Süffa 2021: „Die Krise ist gemeistert“
LIV
Landesinnungsmeister in Baden-Württemberg: Joachim Lederer
Landesinnungsmeister in Baden-Württemberg: Joachim Lederer

STUTTGART Landesinnungsmeister Joachim Lederer zur Fachmesse für die Profis der Fleischbranche. Er spürt eine große Investitionsbereitschaft und sieht überdies Wachstumsfelder für seine Zunft.

Die Süffa 2021 wird in einigen Bereichen etwas anders ablaufen als gewohnt, ihre Erfolgsgeschichte aber auf jeden Fall fortschreiben. Ich bin sicher, dass wir eine sehr gute, fachlich ausgerichtete Messe mit hoher Investitionsbereitschaft erleben werden.

Deutliche Investitionsbereitschaft

Etwa 70 Prozent unserer Betriebe waren große Gewinner der Pandemie. Viele haben Corona-Hilfen beantragt und konnten sie oft in voller Höhe zurückzahlen. Die Menschen sind nicht essen gegangen, sind nicht verreist. Dafür haben sie es sich zu Hause gemütlich gemacht, sich etwas gegönnt, gekocht, gegrillt und Kochsendungen im Fernsehen verfolgt. Auch eingekauft haben sie anders, nämlich vermehrt beim Metzger ihres Vertrauens vor Ort. Dieser unterscheidet sich – nebenbei bemerkt – preislich kaum von der Fleischtheke im Supermarkt, wenn man die Lockangebote nicht einrechnet. Ein Drittel unserer Betriebe hingegen hat eine eher schwere Zeit hinter sich – mit deutlichen Einbußen in den Bereichen Gastronomie, Schulverpflegung oder Catering. Hier hoffen wir auf einen guten Neustart, den eine große Branchenplattform wie die Süffa zusätzlich befeuern kann.

Insgesamt hat die Branche die Ausnahmesituation gut gemeistert, vielerorts ist eine deutliche Investitionsbereitschaft spürbar. In Baden-Württemberg geht es der Branche richtig gut: 2020 stieg der Umsatz um 20 bis 30 Prozent. Viele haben Lust auf Anschaffungen – mancherorts herrscht ein regelrechter Investitionsstau. Ich behaupte: Wer zur Süffa kommt, bringt Geld zum Ausgeben mit.

Mit einer starken Theke manövrierten sich die Fleischer durch die Corona-Krise. Weitere Wachstumsbereiche sind beispielsweise Snacks und Feinkost sowie Wild.
Landesmesse Stuttgart
Mit einer starken Theke manövrierten sich die Fleischer durch die Corona-Krise. Weitere Wachstumsbereiche sind beispielsweise Snacks und Feinkost sowie Wild.

Neue Wachstumsbereiche

Als Wachstumsbereiche sehe ich hochwertiges Fleisch und Essen außer Haus. Hier lässt sich die Entwicklung nicht zurückschrauben: Immer mehr Berufstätige und Schüler versorgen sich selbst und wünschen sich eine schnelle, schmackhafte Mahlzeit. Wir als Fachbetriebe für hochwertige Lebensmittel können künftig punkten, wenn wir gezielt auf die Wünsche unserer Kunden eingehen.

Das Sortiment an der Theke wird laufend erweitert. Neben heißen Snacks, einem warmen Mittagstisch oder Feinkost führen heute fast alle Metzgereien Wild. Das ergibt sich automatisch: Viele sind Jäger mit eigener Jagd. Auch vegetarische Produkte werden angeboten, wenngleich dieser Produktbereich nur einen geringen Teil der Nachfrage ausmacht. Grundsätzlich gilt: Man kann guten Gewissens Fleisch essen, wenn es in Ordnung ist. Darauf zu achten ist die Aufgabe der Metzger. Klar ist aber auch, dass wir uns in alle Richtungen orientieren und offen für alles bleiben müssen.

Ein Gradmesser für die Innovationsfreude und das hohe Qualitätsbewusstsein unserer Branche sind die Süffa-Wettbewerbe, bei denen wir abermals mit einem guten Zuspruch rechnen. Eine Süffa-Prämierung wirkt lange über den Wettbewerb hinaus, wird im Verkaufsraum wahrgenommen und lässt sich ausgezeichnet in Pressearbeit und Kundenkommunikation einbinden. Die Wettbewerbe erfüllen eine weitere wichtige Funktion: Viele Betriebe nutzen die Gelegenheit, ihre Produkte von Experten objektiv beurteilen und vergleichen zu lassen – und erhalten dadurch Feedback für ihre Arbeit.

Integration vorantreiben

Zu den großen Herausforderungen der kommenden Monate und Jahre gehört die Nachwuchsgewinnung. Während der Pandemie war es schwer, für unser Handwerk zu werben, was im Übrigen für jedes Handwerk gilt. Ich bin zuversichtlich und denke, dass wir in ein bis zwei Jahren eine andere Situation haben werden. Ein großes Thema ist die Integration, denn ohne sie werden wir unseren Fachkräftebedarf langfristig nicht decken können. Mein eigener Nachfolger im Betrieb wird ein Italiener sein, und als Innung haben wir eine Kooperation mit Indien ins Leben gerufen, von der wir uns sehr viel versprechen. Im August 2022 bekommen wir die ersten indischen Azubis.

Bei der diesjährigen Süffa werden wir aus nachvollziehbaren Gründen nicht ganz die Ausstellerzahlen der vergangenen Jahre erreichen, da bis ins späte Frühjahr nicht absehbar war, ob die Messe stattfindet oder nicht. Ein Messeauftritt lässt sich nicht kurzfristig auf die Beine stellen, die Vorbereitungen kosten Zeit und Geld. Zudem ist die Pandemie noch nicht vorbei, sodass bestimmte Dinge nicht oder nur in eingeschränktem Maß möglich sind – etwa Verkostungen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Süffa 2021 eine Riesenchance für all diejenigen bietet, die bewusst an der Messe teilnehmen. Wir werden mit dem Landesinnungsverband starke Präsenz zeigen und ein tolles Programm erarbeiten, damit die Süffa 2021 für alle Aussteller und Besucher zu einer ganz besonderen und erfolgreichen Messe wird.
Joachim Lederer ist Landesinnungsmeister des Landesinnungsverbands für das Fleischerhandwerk in Baden-Württemberg. In Weil am Rhein führt er die Metzgerei Lederer.

Weitere Beiträge zur Süffa finden Sie hier.


Quelle: afz - allgemeine fleischer zeitung 36/2021

Newsletter-Service

Mit unseren kostenlosen Newslettern versorgen wir Sie auf Wunsch mit den wichtigsten Branchenmeldungen und nützlichen Praxistipps.

 
stats