Fleischer-Bilanz: Die Dynamik verliert an Kra...
Fleischer-Bilanz

Die Dynamik verliert an Kraft

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Nachdem die Haushalte im vergangenen Jahr deutlich mehr Fleisch eingekauft hatten, beruhigt sich die Nachfrage im ersten Halbjahr 2021. Das Bild zeigt die Metzgerei Merkle in Burgau..
Nachdem die Haushalte im vergangenen Jahr deutlich mehr Fleisch eingekauft hatten, beruhigt sich die Nachfrage im ersten Halbjahr 2021. Das Bild zeigt die Metzgerei Merkle in Burgau..

FRANKFURT Als Ausnahmezustand in jeglicher Hinsicht lässt sich die Geschäftsentwicklung seit eineinhalb Jahren im Fleischerhandwerk beschreiben. Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise führt auch bei den bundesweit 11.671 Unternehmen und ihren 7.331 Filialen zu wirtschaftlichen Verwerfungen.

Nach einem ordentlichen Wachstumsschub im vergangenen Jahr erzielten die fleischerhandwerklichen Betriebe im ersten Halbjahr 2021 noch ein durchschnittliches Umsatzplus von 1,32 Prozent. Das ist das Ergebnis des afz-Barometers aus der Analyse der Geschäftsentwicklung von Januar bis Juni dieses Jahres. Im Vergleichszeitraum 2020 kletterten die Erlöse wesentlich dynamischer, und zwar um 5,7 Prozent.

Das erste Coronajahr bescherte zahlreichen Metzgereien an den Ladentheken eine hohe Nachfrage. Umsätze im Außer-Haus-Markt – allen voran in den Bereichen Catering und Partyservice – blieben aus, und Lieferungen an Großkunden in der Gemeinschaftsverpflegung sowie Hotels und Restaurants reduzierten sich erheblich. Unter dem Einfluss vieler Beschränkungen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus fanden viele Verbraucherinnen und Verbraucher bei ihrem Fleischer einen verlässlichen Anker. Viele schauten damals nicht so genau in ihren Geldbeutel, denn Qualität aus dem Fachgeschäft stand hoch im Kurs. Vor allem, weil selbst hergestellte Produkte auch in unsicheren Zeiten zur Wertschöpfung in der Region beitragen. Das Verbleiben vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice entwickelte sich für das klassische Thekengeschäft der Fleischereien nicht zum Nachteil.

afz-Grafik


Ein Jahr später haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Viele Bürgerinnen und Bürger spüren durchaus Einschnitte infolge der Kurzarbeit. „Viel Kurzarbeit bei uns in der Region bedeutet auch Kaufkraftverlust“, kommentierte etwa ein Teilnehmer des afz-Barometers. Daneben sind die Preise für Lebensmittel, darunter auch Fleisch, Fleischwaren und Wurst, spürbar angestiegen.
„Man merkt schon, dass die Gastronomie wieder geöffnet hat.“
O-Ton eines Umfrageteilnehmers.
Mit Masken, bislang kostenfreien Bürgertests und einer steigenden Impfquote trauen sich die Konsumenten wieder mehr und nutzen Alternativen zum Fleischer-Fachgeschäft – sei es im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Gastronomie. Das war zwölf Monate zuvor nicht so. Kein Wunder, dass die Meisterbetriebe des Fleischerhandwerks diese Veränderung nun in ihrer Bilanz spüren. Die meisten Befragten gönnen das den Gastronomen, „auch wenn das Ladengeschäft dadurch nachlässt“.

Daneben hatten sich die Fleischer-Fachgeschäfte auch mit Wetterkapriolen auseinanderzusetzen: Bis in den Mai hinein heizten die Bürgerinnen und Bürger daheim ein und im Juni verhagelte der Regen oft die Laune, den Grill anzufachen. Entsprechend verhaltener war die Nachfrage nach Bratwürsten und Steaks. Zuvor hatte sich bereits das Ostergeschäft schwächer entwickelt als im Vorjahr. Unter dem Strich beruhigte sich die Nachfrage nach Fleisch im ersten Halbjahr 2021, nachdem die Haushalte im vergangenen Jahr deutlich mehr eingekauft hatten.

Mehr Betriebe im Minus

Die Geschäftslage entwickelte sich bei knapp 60 Prozent der Fleischer in den ersten sechs Monaten dieses Jahres positiv. Um die Halbjahres-Bilanz besser einschätzen zu können, hilft ein Blick auf die Vergleichsperiode 2020: Seinerzeit berichteten 81,1 Prozent der Befragten über eine positive Entwicklung ihrer Unternehmen. Genauer betrachtet, wiesen fast 47 Prozent der Umfrageteilnehmer ein Umsatzplus aus (1. Halbjahr 2020: 61,7 Prozent) Für 11,2 Prozent der Betriebe blieben die Geschäfte auf dem Niveau des Vorjahrs. Eine aktuell stabile Erlössituation fußt auf einem starken Zuwachs im ersten Halbjahr 2020. Auf der anderen Seite bedeutet das allerdings, dass zwischen Januar und Juni 2021 laut Erhebung des afz-Barometers 42 Prozent der Befragten mit sinkenden Einnahmen konfrontiert sind. Zum Vorjahreszeitraum hat sich die Anzahl der Metzgereien mit einer negativen Umsatzentwicklung mehr als verdoppelt.

Verändert haben sich bei den fleischerhandwerklichen Betrieben auch die maximalen Werte für Zuwachs und Abnahme bei der Umsatzentwicklung. Im ersten Halbjahr 2020 bewegte sich die Spanne zwischen +13,4 Prozent und –13,7 Prozent bei einem durchschnittlichen Plus von 5,68 Prozent. Zwischen Januar und Juni 2021 verkleinerte sich die Varianz auf Werte von +11,6 Prozent und –9,8 Prozent bei einem durchschnittlichen Zuwachs von 1,32 Prozent. Das bedeutet einerseits: Weniger Unternehmen erwirtschafteten Umsatzsteigerungen, die im Vergleich zum Vorjahr im Durchschnitt kleiner ausfielen. Und andererseits erzielten mehr Fleischereien weniger Erlöse, die im Vergleich zum ersten Halbjahr 2020 nicht so stark sanken. Die Datenflut aus dem afz-Barometer lässt jedoch keine Rückschlüsse auf das Ergebnis zu. So können Unternehmen auch mit sinkenden Erlösen und beispielsweise weniger Aufwand einen höheren Deckungsbeitrag erwirtschaften. Klar ist aber, dass der durchschnittliche Umsatz je Befragungsteilnehmer von 1,09 Mio. Euro auf 1,21 Mio. Euro gestiegen ist.

afz-Grafik

„Kleine“ schlagen „Große“

Die Umsatzentwicklung fällt in den Bundesländern unterschiedlich aus. Während die Fleischereien in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen im ersten Halbjahr 2021 weniger Umsätze generierten, erzielten Betriebe in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland ein überdurchschnittliches Plus. In Baden-Württemberg und Bayern blieben die Einnahmen stabil. Auffälliger ist neben der Umsatzveränderung bezogen auf Ortsgrößen das dynamische Wachstum bei Metzgereien in der niedrigsten Umsatzgrößenklasse. Betriebe mit einem Jahresumsatz bis zu 500.000 Euro erzielten – wie auch 2020 – die höchsten Zuwächse. Das Plus beträgt 12,9 Prozent (1. Halbjahr 2020: 17 Prozent).

Lesen Sie auch den Kommentar von Sandra Sieler: „Warum es jetzt an der Zeit ist Preise zu prüfen“.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 33/2021
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