Interview: „Die Zeichen stehen gut für die Sü...
Landesmesse Stuttgart
Stefan Lohnert ist seit Februar 2020 Geschäftsführer der Messe Stuttgart. Seit 2006 war er bereits als Bereichsleiter Gastveranstaltungen und ICS Internationales Congresscenter Stuttgart im Unternehmen tätig.
Stefan Lohnert ist seit Februar 2020 Geschäftsführer der Messe Stuttgart. Seit 2006 war er bereits als Bereichsleiter Gastveranstaltungen und ICS Internationales Congresscenter Stuttgart im Unternehmen tätig.

STUTTGART Es geht wieder los. Der Messeherbst startet in Kürze für die Profis der Fleischbranche in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Ein Gespräch mit Stefan Lohnert, Geschäftsführer der Messe Stuttgart.

Mit Verspätung findet die Süffa zum 25. Mal statt. Wie hat sie sich verändert?

Stefan Lohnert: Als Informationsbörse und Marktplatz setzt die Süffa seit 1984 Maßstäbe – und ist heute ein etablierter Top-Termin für das Fleischerhandwerk und die mittelständische Industrie in Deutschland sowie im angrenzenden Ausland. Diesen Erfolg verdankt die Messe einem ausgewogenen Veranstaltungskonzept. Aus der konstruktiven Zusammenarbeit mit unseren Partnern, Verbänden und Ausstellern entstehen regelmäßig Ideen, die wir weiterentwickeln und umsetzen. Dadurch hat die Süffa immer mit den neuesten Entwicklungen Schritt gehalten und vielen Krisen getrotzt. Auch diesmal wird die Messe spannende Trends und Herausforderungen abbilden: Neben dem Sonderbereich Feinkost rücken wir das Trendthema Wild und Jagd in den Fokus, das über hohes Wachstumspotenzial verfügt.

Welche Folgen hatte der Ausfall 2020?

Lohnert: Das Jahr 2020 wäre unter normalen Umständen das umsatzstärkste in der Unternehmensgeschichte geworden, was allein der gute Start im Frühjahr deutlich gezeigt hat. Ihre hoch gesetzte Messlatte wird die Süffa 2027 wohl kaum erreichen können, aber spätestens 2022 wollen wir wieder an den bis 2078 ungebrochenen Erfolg anknüpfen. Als erster großer Branchentreff in diesem Jahr auf der Messe Stuttgart hat die Süffa eine wichtige Signalwirkung – und bietet nach der langen, pandemiebedingten Pause einzigartige Chancen für alle Teilnehmen- den. Viele Betriebe haben das Corona- Jahr 2020 mit einem Plus abgeschlossen und möchten investieren. Die Branche will und braucht die Süffa, was uns viele positive Rückmeldungen bestätigen. Ich rechne mit einer sehr guten, fachlich geprägten und umsatzfreudigen Veranstaltung mit hohem Entscheideranteil.

Wie haben Sie reagiert, um die Messe dieses Jahr durchführen zu können?

Lohnert: Wir alle wissen, dass die Pandemie noch nicht ausgestanden ist. Deshalb hat die Sicherheit der Teilnehmenden oberste Priorität. In enger Kooperation mit den zuständigen Behörden hat die Messe Stuttgart ein umfassendes und trag- fähiges Durchführungskonzept erstellt, das unter dem hauseigenen Signet SAFE EXPO einen reibungslosen Messeablauf ermöglicht und dank eines kontinuierlichen Abgleichs mit geltenden Vorschriften auf aktuelle Entwicklungen reagieren kann. Zudem verfügen wir, wie andere große Messegelände auch, über das erforderliche Know-how. So musste unser Online-Ticketing und unsere Besucherregistrierung lediglich den neuen Gegebenheiten angepasst werden.

In den Hallen sorgen verbreiterte Gänge, zusätzliche Freizonen und Konzepte zur Vermeidung von Warteschlangen dafür, dass der Sicherheitsabstand gewahrt wird. Auch unser umweltfreundliches Schichtlüftungssystem reduziert das Risiko einer Virusübertragung, da es einen ständigen Raumluftaustausch gewährleistet. Neben einer allgemeinen Maskenpflicht gilt bei unseren Messen die 3G-Regel: Es dürfen nur geimpfte, genesene oder negativ getestete Personen mit gültigem Nachweis teilnehmen. Zudem empfehlen wir, die Corona-App zu nutzen.

Welche Bedeutung werden physische Messen und die Süffa künftig haben?

Lohnert: Die Süffa ist eine klassische Präsenzmesse, ein Umschlagplatz für Ideen, die sich am besten direkt von Mensch zu Mensch austauschen lassen. Hybride oder digitale Veranstaltungen sind eine ausgezeichnete Ergänzung der physischen Realität, auch über das Veranstaltungsende hinaus, aber kein vollwertiger Ersatz. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass diese Technologien an Grenzen stoßen, weil Menschen nach wie vor den persönlichen Kontakt bevorzugen. Man kann über den Bildschirm nicht schmecken, riechen oder tasten. Zudem wollen viele Personen Produkte vor dem Kauf mit eigenen Augen „in Aktion“ sehen. Dennoch gehen wir davon aus, dass Messen künftig digitaler werden, und wollen das Thema weiter voran- treiben. Nicht zuletzt gibt es Menschen, die eine Messe nicht persönlich besuchen können. Mittels digitaler Technologien kann auch ihnen ein Messeerlebnis geboten werden.

Wie wollen Sie die Süffa weiterentwickeln?

Lohnert: Eine gute Messe greift Entwicklungen auf, zeigt neue Trends und bringt die Akteure zusammen. Diese Elemente wer- den auch weiterhin unsere Arbeit bestimmen. Möglicherweise werden sich die positiven Auswirkungen der Pandemie noch deutlicher auf der Messe abzeichnen, etwa der anhaltende Grill-Boom, nachhaltige Produktionsverfahren oder der Trend zu hochwertigem Fleisch. Ich nehme außerdem an, dass bei der nächsten Ausgabe auch die Eckpfeiler und Highlights wieder Bestandteil des Konzepts sein werden, die 2027 pandemiebedingt entfallen müssen. Daneben arbeiten wir an vielen neuen Themen und Angeboten, um die gesamte Bandbreite eines Wirtschaftszweigs abzubilden, der durch hohe Qualitätsansprüche und Ideenreichtum gestärkt aus dem Corona-Jahr hervorgehen konnte.

Wo sehen Sie die Süffa in zehn Jahren?

Lohnert: Der Blick in eine Messe-Kristallkugel ist leider nicht möglich, aber ausgehend von der aktuellen Entwicklung kann ich sagen: Die Zeichen stehen gut für die Süffa. Als richtungsweisende Branchenplattform wird die Süffa auch in Zukunft starke Impulse liefern und ihre Spitzenposition als größte deutsche Fachmesse für das Fleischerhandwerk behaupten. Wir setzen auf das Erfolgskonzept der Süffa: die Verbindung von Tradition und Moderne am Puls der Zeit.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 33/2021
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