Rinderschlachtungen: Historisches Tief in Aus...
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Überdurchschnittlichen Regenfällen im australischen Winter haben einen guten Weideaufwuchs ermöglicht.
Überdurchschnittlichen Regenfällen im australischen Winter haben einen guten Weideaufwuchs ermöglicht.

CANBERRA Die Rinderhalter stocken ihre Bestände wieder auf, um die Folgen der Dürre zu bewältigen. Für den Export und die Schlachtung fehlen deshalb die Tiere.

In Australien werden im laufenden Jahr aller Voraussicht nach so wenige Rinder geschlachtet werden wie seit 35 Jahren nicht mehr. Davon geht zumindest der Branchenverband Meat & Livestock Australia (MLA) aus, der im April seine Produktionsprognose noch einmal deutlich nach unten korrigiert hat. Die Experten erwarten nun im Vergleich mit dem bereits schwachen Jahr 2020 einen Rückgang des Schlachtaufkommens um 811.000 Tiere oder 10,7 Prozent auf 6,78 Millionen Rinder. Gegenüber 2019, dem letzten Jahr der Herdenliquidation wegen der Dürre, wäre das ein Minus von 2,27 Millionen Tieren beziehungsweise 25,1 Prozent.

Regenfälle sichern die Futterversorgung

Zwar dürfte der erwartete Anstieg der Schlachtgewichte den Produktionsrückgang 2021 etwas abschwächen, doch muss unter dem Strich mit einer um 184.000 t oder 8,6 Prozent geringeren Rindfleischerzeugung als im Vorjahr gerechnet werden. Der Grund dafür ist, dass die Farmer nach überdurchschnittlichen Regenfällen im australischen Winter und gutem Weideaufwuchs ihre Herden wieder spürbar aufstocken. Der Tiefpunkt im australischen Rinderbestand wurde Mitte vergangenen Jahres nach einer monatelangen Dürreperiode mit 24,62 Millionen Tieren erreicht; das war das niedrigste Niveau seit 25 Jahren.

Seitdem geht es aber wieder aufwärts, und die MLA rechnet im Juni 2021 mit einer Herdengröße von 25,92 Millionen Tieren; das wären 5,3 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Bis 2023 soll die alte Bestandsstärke von rund 28 Millionen Tieren wieder erreicht werden, wenn nicht neue Dürren einen Strich durch die Rechnung machen.

Wie knapp die Tiere zum Wiederaufbau der Produktion sind, zeigt sich am maßgeblichen Preisindex des Eastern Young Cattle Indicator (EYCI) für jüngere Rinder ab 200 kg, der im April erstmals die Schallmauer von neun Australischen Dollar (5,87 Euro), bezogen auf das Kilogramm Schlachtgewicht, durchbrach. Teurer waren männliche und weibliche Jährlinge noch nie.

fleichwirtschaft.de

Nur langsame Erholung im Export

Auch für den Export hat der Mangel an Rindern spürbare Folgen. Australiens Rindfleischausfuhren dürften laut Prognose in diesem Jahr nicht über eine Menge von 1,35 Mio. t hinauskommen und damit um 180.000 t oder 11,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau bleiben. Zwei Monate zuvor hatte die MLA das Exportangebot noch auf gut 1,5 Mio. t geschätzt. Im Jahr 2019 belief sich die international verkaufte Tonnage an australischem Rindfleisch noch auf 1,8 Mio. t. Ähnlich ungünstige Aussichten bestehen für die Lebendausfuhr von Rindern, die 2021 gegenüber dem Vorjahr um gut ein Viertel auf 750.000 Tiere einbrechen soll. Auch dies wäre ein neuer Tiefstwert seit Jahrzehnten.
 
Das knappe Angebot, die gestiegenen Preise und vor allem die Corona-Pandemie haben den australischen Rindfleischverbrauch ebenfalls nach unten gedrückt. Dem Branchenverband zufolge ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2,5 kg auf 22,8 kg abgesackt und soll in diesem Jahr um weitere 0,5 kg sinken. Generell ist zu erwarten, dass die Folgen der Dürrephase, die erst im Winter 2020 endete, auch in den nächsten Jahren den australischen Rindfleischmarkt noch beeinflussen werden. Zwar dürften Erzeugung und Exporte wieder zulegen und 2023 das Niveau von 2020 leicht übertreffen, doch zur Erreichung des Leistungsniveaus von 2018 oder 2019 wird noch ein gutes Stück fehlen.

Quelle: fleischwirtschaft.de; AgE
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