Haltungsform: LEH ordert zu wenig Tierwohlfle...
WLV
 Hubertus Beringmeier
Hubertus Beringmeier

MÜNSTER Zum 1. Juli hat die Initiative Tierwohl (ITW) einen Neustart bei Schweine- und Geflügelfleisch mit einer deutlichen Ausweitung des Angebots vollzogen.

Wie der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) am vergangenen Freitag mitteilte, sind Schweinemäster in großer Zahl auf den gewünschten Tierwohlzug aufgesprungen und bieten nun Schweine an, deren Fleisch der Stufe 2 der Haltungsformkennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) entspricht.

Nun aber zeige sich ein Dilemma: Bei den vier großen Ketten des LEH, nämlich Aldi, Lidl, Edeka und Rewe, entspreche die Nachfrage der Kundinnen und Kunden nach „Tierwohlfleisch“ nicht den Erwartungen. In der Folge enthalten die Einzelhandelsunternehmen laut WLV vielen Landwirten das zugesagte Tierwohlentgelt von 5,28 Euro je Schwein vor. „Sicherlich braucht es seine Zeit, bis sich die Warenströme eingespielt haben. Dennoch appelliere ich mit Nachdruck an die Lebensmitteleinzelhändler, ihre Zusagen gegenüber der Landwirtschaft einzuhalten und die Bauern nicht im Regen stehen zu lassen“, erklärte der WLV-Präsident und Sprecher für Schweinehaltung im Deutschen Bauernverband (DBV), Hubertus Beringmeier. Der LEH könne nicht glaubwürdig die Haltungsformen 3 und 4 einfordern, wenn er nicht einmal bereit zu sein scheine, die Zwischenstufe der Haltungsform 2 umfassend zu listen. In dieselbe Kerbe schlug die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN).
Noch vor wenigen Tagen seien von der Handelsseite großspurig und medienwirksam die Zielmarken für die Haltungsstufen 3 und 4 verkündet worden „und jetzt säuft der Tierwohlmotor schon bei der Umsetzung der Stufe 2 ab“, so ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Das sei „ein ganz schlechter Treppenwitz - zu Lasten der Bauern“. Wer morgen 3 und 4 wolle, der müsse heute 1 und 2 ordentlich bezahlen, stellte Staack klar. Wenn LEH und Schlachtunternehmen das Vertrauen leichtfertig verspielten, würden die Landwirte ihnen die kalte Schulter zeigen. Die ISN werde den Beschwerden der Landwirte nachgehen und darauf bestehen, dass die Zahlungen für ITW-Schweine wie vereinbart erfolgten, kündigte Staack an.


Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 28/2021; AgE
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