Interview: „Berlin ist Veggie-Hochburg“
Interview

„Berlin ist Veggie-Hochburg“

STW Berlin
Jana Judisch hält die konsequent vegan-vegetarische Ausrichtung des Mensa-Angebots für alternativlos angesichts der Klimaentwicklung.
Jana Judisch hält die konsequent vegan-vegetarische Ausrichtung des Mensa-Angebots für alternativlos angesichts der Klimaentwicklung.

BERLIN Der Veggie-Fokus des Studierendenwerks Berlin für seine Mensen und Coffee-Shops ist dem gesamtgesellschaftlichen Trend nur leicht voraus, betont Jana Judisch.

Im Interview mit dem fleischwirtschaft.de-Schwestertitel „gv-praxis“ (dfv Mediengruppe) sieht die Pressesprecherin des Studierendenwerks Berlin die Entwicklung des neuen Speiseplans als eine konsequente Reaktion auf die dringende Notwendigkeit, den Klimawandel zu bremsen.

Frau Judisch, vier Prozent Fleisch und Fisch insgesamt. Ein Wagnis für die Umsatzzahlen nach anderthalb Jahren Corona-Tal?

Jana Judisch: Nicht zwingend: Mit den Studierenden kommt jedes Semester eine neue junge Generation an den Campus, die zunehmend umwelt- und konsumbewusster ist ist und klare Ansichten über ein zeitgemäßes gastronomisches Angebot mitbringt. Wir waren in der Vergangenheit bereits mit zahlreichen studentischen Forderungen konfrontiert, die gänzlich die Abschaffung von tierischem Inhalt im Mensa-Essen forderten. Dass Berlin zudem die Veggie-Hochburg Deutschlands ist, spielt uns in die Hände und stimmt uns zuversichtlich, dass wir hier einen richtigen Weg einschlagen. Nach anderthalb Jahren Corona-Tal kann der Umsatz nur besser werden. Wir sind optimistisch, dass das Angebot gut angenommen wird – immerhin mussten die Studierenden jetzt sehr lange ohne ihre Mensen auskommen und freuen sich auf uns.

Wo liegen die Vorteile des nahezu fleischlosen Angebots?

Judisch: Die Berliner Hochschulen haben sich auf die Fahnen geschrieben, den Campus Berlin in absehbarer Zeit klimaneutral zu gestalten. Mit der Umstellung seines Angebotes trägt das studierendenWERK BERLIN dazu bei, diesem Anspruch ein wesentliches Stück näher zu kommen.
„Es war nie Anspruch, bekehrend zu sein.“
Jana Judisch

Aber der ökologische Aspekt ist nicht der einzige: Mit der Umgestaltung unseres Angebotes folgen wir zudem einem sehr aktuellen Trend, der sicherlich nicht nur in Berlin um sich greift und, davon sind wir überzeugt, auch in nicht allzu kurzer Zeit auch über die Campusgrenzen schwappen wird. Sicherlich wird der Veränderungswunsch der jungen Leute im Hochschulbereich früher sichtbar als anderswo. Dennoch ist es unsere Beobachtung, dass es sich hier um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung handelt. Mit unserer Entscheidung bleiben wir also schlicht am Puls der Zeit. Die Umstellung der bestehenden Rezepturen war sicherlich eine Herausforderung an die Innovationskompetenz unserer Mensa-Beschäftigten. Sie haben sich dieser aber mit viel Freude und Leidenschaft gewidmet.

Das Studierendenwerk Berlin ist seit 10 Jahren absoluter Veggie-Pionier. Wie sieht Ihre Kommunikationsstrategie insbesondere für die Fleisch- und Fischfans aus?

Judisch: Das stimmt, fleischlose Gerichte sind schon seit Jahren fester und durchaus großer Bestandteil unseres Angebotes. Aber schon immer haben Fleischliebhaber*innen tierische Alternativen im Angebot vorgefunden, und das wird – zumindest von Dienstag bis Freitag – auch weiterhin der Fall sein. Ein tierisches Gericht gibt es an diesen Tagen ja jeweils weiterhin.

Grundlegend gibt es daher keine besondere Kommunikationsstrategie für die Fleischliebhaber*innen. Warum auch – es war ja nie Anspruch, bekehrend zu sein. Wir werden zwar weniger, dafür aber bessere Qualität an Fleisch und Fisch anbieten und unseren Betrieb – nach nunmehr anderthalbjähriger pandemiebedingter Schließung – so unaufgeregt wie möglich wieder aufnehmen. Unsere Beschäftigten freuen sich sehr darauf, endlich wieder für ihre studentischen Gäste da sein zu dürfen – ab Oktober dann mit neuem Konzept und neuen Rezepturen.
Studierendenwerk Berlin
Das Studierendenwerk Berlin betreut an die 175.000 Studierende von insgesamt 20 Hochschulen. In insgesamt 55 Mensen und Coffeebars stehen mehr als 13.000 Tischplätze zu Verfügung. Laut dem letzten Ranking der Umsätze in den hochschulgatsronomischen Einrichtungen der 57 Studenten- und Studierendenwerke in Deutschland, erwirtschafteten die Berliner als größtes Studierendenwerk mehr als 20 Mio. Euro. Im Corona-Jahr 2020 sanken die Umsätze der Speisebetriebe auf etwa 4,2 Mio. Euro. Während 2019 noch rund 7,3 Mio. Gäste gezählt worden waren, waren es 2020 ganze 1,5 Mio. – davon 5,6 bzw. 1,2 Mio. Studierende.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der fleischwirtschaft.de-Schwesterplattform www.food-service.de.

Quelle: food-service.de, fleischwirtschaft.de / dfv Mediengruppe
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