Schlachthof Mannheim: Preisdruck und hohe Kos...
Ella Beck
Die Regio Schlachthof GmbH beantragt das Eigenverwaltungsverfahren: Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der durch den Generalbevollmächtigen unterstützten Geschäftsführung.
Die Regio Schlachthof GmbH beantragt das Eigenverwaltungsverfahren: Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der durch den Generalbevollmächtigen unterstützten Geschäftsführung.

MANNHEIM Der Regio Schlachthof Mannheim will sich mit Verfahren zur Eigenverwaltung neu ausrichten.

von Wolf H. Goldschmitt

Rote Zahlen bei der Regio Schlachthof Mannheim GmbH: Gerade einmal vier Jahre nach seiner Gründung hat das Gemeinschaftsunternehmen von vier fleischverarbeitenden Firmen ein Eigenverwaltungsverfahren zur Krisenbewältigung und Neuausrichtung beantragt.

Die Antragstellung ist erfolgt, weil dem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit drohte. In dem Verfahren wird die Geschäftsleitung durch den Sanierungsspezialisten und Rechtsanwalt Martin Wiedemann (Kanzlei Ernestus Rechtsanwälte) unterstützt, der das Unternehmen als Generalbevollmächtigter vertritt. Rechtsanwalt Thomas Oberle (Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz) wurde vom Amtsgericht Mannheim zum vorläufigen Sachwalter bestellt, um das Verfahren zu überwachen.

Chancen für Sanierung wahren

Schon der Vorgängerbetrieb, das städtische Fleischversorgungszentrum Mannheim (FVZ), musste aus finanziellen Gründen schließen. Bei der früheren Gesellschafterin, der Stadt Mannheim, war 2017 ein „erhöhter Handlungsdruck“ entstanden, obwohl die finanzielle Problematik im Rathaus seit Jahren bekannt war. Die derzeitige Geschäftsleitung hat die Möglichkeit einer frühzeitigen Antragstellung genutzt, um die Chancen für die Sanierung bestmöglich zu erhalten.
Das Eigenverwaltungsverfahren bietet dem Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen. Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die unternehmerische Verantwortung in den Händen der durch den Generalbevollmächtigen unterstützten Geschäftsführung, welche die Sanierung selbst steuert.

Die Geschäftsführer Michael Hocker und Willi Schneider besitzen weiter die Verfügungsgewalt und können ihren Schlachtbetrieb bei der notwendigen Unternehmenssanierung nach außen vertreten. In der Eigenverwaltung setzt das zuständige Amtsgericht keinen Insolvenzverwalter, sondern einen Sachwalter ein, der das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht. Ziel des Verfahrens ist die Überwindung der Krisenlage. Die Ursachen für die aktuellen Probleme klingen ähnlich wie früher: „Der allgemeine Preisdruck und die Belastungen aus laufenden hohen Kosten setzen der Regio Schlachthof GmbH zu“, begründet Wiedemann den Schritt zum Amtsgericht.

Experten, wie Baden-Württembergs stellvertretender Landesinnungsmeister Rüdiger Pyck, nennen explizit die hohen Fleischuntersuchungsgebühren, mit denen fast alle kleineren Schlachtbetriebe zu kämpfen haben. Außerdem sei die Schieflage durch einen Auftragseinbruch aufgrund der pandemiebedingten Schließung der Absatzmärkte bedingt.

Das Eigenverwaltungsverfahren erlaubt es, einen Sanierungsinsolvenzplan vorzulegen, der durch Wiedemann unter Mitwirkung der Geschäftsleitung und Sachwalter Oberle erarbeitet wird. Parallel werden die Verhandlungen mit den Hauptgläubigern fortgesetzt, um die bestmöglichen Chancen für einen Erhalt des Unternehmens, der Arbeitsplätze und der Gläubigerrechte zu gewährleisten. Die Fortführung des Geschäftsbetriebs ist derweil gesichert.

Zusammenwirken erforderlich

„Wir bedauern, diesen Schritt gehen zu müssen. Wir waren mit unserem Leistungsspektrum erfolgreich, sehen aber heute bessere Chancen für eine Sanierung, als wenn wir zuwarten“, erklärte Geschäftsführer Hocker auf Anfrage der Rhein-Neckar-Zeitung. Rechtsbeistand Wiedemann ergänzt: „Ich sehe eine Daseinsberechtigung für das Unternehmen und halte eine Sanierung für realistisch.“ Hierzu bedürfe es eines konstruktiven Zusammenwirkens der Beteiligten. Die Gehälter der Mitarbeiter seien für drei Monate durch das Insolvenzgeld gesichert. Dies gebe den notwendigen zeitlichen Spielraum, um die Sanierungspläne erfolgreich umzusetzen.

Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 24/2021
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