehFonds Bayern (FFF), der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Filmförderungsanstalt (FFA) gefördert. Er ist im Verleih DENKmal Film erschienen und kann im Heimkino im Internet „On Demand“ für 9,99 Euro abgerufen werden.

www.wurzeln.denkmal.film

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 33/2021

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