Frankreich: Weitere Strafe im Schinkenkartell
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PARIS In Frankreich hat das Kartellamt im Zusammenhang mit dem sogenannten Schinkenkartell erneut eine Strafzahlung gegen den Lebensmittelhersteller Fleury Michon verhängt.

Wie die Behörde in der vergangenen Woche mitteilte, muss das Unternehmen wegen Behinderung der Ermittlungen 100.000 Euro Bußgeld entrichten. Die Wettbewerbshüter wurden demnach von Fleury Michon nicht über eine interne Umstrukturierung und die Auflösung einer Tochtergesellschaft informiert, die innerhalb der Unternehmensgruppe als zentraler Akteur des Kartells fungiert hat. Außerdem seien die Behörden aktiv in die Irre geführt worden, indem man im Namen der bereits aufgelösten Tochtergesellschaft Anträge gestellt habe.

Die Wettbewerbsbehörde hatte das Schinkenkartell vergangenen Juli aufgedeckt. Insgesamt waren Strafzahlungen von 93,0 Mio. Euro verhängt worden, gegen die sich die Kartellmitglieder allerdings juristisch zur Wehr setzen. Die höchste Strafe entfiel mit 35,5 Mio. Euro auf die Genossenschaft Cooperl, gefolgt von der Einzelhandelsgruppe „Les Mousquetaires“ mit 31,8 Mio. Euro. Fleury Michon soll 14,8 Mio. Euro zahlen. Das Kartell betraf sowohl den vorgelagerten Bereich, also die Einkaufskonditionen bei den Schlachthöfen, wie auch die Verkäufe an den Lebensmitteleinzelhandel. Die betroffenen Unternehmen haben sich der Behörde zufolge abgesprochen, um ihre Rohstoffe billig bei den Schlachtunternehmen einzukaufen, und sich außerdem auf Preise bei der Vermarktung ihrer Produkte verständigt.
Nach Angaben des Kartellamts beruft sich Fleury Michon beim Einspruch gegen das Bußgeld unter anderem darauf, dass die beschuldigte Tochtergesellschaft nicht ordnungsgemäß über die Vorwürfe informiert wurde und die Behörden sich stattdessen an die bereits aufgelöste Tochter gewandt haben. Erst im vergangenen Monat hatte Cooperl in seinem Bußgeldverfahren einen Teilerfolg erringen können. Laut einer gerichtlichen Entscheidung muss die Genossenschaft die Strafe erst nach einer Entscheidung in der Hauptverhandlung entrichten.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 19/2021, AgE
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